
Erstrunden-Aus in Shanghai, Matthäus fordert dies, das und Ananas, Rodlerinnen nehmen auch in Sigulda das Podium ein. So begannen einst die Arbeitstage für Sportredakteurinnen und Sportredakteure dieser Zeitung. Da wurden die Tickermeldungen aus aller Welt gesichtet, vorsortiert und abgelegt. Noch ein Blick in die Konkurrenzblätter. Und dann in Erwartung des stressigen Spätdiensts: erst einmal Mittagspause.
Einst ist gar nicht so lange her. Unser Alltag hat sich in den letzten Jahren aber komplett gewandelt. Nun behaupten das sicher auch Faxgerätetechniker, aber die dürfen sich hier gerade auch nicht vorstellen, Pardon. Und auch wenn wir ehrlicherweise nicht mehr mit Sicherheit und ganz spontan beantworten können, wer gerade die deutsche Nummer drei im Weltcup der Rodlerinnen ist, hat diese stetige Veränderung ihre Reize.
Video-Kommentare über die neuesten Volten von Club und Kleeblatt
Pia Ilchmann, Dominik Mayer, Daniel Ruppert, Martin Schano und Timo Weith schwärmen aus auf die Fußballplätze der Region – statt mit einem Schreibblock mit Smartphone und einem Gerät mit dem schönen Namen Gimbal, von dem kürzlich auch noch nicht jeder wusste, wie rum man es hält. Und kehren mit Bewegtbildern und Texten für unsere Instagram-Accounts und nn.de zurück. Uli Digmayer, Sebastian Gloser und Fadi Keblawi müssen sich nach Feierabend immer wieder mal ein Bier ausgeben lassen, weil sie als Ensemble-Mitglieder des Podcasts „KaDepp“ erkannt werden (ein harter Job). Wolfgang Laaß und Michael Fischer nehmen Video-Kommentare zu den neuesten Volten von Club und Kleeblatt auf und machen wie HCE-Reporter Andreas Pöllinger und alle anderen auch alles. Katharina Taubeneder und ich (Sebastian Böhm) versuchen derweil, diese stetige Produktion von Kreativem zu sichten, zu sortieren und in unseren Kanälen abzulegen. So wie einst und doch ganz anders.
Wir haben viel gelernt in den letzten Jahren. Manches war schmerzhaft. Zum Beispiel, dass sich für den Spielbericht, auf die Zeile vollendet mit dem Schlusspfiff - einst die Königsdisziplin unserer Branche - nur noch so viele Menschen interessieren wie für ein Erstrunden-Aus in Shanghai. Vieles ist aber auch jeden Tag aufs Neue wunderbar: der beinahe ausschließlich freundliche Austausch mit unseren Leserinnen und Lesern oder die Erkenntnis, dass man sich von einem schreibenden Sportjournalisten mit Offenheit und Leidenschaft zu einem multimedialen Sportjournalisten entwickeln kann.
Originale wie Dieter Bracke und Thomas Scharrer
Ohne die Anleitung unserer Vorgängerinnen und Vorgänger wäre das nicht möglich gewesen. Originale wie Ulrike Assmann, Dieter Bracke, Harald Büttner und Thomas Scharrer haben uns ein Handwerk mitgegeben, das alle Transformationen überdauern wird. Hans Böller wertet unsere Sportseiten glücklicherweise immer noch regelmäßig mit seinen feinen Gedanken auf. Und so wird sich eines niemals ändern: Wir haben den besten Job der Welt.

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