Erlangen - Mehr als 50 Drillinge und Vierlinge sind seit 2020 am Uniklinikum Erlangen zur Welt gekommen. Eine Studie zeigt nun, wie gut sie inzwischen zurechtkommen und was geholfen hat, die Schwangerschaften möglichst lange zu erhalten.
10.12.2025 15:46 Uhr

Möglichst lange drinbleiben - das ist die Devise bei Mehrlingsschwangerschaften. In den vergangenen sechs Jahren hat das Team der Frauenklinik am Uniklinikum Erlangen 15 Schwangerschaften mit Drillingen und zwei mit Vierlingen betreut. Nun zeigt eine Auswertung, wie vielen es davon heute gut geht.

Weltweit gibt es immer mehr Schwangerschaften mit gleich mehreren Babys. Ein Trend, der, laut Uniklinikum, unter anderem auf die zunehmende Reproduktionsmedizin zurückzuführen ist. Gleichzeitig gingen gerade diese Schwangerschaften mit Risiken einher, die viel Umsicht und Erfahrung erfordern. „Schon bei Zwillingen sind manchmal erhebliche medizinische Herausforderungen zu bewältigen“, sagt Prof. Holm Schneider, Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik in Erlangen. „Deshalb ist eine sorgfältige und ausführliche vorgeburtliche Beratung entscheidend – vor allem für Schwangere, die Drillinge, Vierlinge oder sogar Fünflinge erwarten.“

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Prof. Dr. Holm Schneider (l.) und Dr. Michael O. Schneider wissen: Eine sorgfältige vorgeburtliche Betreuung ist bei Mehrlingsschwangerschaften entscheidend für die Gesundheit von Mutter und Kindern. © Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen

Schneider hat alle seit 2020 am Uniklinikum betreuten höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften ausgewertet. Die Daten stellt er jetzt erstmals auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin vor.

50 der betreuten Mehrlinge kamen zwischen der 26. und der 36. Schwangerschaftswoche zur Welt. Mehr als drei Viertel von ihnen konnten die Klinik später ohne erkennbaren gesundheitlichen Schaden verlassen. Nur in einem Fall erfolgte die Geburt schon in der 22. Schwangerschaftswoche – vor Erreichen der Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibes.

In Beratungsgesprächen werden die werdenden Eltern vorab über das Risiko einer Frühgeburt aufgeklärt, welche schwerwiegenden Komplikationen und dauerhaften Gesundheitsschäden das für die Kinder nach sich ziehen kann.

Das Uniklinikum weist darauf hin, dass andernorts teils auch sogenannte Reduktionen von Mehrlingen durchgeführt werden, um Frühgeburten zu vermeiden und die Gesundheit der Mutter zu schützen. Solche Eingriffe werden im ersten Schwangerschaftsdrittel durchgeführt, um die Anzahl der Föten zu verringern. „Das ist eine nicht nur emotional belastende Entscheidung“, erklärt Schneider. „Ethische, medizinische und psychosoziale Aspekte müssen bei der Entscheidungsfindung diskutiert werden.“

Ziel seiner Studie ist es, die Beratung zu aktualisieren und Fortschritte in der Pränatalmedizin sowie in der Versorgung von Frühgeborenen zu berücksichtigen. Die Daten zeigen etwa, dass es den betreuten Müttern in Erlangen gelungen ist, Schwangerschaften mit Drillingen und Vierlingen im Mittel 218 Tage auszutragen – also bis zum Beginn der 32. Schwangerschaftswoche. Eine Schwangerschaft mit einem Kind dauert in der Regel 40 Wochen, ab der 37. Woche gelten die Neugeboren dabei nicht mehr als Frühchen.

Wehenhemmer-Medikamente können die Schwangerschaft erfolgreich verlängern

„Erfolgreiche Maßnahmen zur Verlängerung der Schwangerschaftsdauer waren die Einlage von Gebärmutterhals-Pessaren und die medikamentöse Wehenhemmung“, sagt Dr. Michael Schneider, geschäftsführender Oberarzt der Frauenklinik. Nur in einem der erfassten Fälle habe sich eine extreme Frühgeburt leider nicht verhindern lassen.

Zwei Jahre nach der Geburt werden Kinder, die mit weniger als 1500 Gramm zur Welt gekommen sind, zu standardisierten Entwicklungstests eingeladen. „Bei mehr Gewicht erfolgen sie nur freiwillig“, sagt Prof. Dr. Heiko Reutter, Leiter der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin. Bei dieser Nachsorge hätten die meisten Drillinge und Vierlinge keine relevanten Auffälligkeiten gezeigt hätten. Zwei in der 35. Schwangerschaftswoche Geborene hatten jedoch unterdurchschnittliche Werte mit noch unklarer Ursache. Sie werden im Sozialpädiatrischen Zentrum vor Ort mit gezielten Fördermaßnahmen weiter betreut.

Holm Schneider hat viele Familien mit Mehrlingen über Jahre begleitet. Er setzt sich für ein bundesweites Register höhergradiger Mehrlinge ein, um Fragen der Schwangeren künftig noch besser beantworten zu können.