München - Mal für, mal gegen die Grünen - CSU-Chef Markus Söder wechselt seine Linien gern. Jetzt warnen drei Christsoziale, der Kurs sei falsch. Doch sie entwerten ihre (berechtigte) Kritik durch den Weg, den sie gewählt haben, kommentiert Roland Englisch.
08.10.2025 15:53 Uhr

Markus Söder nennt sie „die Stimmen von gestern“; und er packt möglichst viel Verachtung in die vier Wörter. Es ist sein Versuch, der Kritik vor allem von Erwin Huber, aber auch von Horst Seehofer und Manfred Weber die Spitze zu nehmen, die Söders Kurs gegenüber den Grünen für falsch halten.

Alle drei gehören nicht zu seinen Freunden, und es liegt nahe, dass ihre Motive nicht nur lauter sind. Söder wiederum spielt die Kritik herunter, weil er die Diskussion über seinen Kurs den Grünen wie der AfD gegenüber mit allen Mitteln verhindern will. Die Zeiten, in denen die CSU über strategische Linien geredet hat, liegen lange zurück - wenn es sie jemals gegeben hat.

Söder und seine Gegner: Beide Seiten haben gute Argumente

Tatsächlich ist die Lage kompliziert, denn beide Seiten haben starke Argumente. Natürlich muss die Brandmauer gegen die AfD stehen und „betonhart“ sein. Die AfD will nicht mit der Union kooperieren, sie will sie zerstören; daraus macht sie auch kein Geheimnis.

Das weiß Söder, der sich gegen die Rechtsextremen abgrenzt. Er weiß allerdings auch, dass viele seiner Wähler den Unionskurs argwöhnisch beäugen und die AfD, wenn auch nicht für eine gute, aber doch für eine Alternative halten. Je unzufriedener sie mit der Berliner Peformance sind, desto eher gehen sie von der Fahne.

Das erklärt, warum Söder zwar die AfD attackiert, gleichzeitig aber ihren Tonfall immer wieder übernimmt wie etwa in der Flüchtlingsdebatte. Sein Kalkül: Die Liberaleren in der CSU stoßen sich zwar daran, akzeptieren es aber als notgedrungen. Die Ultras dagegen fühlen sich wahrgenommen.

Und es erklärt, warum der CSU-Chef einen brachialen Kurs gegen die Grünen fährt. Denn als er vor sechs Jahren noch Bäume umarmt und den Öko-Christsozialen gegeben hatte, ließ seine konservative Basis keinen Zweifel daran, was sie davon hält: nichts.

Deshalb hat Söder umgeschaltet. Und er sieht sich bestätigt durch die Reaktionen seines Publikums beim Aschermittwoch wie im Bierzelt. Der Beifall ist stets am stärksten, wenn er auf die Grünen eindrischt. Wie repräsentativ das ist für die Gesamtheit der CSU-Wähler, steht auf einem anderen Blatt.

Die Union ist auf die Grünen angewiesen

In Berlin aber braucht die Union die Grünen (und die Linke) immer wieder als Mehrheitsbeschaffer. Auch in Bayern schwinden die stabilen, breiten Mehrheiten. Söders CSU kann nicht zulegen, Aiwangers Freie Wähler bauen ab. Möglich, dass die CSU eines nicht allzu fernen Tages nicht nur in Berlin, sondern auch in Bayern auf die Grünen angewiesen sein könnte - auf Grüne, die Söders Demütigungen nicht vergessen.

Huber, Seehofer und Weber sehen die Gefahr. Sie kennen freilich auch die Pole, zwischen denen Söder sich bewegen muss. Es gibt viele Gründe, warum die CSU über seine Linie diskutieren sollte, die über ihre Zukunft entscheidet. Doch die drei wählen nicht den mühsamen, aber passenden Weg über die CSU-Gremien, sondern den lauten über Interviews. Und das verrät einiges über ihre wahren Absichten.