
Eine junge Frau aus Bayern will mehr aus ihrem Leben machen, sie ist auf der Suche nach sich selbst und stößt auf den Österreicher und selbsternannten Lifecoach Markus Streinz und dessen spirituelle Gruppe, die Liberator Academy. Es geht dort um persönliche Weiterentwicklung, um Astrologie, um finanziellen Erfolg.
Zunächst ist Hannah (Name von der Redaktion geändert) begeistert von der Ausstrahlung und den spirituellen Ansätzen des Coaches und glaubt: „Wow, jetzt habe ich den Zugang zu der krassesten Quelle, die es auf der Welt gibt.“
Doch schnell bekommt die junge Frau auch die Schattenseiten dieser sektenähnlichen Gruppe zu spüren: Schläge, Würgen bis zur Bewusstlosigkeit, Beleidigungen und Drohungen werden von Markus Streinz und einigen seiner Anhängerinnen und Anhänger als Heilung verkauft. Auch Hannah schildert gegenüber unserer Redaktion solche Erlebnisse.
Bei Onlinecalls und Veranstaltungen werden Teilnehmende vom Österreicher Streinz immer wieder verbal attackiert, bei Events vor Ort führt Streinz körperliche Rituale durch, die Experten als potenziell gefährlich einstufen. In Videos ist zu sehen, wie er heftig am Kopf von Menschen reißt oder mit den Füßen auf deren Bauch oder Genitalbereich tritt. Für den selbsternannten Coach und Guru sind diese Rituale Teil eines Reinigungsprozesses.
Viele Anhängerinnen und Anhänger der Liberator Academy wenden sich von ihren Familien und Freunden ab und lassen ihr altes Leben hinter sich, um sich Markus Streinz anzuschließen. Die Angehörigen leiden unter dem Verlust ihrer Liebsten. Und nicht nur das: Sie werden oft bedrängt, der Gruppe beizutreten, und bei Ablehnung massiv beleidigt. Auch deshalb ist es für Mitglieder, die irgendwann an ihrer Mitgliedschaft zweifeln, extrem schwer, wieder in ihr vorheriges Umfeld zurückzukehren.
Auch Hannah versucht immer wieder, sich von Streinz und der Gruppe zu lösen, denn sie ist regelmäßig seinen Schlägen ausgeliefert, erzählt sie. Doch sie fühlt sich wie gefangen in der Welt der Liberator Academy.
True-Crime Podcast befasst sich in vier Folgen mit der Liberator Academy und Markus Streinz
Unser Medienhaus hat sich in einer umfassenden Recherche mit der Frage beschäftigt: Was bringt Menschen dazu, dieser Gruppe beizutreten und teilweise massive Gewalt zu akzeptieren, sogar zu verteidigen? Wir haben dafür mit Aussteigern und Aussteigerinnen, ehemaligen Mitarbeitenden und Angehörigen aus dem Umfeld der Liberator Academy gesprochen.
Ein Jahr lang haben unsere Reporterinnen zu der gewaltbereiten Gruppierung recherchiert. Daraus entstanden ist eine Artikel-Reihe sowie der vierteilige True-Crime Podcast „Prügel fürs Karma - Die Abgründe der Coaching-Szene“. Die ersten beiden Folgen erscheinen am 25. November auf Spotify, Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.



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