Forchheim - Frauen sind auf allen politischen Ebenen in der Minderheit. Wir haben mit politisch engagierten Frauen im Landkreis Forchheim über ihre Motivation gesprochen und was sich ändern müsste, um politische Teilhabe für alle zu ermöglichen.
28.12.2025 12:00 Uhr

Frauen - und vor allem Mütter - sind auf allen politischen Ebenen noch immer in der Minderheit. Und so erregte der Auftritt der Grünen-Abgeordneten Hanna Steinmüller aus Berlin am 23. September 2025 im Deutschen Bundestag große Aufmerksamkeit. Doch nicht Steinmüllers Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum wurden anschließend in allen Medien diskutiert. Sondern der Umstand, dass sie mit ihrem schlafenden Kind, festgeschnallt in einer Trage vor der Brust, ans Rednerpult des Deutschen Bundestags getreten war.

Junge Mütter gibt es in dieser bald endenden Wahlperiode auch im Forchheimer Kreistag so viele wie noch nie. Dennoch sind Frauen generell noch immer deutlich in der Minderheit: Von 60 Mitgliedern des Kreistags sind nur 16 weiblich, macht einen Frauenanteil von 26,7 Prozent.

Noch ungleicher wird es, wenn man in die Gemeinderäte im Landkreis Forchheim schaut: Überall dominieren die Männer. In Obertrubach kommt auf 14 Männer sogar nur eine Frau, die 28-jährige Sophia Lang (Junge Bürger).

Das Phänomen, dass es nur eine Frau in den Gemeinderat schafft, gibt es auch in Pinzberg. Dort ist sie immerhin Bürgermeisterin. Elisabeth Simmerlein wurde 2020 mit 29 Jahren jüngste Bürgermeisterin im Kreis Forchheim. Schon mit 23 Jahren war sie Kreis- und Gemeinderätin geworden. Vor zwei Jahren hat sie ihre Tochter Leni zur Welt gebracht – praktischerweise während der politischen Sommerpause. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sie Job, Mutterrolle und politische Ämter vereint.

Ebenfalls im Kreistag vertreten ist die 34-jährige Carina Fees (Junge Bürger), die während ihrer Amtszeit Mutter von Drillingen wurde. Die Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Kersbach ist zudem auch Mitglied im Forchheimer Stadtrat. Dort gibt es nur 13 Frauen – gegenüber 28 Männern. Das macht einen Anteil von 31,7 Prozent und damit sogar noch etwas weniger als im Deutschen Bundestag (32,4 Prozent). Wir haben mit der Bankkauffrau über die Vereinbarkeit von politischem Engagement und Elternschaft gesprochen.

Kerstin Nestrojil war 25 Jahre alt, als sie das erste Mal für die CSU in den Forchheimer Kreistag kam. Elisabeth Simmerlein (Freie Wähler) und sie waren damals im Jahr 2014 die jüngsten Kreisrätinnen. Jemand habe sie einmal „das rosa Einhorn der CSU“ genannt, erzählt Nestrojil beim Gespräch mit den „NN“– so ungewöhnlich war es, dass eine junge Frau direkt in den Kreistag gewählt wurde. Inzwischen ist die Kirchehrenbacherin Mutter geworden und bringt noch einmal ganz andere Erfahrungen in ihre politische Arbeit ein.

Wenn sie Nachrichten schaute, fühlte sich Elisabeth Krause früher oft frustriert und hilflos. „Da muss man doch auf lokaler Ebene was machen können“, dachte sie. Da ihr der Klimaschutz am Herzen liegt, trat sie während ihres Grafikdesign-Studiums in Nürnberg bei den Grünen ein. 2019 gründete sie einen Ortsverband in Ebermannstadt und kandidierte für den Kreistag. Während ihrer Amtszeit wurde sie Mutter von Drillingen. Wir haben mit der 33-Jährigen darüber gesprochen, was sich ändern müsste, um politische Teilhabe für alle zu ermöglichen.

„Können die jetzt nicht mal vorankommen?“, fragte sich Kristina Lindner, die die jahrelangen Streitereien im Hausener Gemeinderat in den „Nordbayerischen Nachrichten“ verfolgte. Der Waldkindergarten war es schließlich, der den Anstoß dafür gab, dass die 40-jährige Diplom-Kauffrau selbst auf der neugegründeten Grünen-Liste für den Hausener Gemeinderat kandidierte. „Wir haben viel in Hausen, das man angehen müsste“, sagt die vierfache Mutter und weil sie findet, dass „man es besser machen könnte, als es aktuell läuft“, kandidiert sie nun fürs Bürgermeisteramt.

In Wiesenthau wirft ebenfalls eine Kandidatin, die niemand auf dem Schirm hatte, ihren Hut in den Ring: Tonja Roske hat sich spontan entschlossen, für die Freien Wähler als Gegenkandidatin zum jetzigen Bürgermeister Bernd Drummer, Bürgergemeinschaft Wiesenthau (BGW), anzutreten. „Wir brauchen hier im Dorf frischen Wind“, sagt die 40-Jährige.

Auch in Heroldsbach bewirbt sich eine 40-jährige Kandidatin der Freien Wähler für das Bürgermeisteramt. „Ich möchte etwas bewegen und als Bürgermeisterin für alle Bürger da sein“, sagt die dreifache Mutter aus Poppendorf bei der Aufstellungsversammlung.