
Nach dem Fund eines Tierkadavers in der Oberpfalz hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Bei dem toten Tier könnte es sich um einen jungen Wolf handeln, teilte die Polizei mit. Es sei hierzu ein Gutachten in Auftrag gegeben worden. Wie das Tier zu Tode kam, müsse noch geklärt werden. Es stehe ein möglicher Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz im Raum.
Ein Wanderer hatte den Kadaver am Wochenende in Lam (Landkreis Cham) entdeckt. Daraufhin brachte den Angaben nach ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des „Netzwerks Große Beutegreifer“ das tote Tier zur Polizei.
Wanderer finden totes Wildtier im Landkreis Cham
Das Raubtier sei wohl schon mehrere Tage tot an dem Weg nahe Rittsteig gelegen, sagte der Wolfsspezialist dem Bayerischen Rundfunk BR. Ihm zufolge handelte es sich um ein Jungtier, das erst im April oder Mai dieses Jahres geboren wurde. Zu dem „Netzwerks Große Beutegreifer“ gehören unter anderem Jäger, Naturschützer und Förster, die als Ansprechpartner vor Ort Hinweise auf Wölfe, Bären und Luchse dokumentieren sollen.
Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist alarmiert. „Nachdem innerhalb von zehn Tagen zunächst bei Pegnitz und nun bei Cham je ein vermutlich gewilderter junger Wolf aufgefunden wurden, erhärtet sich der Verdacht, dass die bayerische Wolfspopulation im vergangenen Jahr durch weitere illegale Abschüsse geschrumpft ist“, heißt es in einer Mitteilung des LBV.
Im Altmühltal ist ein ganzes Wolfsrudel verschwunden
Der bei Cham aufgefundene Wolf lag im Lamer Winkel – jener Region, in der 2015 vier abgetrennte Luchsbeine entdeckt wurden und dem LBV seitdem als Brennpunkt von Naturschutzkriminalität gilt. „Dass nun ausgerechnet am gleichen Ort wieder ein mutmaßlich illegal getötetes streng geschütztes Wildtier gefunden wird, macht fassungslos,“ sagt Karl Heinz Schindlatz, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe. „Das ist kein Zufall, sondern ein Alarmsignal.“
Der LBV ist beunruhigt wegen „ungewöhnlichen Veränderungen“ bei den Bestandszahlen, die der Bund im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Für den LBV wirft die vollständige Auflösung von insgesamt drei Rudeln am Staffelsee, im Altmühltal und im Grenzgebiet zu Tschechien Fragen nach den Ursachen auf. „Wo sind Bayerns Wölfe denn plötzlich hin? Ganze Rudel verschwinden nicht einfach so innerhalb eines Jahres. Dafür gibt es keine natürliche Erklärung“, sagt der LBV-Landesfachbeauftragte Andreas von Lindeiner.
Verstoß gegen Naturschutzgesetz? LBV setzt 5000 Euro Belohnung aus
Er weist darauf hin, dass sich strafbar macht, wer illegal Wölfe oder andere Wildtiere tötet. Dies sei ein verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. „Der LBV setzt daher eine Belohnung von jeweils 5.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ermittlung der Täter der beiden wahrscheinlich erschossenen Jungwölfe führen, und wird in beiden Fällen Anzeige erstatten“, heißt es in der Mitteilung.
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