
„Take Me Home, Country Roads“ schallt es aus den Boxen des Autoradios, während sich der Jeep die Serpentinen zum Grandfather Mountain hinauf quält. Die Erhebung in den Blue Ridge Mountains ist eines der Highlights im westlichen Teil North Carolinas. Von dem rund 1800 Meter hohen Berg haben Besucher einen beachtlichen Ausblick über die blauen Berge, die im Song „Country Roads“ als himmlisch beschrieben werden.
Doch warum eigentlich blau? Die Erklärung ist einfach: Die Bäume in den Blue Ridge Mountains, insbesondere Eichen und Pappeln, sondern die Chemikalie Isopren ab. Die Moleküle reagieren mit der Sonnenstrahlung und der Luft. Dies führt dazu, dass das blaue Licht der Sonne gestreut wird und die Berge bläulich erscheinen.
Am Grandfather Mountain angekommen, weht eine sanfte Südstaaten-Brise. Bis zum Horizont erstrecken sich nur Wälder und kleine Seen in satten Naturtönen. Eine Idylle, die stark an die Umgebung in „Dirty Dancing“ erinnert, Tatsächlich wurde der Film am Lake Lure in North Carolina gedreht. Auch vom Grandfather Mountain aus sind mehrere Herbergen an blauen Seen zu erkennen, die dem Kellerman’s Resort aus dem Tanzfilm-Klassiker verdächtig ähneln. Die Natur in North Carolina ist bei Filmproduzenten beliebt.
Der Grandfather Mountain ist auch in einem anderen weltberühmten Streifen auszumachen: „Forest Gump“ läuft eine der Kurven zu dem Berg nach oben. In der Szene sprintet allerdings nicht Tom Hanks den Anstieg empor, sondern sein Bruder und Schauspiel-Double Jim Hanks.
Wandern in den endlosen Weiten
Die Bergketten sind nicht nur ein beliebter Drehort, sondern auch ein Paradies für Outdoorfans. Zum Campen, Angeln und Wandern zieht es neben Touristen auch viele Amerikaner hinaus in die schier endlose Weite. Die Blue Ridge Mountains erstrecken sich über fünf Bundesstaaten (Georgia, Maryland, North Carolina, Pennsylvania, Virginia) und sind Teil der Appalachen.
Von North Carolina aus ist das kleine Städtchen Boone das Tor zu den Bergen, in dessen Zentrum es ein beachtliches gastronomisches Angebot mit deftiger Südstaatenküche gibt. Unbedingt probieren sollten Sie Mac’n Cheese, das in North Carolina noch viel cremiger ausfällt als in der Heimat, sowie das traditionelle Gericht „Shrimp and Grits“, Garnelen mit Polenta. In Amerika sind die Portionen übrigens besonders groß, deshalb wird in vielen Restaurants eine „Doggybag“ für das Einpacken der Reste angeboten.
In Boone laden neben Restaurants viele kleine Shops und Boutiquen zum Flanieren ein. Durch die ansässige Appalachian State University liegt das Durchschnittsalter der Einwohner Boones bei 21,5 Jahren. Während des Semesters tummeln sich hier viele junge Menschen, die den Ort zu einer hippen und belebten Kleinstadt machen.
Wer Großstadtluft schnuppern möchte, wird in Charlotte glücklich, das rund zweieinhalb Autostunden südöstlich von Boone liegt und einiges zu bieten hat. Bei einer Tour mit dem Golfkart gibt Caleb Gordon einen Einblick in die vielen Facetten der Stadt. Geübt lenkt der Amerikaner das Gefährt durch die Straßen, dabei summt er die Melodie zu „Uptown Girl“ von Billy Joel. „Sag bloß nicht ‚Downtown Charlotte‘, es heißt immer ‚Uptown‘“, warnt er uns bei der Gelegenheit. Das Stadtzentrum mit seinen vielen Wolkenkratzern und Büros liegt geografisch am höchsten Punkt der Metropole, deshalb „Uptown“ und niemals „Downtown“.
