Nürnberg - Für jede Suchanfrage pflanzt die Suchmaschine Ecosia Bäume. Nun stellt sie eine Million Euro zur Verfügung - für einen Nobelpreis für Klimaschutz. Dass ein solcher notwendig ist, hat auch mit Greta Thunberg zu tun, kommentiert Manuel Kugler.
14.12.2025 11:23 Uhr

Wir können noch so gute Argumente haben, damit ändern wir die Einstellung der Menschen nicht. Das Einzige, das dies vermag, ist eine gute Geschichte: Diese Worte schreibt Richard Powers in „Die Wurzeln des Lebens“, seinem 2018 erschienenen Roman über neun Menschen, deren Leben in besonderer Weise mit Bäumen verbunden ist.

Nach Jahrzehnten, in denen nüchterne Fakten fast folgenlos blieben, schienen Klimaschützer 2018 eben dies gefunden zu haben: eine gute - weil emotional berührende - Geschichte. Die Geschichte eines Mädchens, das sich eines Tages entschied, nicht mehr zur Schule zu gehen, bis sich Politiker endlich ernsthaft um Klimaschutz bemühten. Hunderttausende andere Schüler folgten, Freitag um Freitag, ihrem Beispiel. Sieben Jahre ist das her.

Brauchen wir einen Nobelpreis für Klimaschutz?

Heute ist dieser Bewegung die Kraft ausgegangen. Was mit (scheinbar) akuteren Krisen wie Putins Krieg zu tun hat und mit dem (erfolgreichen) Versuch von Populisten und Konservativen, Klimaschutz als abgehobenes Elitenprojekt zu framen - so als ob es nicht um unser aller Überleben und das anderer Spezies ginge. Und es hat eben auch mit dem Verlust einer wirkmächtigen Erzählung zu tun. Die Geschichte vom „Schulstreik fürs Klima“ hat mit dem Wandel von Greta Thunberg zur radikalen Palästina-Aktivistin ein problematisches Kapitel hinzubekommen.

Die eine Million Euro, die die Suchmaschine Ecosia nun zur Verfügung gestellt hat in der Hoffnung, die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften möge einen Nobelpreis für Klimaschutz schaffen, lässt sich deshalb auch als Versuch deuten, neue, inspirierende Geschichten für den Kampf gegen die Klimakrise zu finden. Ein guter Ansatz. Denn ein Nobelpreis verschafft nicht nur Ansehen - sondern öffnet auch Türen zu den Mächtigen.

Stimmt schon, Klimaforschung lässt sich auch mit anderen Nobelpreisen würdigen - so wie zuletzt 2021, als der Nobelpreis für Physik die „Modellierung des Erdklimas, die Quantifizierung der Variabilität und die zuverlässige Vorhersage der globalen Erwärmung“ auszeichnete. Allein diese Begriffe verdeutlichen aber, wie sehr Physik nach Spezialwissen klingt - und wie wenig nach der zentralen Krise des 21. Jahrhunderts. Ein Nobelpreis für Klimaschutz würde das ändern.

Und er könnte den Ansatz stärken, den die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer - sie unterstützt die Ecosia-Initiative - verfolgt: Menschen für die Sache zu gewinnen eben nicht durch das Schüren von Ängsten, sondern durch das Erzählen ermutigender Geschichten.

Den blauen Stuhl, wie er bei der Nobelpreisverleihung verwendet wird, hat Ecosia zum Symbol seiner Kampagne gewählt. Noch ist dieser Stuhl leer. Das sollte nicht so bleiben. Denn der Nobelpreis wäre eine Chance, dem Klimaschutz die Bühne zu geben, die er verdient – nicht als abstrakte Wissenschaft, sondern als Erzählung, die Menschen wirklich bewegen kann.