
Im Sommer hat sich der Nürnberger Tiergarten über dreifachen Nachwuchs bei den Karpatenluchsen (Lynx lynx carpathicus) gefreut. Inzwischen steht das Geschlecht der Jungtiere fest: Es sind zwei Kuder (so werden männliche Wildkatzen genannt) und eine Katze. Vor kurzem haben sie ihre erste Impfung gegen verschiedene Katzenkrankheiten erhalten und wurden tiermedizinisch untersucht, wie der Tiergarten in einer Pressemitteilung schreibt. Der Nürnberger Tiergarten beteiligt sich mit den Luchsen am Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbands EAZA (EAZA Exsitu Programme, kurz EEP).
Vor der Geburt der drei Welpen sind die beiden Jungtiere, die im letzten Jahr zur Welt kamen, umgezogen: Ein Kuder ging an die Tierwelt Herberstein nach Österreich, der zweite wurde Ende Juli im Rahmen des Projekts „Luchs Baden-Württemberg“ im Schwarzwald ausgewildert.
Gute Neuigkeiten gibt es auch von Luchs „Chapo“, der 2023 im Tiergarten geboren und im Juli 2024 im Westerzgebirge ausgewildert wurde: Er ist höchstwahrscheinlich Vater geworden. Das Projektteam von „RELynx Sachsen“ hat über Fotofallen festgestellt, dass die ebenfalls 2024 ausgewilderte Katze „Alva“ mit zwei Jungtieren durch die Wälder des Westerzgebirges streift. Chapo und Alva haben sich am Ende der Paarungszeit, Anfang April 2025, drei Tage gemeinsam in Alvas Territorium aufgehalten. Dies hatten sogenannte Punkt-Lokationen verraten, die von den GPS-Halsbandsendern gesendet werden. Damit kann erstmals seit fast 300 Jahren wieder Luchsnachwuchs in Sachsen bestätigt werden.
Ein großer Erfolg für den Tiergarten Nürnberg
„Der Moment, in dem ein Tier nach manchmal jahrelanger Vorbereitung ausgewildert wird, gehört zu den absoluten Höhepunkten unserer Artenschutzarbeit“, sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens. „Dass wir innerhalb von zwei Jahren drei Luchse auswildern konnten und mit den anderen Jungtieren im Rahmen des EEPs zum Arterhalt beitragen können, ist ein großer Erfolg für den Tiergarten.“
Die Luchs-Anlage im Nürnberger Tiergarten hat mit Blick auf Auswilderungsprojekte entscheidende Vorteile, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Sie umfasst eine Fläche von rund 1.850 Quadratmetern, ist reich strukturiert und bewaldet. Damit bietet sie den Tieren viele Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Während der Aufzucht in Nürnberg bekommen die Luchse Rehe als Futter, die natürliche Hauptbeute. So kommt es nicht zu einer Fehlprägung auf andere Beutetiere. Die Rehe stammen vom Forstbetrieb Nürnberg, sie werden im Nürnberger Reichswald erlegt.
Der Tiergarten engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt und Schutz des Karpatenluchses. „Jeder Nachwuchs – wie auch die diesjährigen Jungtiere im Tiergarten Nürnberg – ist ein wertvoller Beitrag zum langfristigen Erhalt der Art“, sagt Dina Gebhardt, zuständige EEP-Koordinatorin und Kuratorin im Tierpark Bern. „Der Tiergarten erfüllt alle Anforderungen an die Auswilderungszucht und zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftlich geführte Zoos aktiv am Schutz bedrohter Arten mitwirken. Durch die enge Zusammenarbeit im europäischen Expertennetzwerk ‚Linking Lynx‘ können wir sicherstellen, dass genetisch geeignete Luchse perspektivisch in eines der Wiederansiedlungsprojekte in Deutschland integriert werden – und so der Karpatenluchs dauerhaft in unsere Wäldern zurückkehrt.“


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