Bankenstadt mit Kunstwerken
Charlotte ist nach New York die zweitgrößte Bankenstadt der USA. Das höchste Gebäude ist das Hauptquartier der „Bank Of America“, dessen Dach wie eine Krone geformt ist und nachts unter üppiger Beleuchtung in den Himmel strahlt. Die Krone ist eine Hommage an Queen Charlotte, die 57 Jahre lang das Oberhaupt der Stadt war. Daher wird Charlotte auch „Queen City“ genannt.
Die Metropole erfreut sich ebenso über ein wachsendes Kunst- und Kulturleben. Viele bekannte Broadway-Shows kommen nicht nur nach New York und San Francsico, sondern auch ins Belk Theater nach Charlotte. Zudem wird die Stadt dank großer Wandgemälde - sogenannten Murals - von regionalen Künstlern immer bunter. Mit der „Luminous Lane“ wurde zuletzt eine schäbige, dunkle Parkhaus-Straße in einer knallbunte Meile voller Gemälde verwandelt. Bei einem Artwalk können Touristen die künstlerische Seite Charlottes kennenlernen.
Zuletzt lohnt sich noch ein Ausflug in die NASCAR Hall of Fame, das Zuhause des Motorsports in Charlotte. In dem Museum können Besucher die Boliden aus nächster Nähe bestaunen und im Simulator selbst ein kleines Rennen in einem echten NASCAR-Rennwagen bestreiten. Die Hall of Fame gibt auch einen Einblick in die Geschichte und die Legenden dieses Sports.
Einen Katzensprung von Charlotte entfernt kommen Rum-Liebhaber auf ihre Kosten. Die Muddy River Distillery in Belmont befindet sich rund 25 Autominuten außerhalb der Stadt. In der restaurierten Mühle hat North Carolinas ältester legaler Rumproduzent sein Zuhause. Inhaber Robbie Delaney hat sich hier mit seinem Handwerk verwirklicht und zeigt seinen preisgekrönten Rum, der sich wie ein milder Bourbon genießen lässt. Im orangefarben verschwitzen T-Shirt und mit hochgesteckter Sonnenbrille liegt sein ganzer Fokus auf der Produktion. Delaney zeigt die verschiedenen Sorten und wie in großen Eimern die Zutaten angesetzt werden. Im oberen Bereich der restaurierten Mühle können Besucher das edle Getränk sogleich an der Bar verkosten.
Doch nicht nur Hochprozentiges hat seine Heimat in North Carolina. Mit dem Jeep geht es zum Ende des Roadtrips nach Asheville, rund drei Stunden nordwestlich von Charlotte. In der quirligen Stadt mit rund 95.000 Einwohnern gibt es rund 50 Craft-Beer-Brauereien. Eine davon ist „One World Brewing“, die einzige Untergrundbrauerei. Durch einen Hinterhof führen enge Stufen hinab in ein dunkles, feuchtes Treppenhaus, an dessen Ende man vieles erwarten würde, nur keine Brauerei. Beim Öffnen der schweren Tür schlägt Besuchern eine angenehme Kneipenwärme und ein bieriger Duft entgegen. Hinter der Bar lehnt Robert Andries im lässigen T-Shirt und mit nach hinten gedrehter Cap. „Hey guys, what’s up?“, begrüßt er seine Gäste. Der 35-Jährige empfiehlt sogleich die Sorte „Citra Bomb“ - womöglich, weil es das stärkste Craft Beer auf der Karte ist. Es schmeckt erstaunlich gut. Und das ganz ohne Reinheitsgebot.
Andries kam vor zwölf Jahren nach Asheville, um „dem Moloch New Orleans zu entfliehen“, wie er sagt. Was er an Asheville mag? Hier gibt es neben den Brauereien viel Livemusik, Bars und eine alternative Kulturszene. