
In fast zweijähriger Recherche haben die beiden Bauforscher Bernd Marr und Nicole Röring die oberirdischen Bauten im Forchheimer Kellerwald katalogisiert. Jede Mauer, jeden Anbau, jede Hütte haben sie sich angesehen. Egal ob die Bauwerke noch stehen oder ob sie bereits den zahlreichen Umgestaltungen zum Opfer gefallen sind. Damit man weiß, was man als historisches Denkmal erhalten muss und was man aus statischen oder ästhetischen Gründen als Wildwuchs entfernen kann. Der Architekt und Denkmalpfleger Bernd Marr stellte seine Ergebnisse zum „Kommunalen Denkmalkonzept Kellerwald“ bei den „Häusergeschichten“ der Altstadtfreunde im Heimatverein vor.
Der dicht bewaldete „Kellerberg“ bietet den Bürgern Forchheims bereits im Mittelalter das begehrte Bau- und Brennholz. Doch es gibt auch Rohstoffe unter der Erde: Sandstein. Er wird in zwei Steinbrüchen abgebaut, wie Reinhold Glas in seinem Festungsbuch ausführt. Unten sind die Bürger Forchheims zugange, für ihre Häuser und die Stadtmauer. Oben der Fürstbischof von Bamberg für seine herrschaftlichen Gebäude. Aus den beiden großflächigen Anlagen mit verstreuten Stollen von mehr als zwei Kilometern Länge werden später die „Unteren“ und die „Oberen“ Keller. Irgendwann aber braucht man den Sandstein nicht mehr. Nun werden die dunklen und kühlen unterirdischen Hohlräume als Lagerplätze für Fässer mit frisch gebrautem Bier genutzt. Aber auch andere leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch oder Gemüse landet in den Stollen. Bis dahin sind es nur schmucklose Löcher im Hang, die mit Holztoren verschlossen werden.
Ende des 18. Jahrhunderts, nicht zufällig im Zeitalter der Romantik, kommt die Idee auf, die idyllische Lage abseits der lärmenden Stadt zum Ausschank des kühlen Bieres zu nutzen. Es beginnt die erste „Bauphase“, indem ganz einfache Tische und Bänke aufgestellt werden, auf denen man Brotzeit machen kann. Am Blümleins-Keller mit seiner „Grotte“ kann man den ursprünglichen Zustand noch erahnen. Die ersten richtigen Gebäude unter Bäumen entstehen mit der Verlagerung des Schießhauses und den Anfängen des Annafestes Mitte des 19. Jahrhunderts. Am einen oder anderen Keller werden Schankhäuschen errichtet. Kleine Hütten aus Fachwerk, in denen die Bierkrüge und anderes Zubehör aufbewahrt werden können. Außerdem befindet sich manchmal darin ein Ofen, damit der Wirt dort auch übernachten kann. Gleichzeitig verlieren die Kühlräume auf Grund neuer Kältetechniken mehr und mehr an Bedeutung. Der Ausschank wird immer wichtiger.
Um mehr Platz für die trinkfesten Besucher zu schaffen, werden im Laufe der folgenden Jahrzehnte das Gelände befestigt und die Kellereingänge nach vorne erweitert und gemauert. Auf den so entstandenen Hangterrassen kann man weitere Sitzgelegenheiten anbieten. So langsam nimmt durch eine Erhöhung der jeweiligen Kellergelände und der Abgrenzung durch Bruchsteinmauern auch eine Straße Gestalt an, die es bis dahin nicht gegeben hat. Nur ein Problem gibt es noch: das Wetter. Damit der Umsatz durch irgendwelche Niederschläge nicht leidet, weil die Gäste einfach davonlaufen, errichtet man zu Beginn des 20. Jahrhunderts „Bierhallen“ und weitere Unterstände.
Auch für die Musikkapellen und die zugehörigen Tanzflächen. Damals sind Fachwerk-Häuser im Schweizer Stil groß in Mode – und daran orientieren die Bauherren sich auch. Der Charakter des einst einsamen Kellerwaldes hin zu einem kleinen Dorf im Wald verändert sich nun rasant. Erste Steinhäuser entstehen: Rittmeyer-, Weiß-Tauben- und Winterbauer-Keller. Es sind reguläre Gastwirtschaften, die einen ganzjährigen Betrieb ermöglichen. Angesichts der ungeheuren Besucherzahlen braucht es die zugehörige Infrastruktur um das Regenwasser, das Spülwasser aus der Fass- und Geschirrreinigung, sowie die Abwässer aus den Toilettenanlagen abzuleiten. Diese Modernisierung geschieht zwischen den beiden Weltkriegen. In der Nachkriegszeit werden dann viele wirtschaftlich notwendige Zweckbauten errichtet, die den ursprünglichen Charme des Kellerwaldes mindern.
Nun geht es darum, die historische Bausubstanz jenseits von Betontreppen, Bauzäunen und Plastikplanen zu sichern. Denn an vielen Stellen sieht man die Spuren des Verfalls. An anderen droht er unsichtbar unter der Erde. Dafür sollen in den nächsten 15 Jahren insgesamt 54 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Wobei es eine Förderquote von 70 Prozent gibt. Marr hat mit seinen Erkundungen nun dafür gesorgt, dass man weiß, was man sanieren muss, was unbedingt vom Erdboden verschwinden soll. Damit der ganze Kellerwald sicherer und attraktiver wird.
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