
In Zerzabelshof setzt sich der Vorstadtverein für den Erhalt der beliebten Kultwirtschaft „Zabo-Linde“ ein. Bis Anfang November haben schon stolze 2.743 Menschen online und vor Ort eine Petition unterzeichnet, die den Erhalt dieser Zaboraner Institution fordert. Seit der Corona-Krise ist hier – bis auf einen Eiscreme-Verkauf – tote Hose. Verfall oder gar Abbruch sind möglich. Doch was ist die „Zabo-Linde“ eigentlich? Damit die, die sich bislang nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, Bescheid wissen, haben wir zusammengetragen, was wir über den alten Gasthof herausfinden konnten. Denn schließlich ist er nicht nur sozialer Treffpunkt, sondern auch ein Denkmal dörflicher Kultur und Architektur, wenn auch bislang nicht im rechtlichen Sinne.
Die Wirtschaft „Zur Linde“, wie das Etablissement bis in die 1980er Jahre hieß, ist nicht die erste Gastwirtschaft am Ort: Diese Ehre gebührt der „Endres‘schen Gaststätte“ schräg gegenüber am Aussiger Platz, die heuer seit stolzen 230 Jahren besteht. 1872 – nicht erst 1875, wie in der Literatur zu lesen – erhielt Georg Bühler die Konzession, in seinem Anwesen Zerzabelshof Nr. 11 (heute Zerzabelshofer Hauptstraße 28) eine Bierwirtschaft zu eröffnen. Der Name kommt von den gewaltigen Linden, die noch heute den Wirtsgarten beschatten.
Das Gebäude Zerzabelshof Nr. 11 wurde wahrscheinlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaut
Das Hauptgebäude an der Straße, ein bulliger zweigeschossiger Bau mit traufständigem Satteldach, dessen einziger Schmuck die Konsolsteine an den Giebelseiten und die profilierten Fenstergewände sind, ist jedoch viel älter. Er erscheint erstmals 1825 auf dem Ortsblatt der Bayerischen Uraufnahme, noch ohne Nebengebäude, dafür mit einem großen Garten gegen die Urbanstraße. 1835 wurde das Gütlein, das der Köbler Johann Michael Kronauer erst kurz zuvor gekauft hatte, zwangsversteigert. Des Hauses äußere Erscheinung lässt den Schluss zu, dass es zu Beginn des 19. Jahrhunderts oder vielleicht sogar noch ein wenig vor der Endres‘schen Gaststätte 1795 erbaut worden ist.
Dass Mauern und Giebel aus Sandsteinquadern gefügt sind, passt wunderbar zu der Tradition, dass die Fuhrleute, die Steine vom Schmausenbuck gen Nürnberg karrten, gerne in der „Linde“ auf ein Bier und eine kräftige Brotzeit einkehrten. Für ihre Zugpferde stand im Hof eigens eine Stallung zur Verfügung. Diese ließ Bühler später zu einem jener Festsäle mit Bühne umbauen, wie sie die Gesellschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gerne für allerlei Festivitäten und Veranstaltungen nutzte. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hatten in der „Linde“ ihr Stammlokal.
Auch den Biergartenbetrieb gab es um 1900 schon. Anstelle einer hölzernen Sommerlaube an der Südseite des Gasthauses ließ der Wirt in den 1920er Jahren einen erdgeschossigen Anbau mit Dachterrasse errichten, die von einer passend im Stil der Zeit abstrahierten Balustrade umgürtet ist – auch diese natürlich aus Sandstein.
Die „Zabo-Linde“ ist ein Mosaikstein der über 700 Jahre alten Siedlung Zerzabelshof in Nürnberg
Und wenn die „Zabo-Linde“ nun für immer verschwände? Dann wäre ein weiter Mosaikstein der über 700 Jahre alten Siedlung dahin. Dann würde der liebens- und lebenswerte Nürnberger Stadtteil um ein weiteres historisches Anwesen, um einen weiteren Ort des Zusammenkommens und Zusammenlebens ärmer. Die „Zabo-Linde“ ist für viele ein Stück Heimat. Und diese Heimat verdient es, dass man ihr eine Zukunft schenkt.
Wenn Sie ein Zeichen für den Erhalt der „Zabo-Linde“ setzen wollen, können Sie das bis 6. Dezember durch Ihre Unterschrift in der Online-Petition des Vorstadtvereins tun: www.change.org/p/die-zabo-linde-muss-erhalten-bleiben.
Diese Serie lädt zum Mitmachen ein. Haben Sie auch noch alte Fotos von Ansichten aus Nürnberg und der Region? Dann schicken Sie sie uns bitte zu. Wir machen ein aktuelles Foto und erzählen die Geschichte dazu. Per Post: Nürnberger Nachrichten/Nürnberger Zeitung, Lokalredaktion, Kressengartenstraße 4, 90402 Nürnberg; per E-Mail: redaktion-nuernberg@vnp.de
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