
Das eigentlich Überraschende am schlechten Abschneiden Söders bei seiner fünften Wahl zum CSU-Chef ist, dass die Parteispitze den Dämpfer nicht hat kommen sehen. Offensichtlich haben einige das Gespür für die Stimmung an der Basis verloren, Söder inklusive.
Wer jetzt freilich glaubt, dass die Söder-Dämmerung begonnen hat, irrt. Der Nürnberger sitzt weiter fest im Sattel. Schon, weil hinter ihm kein zweiter Söder mit den Hufen scharrt. Söder spürt nicht den Atem seines Nachfolgers im Nacken, so wie es Horst Seehofer erleben musste. Da ist keiner, der ihn offen beerben wollte - und könnte.
Söder und die CSU, das war nie eine Liebesbeziehung
Die Delegierten haben ihm nur einen Warnschuss vor den Bug gegeben. Die Jungen, weil sie finden, dass sich Söder zu sehr aus der Rentendebatte rausgehalten hat. Die Älteren, weil sie sein Instagram-Gehabe und seinen zur Schau getragenen Fleischfetisch eines Ministerpräsidenten unwürdig finden. Und jene, die sein jahrelanges Gerede vom Untergang Deutschlands durch die Ampel geglaubt haben. Und sich jetzt wundern, warum sich mit dem Regierungswechsel so gar nichts verändert hat.
Söder und die CSU, das war nie eine Liebesbeziehung. Es ist eine Zweckgemeinschaft, die bislang beiden nutzt: Der 58-Jährige kann seine Karriere vorantreiben, die CSU behält ihre gefühlte Bedeutung im Bund, ihre Sonderrolle als der Paradiesvogel aus dem Süden. Was die Gemeinschaft nicht kann: Sie kann die inhaltliche Leere nicht übertünchen, die Söder seit jeher umgibt.
Seit langem grollen sie in der Partei, dass strategisch nichts vorwärtsgeht, da nichts Visionäres ist, keine Idee von der Zukunft. Der Weltraum reicht trotz seiner unendlichen Weiten dafür nicht aus. Die Bayern bewegt Irdischeres: Sie wollen wissen, was sie hier in den kommenden Jahren erwartet, welche Reformen, welche Einschnitte. Sie wollen wissen, was die Wirtschaft wieder voranbringt, im Bund wie im Land.
Der CSU-Chef bleibt unscharf. Er knüpft zwar an die Erfolge seiner Vorgänger an und setzt ihre Visionen in die Zukunft fort. Doch als eigene Idee reicht das nicht. Mit dem Abgang der Ampel-Regierung fehlt vielen das Feindbild, die Projektionsfläche für ihre Zukunftsängste, die auch Söder leidenschaftlich geschürt hat. Die Union hätte das Vakuum füllen müssen mit Initiativen, Reformen, unbequemen Wahrheiten und Initiativen. Sie hat es nicht getan.
Fehler machen viele, nicht nur die CSU und Söder
Verantwortlich dafür sind viele: die SPD als Blockiererin, die nicht begreift, wie sehr sie damit ihren Untergang beschleunigt. Die CDU und Kanzler Merz, der den Neustart verpasst hat und mit einer Truppe arbeitet, die in München als erschreckend amateurhaft gilt. Und die CSU, die ihre Wahlgeschenke durchgedrückt und ausgeblendet hat, dass es an ganz anderen Stellen brennt.
Doch, die CSU hat ihre Basis ein wenig aus dem Blick verloren. Mehr wollten die Delegierten ihrem Chef gar nicht sagen. Das haben sie getan. Die Söder-Dämmerung kommt trotzdem, in drei Jahren nach der Landtagswahl.

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