Nürnberg - Wer entscheidet, was kommentiert wird? Wie finden wir in der Redaktion unsere Themen für die Meinungsspalte? Alexander Jungkunz gibt einen Einblick in den Abstimmungsprozess.
08.01.2026 10:06 Uhr

Jeden Tag lesen Sie (hoffentlich) auf der Seite 2 unserer Zeitung zwei bis drei Meinungsbeiträge. Meistens sind es zwei lange Kommentare, die so genannten Leitartikel. Manchmal ist es nur ein „Leiter“, wie wir intern sagen, und ein kürzerer Kommentar, dazu eine Karikatur. Oder ein „Leiter“ und zwei Kurzkommentare.

Wer entscheidet, was kommentiert wird? Das ist nicht einheitlich geregelt. Denn an manchen Tagen sind die Themen, die zur Kommentierung anstehen, absolut klar. Wenn etwa die Kandidatin fürs Bundesverfassungsgericht durchfällt, wie im Sommer 2025. Oder die Rentenreform nach langem Hin und Her im Bundestag eine klare Mehrheit findet. Dann steht fest: Das ist ein Thema, zu dem wir eine Meinung haben sollten, ja müssen.

An anderen Tagen ist die Lage weit weniger eindeutig, da drängt sich auf den ersten Blick manchmal nichts auf. Dann lohnt sich Planung: Es gibt eigentlich immer einige Themen, die quasi „auf Halde“ stehen - nicht an den Tag gebunden. Die kommen an solchen Tagen zum Zuge.

Die Abstimmung läuft rasch und passgenau auf digitalen Kanälen

Für die Vergabe von Aufträgen für Kommentare und Leitartikel nutzen wir in der Regel digitale Kanäle, dort sind Absprachen schnell und passgenau möglich. In einer Gruppe sind alle potenziellen Kommentar-Schreiberinnen und Schreiber versammelt.

Gerade für Meinungsbeiträge gilt: Sie müssen gründlich gegengelesen werden, oft von mehr als zwei weiteren Augen. Nicht, weil es da Vorgaben bei der Meinung gäbe - nein: Es geht um klare, verständliche und nachvollziehbare Argumente. Nebenbei: Manche Leser kritisieren Kommentare als „nicht objektiv“. Können und sollen sie auch nicht sein: Kommentare sind Meinungsbeiträge, man darf ihnen widersprechen, sie sollen ja Debatten anstoßen.

Dass wir Meinungsvielfalt anpeilen und ausbauen wollen, das zeigt sich an unseren Pro & Contra-Kommentaren. Sie eignen sich nicht für alle, aber doch für etliche Themen. Und interessant ist: Selbst wir als meist erfahrene Schreiber von Meinungsbeiträgen können da oft sowohl dem Pro als auch dem Contra zustimmen. Was zeigt: Die meisten Themen vertragen unterschiedliche Standpunkte.