Weißenburg/Gunzenhausen - Voller Abend: Die CSU Weißenburg-Gunzenhausen nominierte Amtsinhaber Manuel Westphal, die Listenkandidaten und schwor sich auf die kommenden Monate ein. Wie war die Stimmung? Und mit welchen Themen macht der amtierende Landrat Wahlkampf?
23.10.2025 04:58 Uhr

Manuel Westphal ist fertig mit seiner Rede und schaut entschlossen und ein bisschen gespannt ins Publikum. Wie ist der Wahlkampfauftakt gelungen? Offenbar mindestens gut. Das Publikum klatschte entschlossen zurück. Ein paar Applaus-Sekunden dauert es, dann quietschen die Stühle in der Treuchtlinger Stadthalle. Erst hier, dann dort erheben sich die Delegierten. Am Ende steht der ganze Saal. Standing Ovations zum Auftakt für den Wahlkampf ums Landratsamt. Manuel Westphal wirkt zufrieden.

Und nicht nur er. Im Saal stellt sich eine Form routinierter Euphorie ein, die sehr CSU-like ist. Es brechen keine Begeisterungsstürme aus, aber man ist mit sich und der Welt im Reinen. Zufrieden, dass man mit einem starken Team in den Wahlkampf zieht. Ein bisschen wie der FC Bayern bei der Vorstellung zur neuen Saison. Guten Mutes und voller Zuversicht, aber eben schon auch ein bisschen ans Gewinnen gewöhnt.

Einer von hier

Die Reaktionen im Saal sind auch die Folge einer kämpferischen, in Teilen emotionalen Antrittsrede des neuen alten Landratskandidaten. Sie dürfte Ton und Inhalt setzen, mit denen Manuel Westphal seinen Wahlkampf führen will.

Der Landrat präsentiert sich als einer von hier. Seit Kindheit im Landkreis, mit Frau und zwei Söhnen in der kleinesten Gemeinde des Landkreises wohnend (Meinheim). Er präsentiert sich als einer, der als Jäger und Teilzeit-Bauer das Land, als Jurist die Arbeitswelt und als Politiker die Verwaltung kennt. Einer, der handelt, Entscheidungen trifft, die zukunftsgewandt sind, aber pragmatisch. Und als einer, der bei allen Visionen stets auch den Geldbeutel des Landkreises im Blick hat.

Gegenkandidat nicht erwähnt

Immer wieder spricht Westphal von Stabilität, von Bodenständigkeit, von Verlässlichkeit, von Tatkraft und von Zusammenhalt. Den Applaus, den er bekommt, gibt er gleich wieder zurück. „Das war nicht ich allein, das wart genauso ihr, das geht nur im Team.“

In seiner Rede greift er die politische Konkurrenz kein einziges Mal an, sein Gegenkandidat Markus Gläser und dessen Fünf-Parteien-Bündnis wird nicht mal erwähnt. Auch das eine Botschaft. Westphals Rede ist die Rede eines Amtsinhabers. Die Rede von einem, der nicht nur erzählen kann, was er tun will, sondern auch von dem, was er getan hat.

Wirtschaft und Gesundheit

Westphals Rede geht sachlich in die Tiefe. Zumindest, wenn es um seine politischen Schwerpunkte der vergangenen sechs Jahre geht. Vor allem die Wirtschaft und die Gesundheitsversorgung nehmen breiten Raum ein.

Er verweist auf die Wirtschaftsstandortstrategie, mit der er dem Landkreis eine eigene Wirtschaftspolitik verpasst hat, auf die Einführung eines Innovations- und eines Förderlotsen für die gesamte Wirtschaft. Und natürlich verweist er auf den Ausbau des Kunststoffcampus, den er gemeinsam mit der Stadt Weißenburg umgekrempelt hat.

Bei der Gesundheitsversorgung kommt in seiner Rede eine lange Projektliste zusammen. Westphal spricht über die gute Situation der beiden Krankenhäuser im Vergleich zu den umliegenden Kliniken. Von dem Neubau am Klinikum in Weißenburg, von den Investitionen in die Pflegeschule in Gunzenhausen, vom neuen Hospiz in Pleinfeld, das er als „Herzensprojekt“ bezeichnet.

Er verweist auf die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), die man eingerichtet habe, um die Fachärzteversorgung zu halten. Und er spricht erstmals davon, dass man offenbar als Landkreis oder Kreisklinik auch Hausarztpraxen als MVZ betreiben will, um diese Angebote in kleinen Gemeinden zu erhalten.

Wie versorgt sich der Landkreis mit Energie?

Bei den Zukunftsthemen rückt die Energieversorgung in den Mittelpunkt. Ein bisschen wegen des Klimaschutzes, mehr möglicherweise wegen der wirtschaftlichen Möglichkeiten für den Landkreis. „Erneuerbare Energieprojekte gehören uns – nicht auswärtigen Investoren“, stellt er fest.

Er lobt die Zusammenarbeit von Gemeinden wie auf dem Jura oder auf dem Hahnenkamm, die gemeinsam Projekte umsetzen wollen. Aber er macht darauf aufmerksam, dass er nicht daran glaubt, dass diese Kooperationen überall ausreichen würden und stellt fest, dass „ein Regionalwerk Altmühlfranken zwingend erforderlich“ ist. Eine bemerkenswert klare Forderung für ein Projekt, dass gemeindlich eher mit Skepsis gesehen wird.

Die Sache mit der Umwelt

Beim Thema Natur und Umwelt will Westphal schnell punkten. Mit dem Projekt Klimaresilienz Altmühlfranken sei man bayern- und bundesweit Vorreiter. Das deckt sich zwar kaum mit der Einschätzung der regionalen Umweltverbände, aber dieser Abend ist nicht der Moment für kleinteilige Debatten.

Westphal vergisst auch die Wiesenbrüter nicht, die ihm mit Chance.Natur schon so viel Ärger eingebrockt haben. Man kümmere sich auch hier, ist die Botschaft des Landrats. Nur eben „konkret und vor allem effektiv“. Der Landrat spricht von „praktischem Artenschutz“, der nur funktioniere, wenn viele zusammenarbeiten, von einem Umwelt- und Klimaschutz „mit Maß und Mitte“.

„Ich brenne für diese Aufgabe“

Ohne die politische Konkurrenz anzugreifen machte der Landrat an diesem Abend klar, dass Weißenburg-Gunzenhausen bei ihm und der CSU in guten Händen sei. Westphal: „Ich brenne für diese Aufgabe. Für unseren Landkreis. Für unsere Heimat“, ruft er in den Saal. „Wenn wir auch künftig eine erfolgreiche Region sein wollen, dann nur mit einer starken CSU.“

Und das sehen die Anwesenden im Saal ähnlich. Von den 77 Delegierten stimmen 74 für Westphal. Das reicht, um den Landrat später in ein Paddelboot auf die Bühne zu setzen, um als Landkreis-Kapitän mit seiner Mannschaft zu posieren. Wahlkampf kann anstrengend sein. So lässt sich vermutlich auch die milde Verwunderung erklären, die man bei der Kreisvorsitzenden Kristina Becker heraushört, als sie feststellt: „Jetzt freue ich mich eigentlich richtig auf den Wahlkampf.“ Mehr ist von einer Nominierungsversammlung eigentlich nicht zu erwarten. Jan Stephan