
Von den Anfängen der Zeitung über die Gegenwart bis zum Blick in die Zukunft - 25 Interessierte nahmen Mitte Oktober an der ersten von drei Führungen der „Nürnberger Nachrichten“ teil. Die Strecke: vom alten Sitz in der Marienstraße bis zum Cube, der neuen Verlagsadresse am Wöhrder See. Die Führung gestaltete der journalistische Nachwuchs des Hauses - eine Volontärin und ein Volontär - anlässlich des 80. Geburtstages der Zeitung.
Das alte Verlagshaus ist historisch geprägt. Einst saß der Herausgeber des Nazi-Hetzblattes „Der Stürmer“ in der Marienstraße 11. Vom Ort der NS-Propaganda wurde das Sandsteingebäude jedoch zur Heimat des unabhängigen Journalismus‘: Ab 1949 befand sich hier die Redaktion der „Nürnberger Nachrichten“.
„Auftrag als Journalisten: nie wieder Faschismus“
Die wichtigste Aufgabe der Zeitung war für Publizist Joseph E. Drexel die Aufarbeitung des NS-Regimes. Drexel war während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt worden und saß mehrere Jahre im Konzentrationslager. Für Volontär Jannik Westerweller spielt die Vergangenheit des Verlages eine wichtige Rolle: „Jedes Mal, wenn ich die Geschichte höre - insbesondere von Joseph E. Drexel - denke ich mir, das muss unser demokratischer Auftrag als Journalisten sein: nie wieder Faschismus“, so der 27-Jährige.
Aus dem Grund werde Wert darauf gelegt, dass der journalistische Nachwuchs die besondere Geschichte des Verlages kennt, sagt Ella Schindler, Verantwortliche für die Volontärsausbildung im Verlag. Die Historie werde gleich zu Beginn der Ausbildung vermittelt. Für Schindler ist es wichtig, dass die Führungen von jungen Menschen geleitet werden: „Denn sie blicken mit den Interessierten nicht nur in die Vergangenheit. Sie sprechen auch darüber, was Lokaljournalismus in der Zukunft ausmacht und welche Rolle er für die Demokratie spielt“.
Für Teilnehmer Andreas Fiedler ist ganz klar, dass die „Nürnberger Nachrichten“ demokratiebildend sind. „Ich kannte zwar vor der Führung die genaue Historie nicht“, erzählt der 66-Jährige aus Pinzberg. „Doch egal, wer der Herausgeber war oder was in den Gebäuden stattfand - Lokaljournalismus ist wichtig für die Demokratie“, so Fiedler.
Die Nürnberger Nachrichten lagen schon bei den Eltern auf dem Tisch
Im Februar zog die Redaktion in ein neues Gebäude am Wöhrder See ein. Dort endete die Führung. Für Teilnehmerin Monika Brendel war es besonders, dort die Menschen hinter der Zeitung zu sehen. Sie lese die „Nürnberger Nachrichten“ seit über 60 Jahren, schon im Elternhaus habe die Zeitung immer auf dem Tisch gelegen. „Aber jetzt ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, was für ein Aufwand dahinter steckt“, so die 83-Jährige aus Schwaig.
Zum Abschluss gab es einen Austausch bei Kaffee und Kuchen, bei dem das Interesse an der Arbeit der „Nürnberger Nachrichten“ zu spüren war. Das zeigt sich auch am Zuspruch für die Führungen: Die nächsten beiden Veranstaltungen sind bereits ausgebucht.

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