
Im neuen Grand Egyptian Museum westlich von Kairo fehlt ein Ausstellungsstück: die Büste der Nofretete. Sie steht in Berlin, obwohl sie 1913 in Ägypten ausgegraben wurde. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz beruft sich auf die seinerzeit geltende Rechtslage. Doch das ist koloniales Besitzdenken und kann den Verbleib heute nicht rechtfertigen.
Als Nofretete ausgegraben wurde, war Ägypten keine souveräne Nation, sondern unter britischer Kontrolle. Archäologische Funde wurden zwischen ausländischen Grabungsteams und dem Gastland - zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten - aufgeteilt. Doch Gesetze, die unter imperialistischem Druck entstanden, dürfen nicht als moralische Rechtfertigung dienen. Heute wird Nofretete in Berlin mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert, die auf der alten Besitzlogik der Kolonialmächte beruht: Europa als Tresor der Weltkultur.
Nofretete ist mehr als ein Kunstwerk. Sie ist ein Symbol nationaler Identität. Millionen Ägypter werden sie nie im Original sehen, während das Berliner Museum mit ihr Geld verdient. Berlin muss handeln – nicht wegen eines juristischen Zwangs, sondern einer moralischen Pflicht. Nofretete gehört nach Hause.
4 Kommentare
Wowo
Um die Kommentare zum Kommentar der Redakteurin nochmals aufzugreifen. In der NZ vom 8.12.25 behandelt Harald Baumer das Thema auf Seite 3 "Im Blickpunkt" Aus diesem Beitrag kann man Nutzen ziehen, da beide Seiten " gehört" werden. Ja, ein Kommentar hat eine andere Funktion, aber man sollte sich vielleicht überlegen, ob und von wem ein Kommentar überhaupt nötig und bereichernd ist.
09.12.2025 21:39 Uhr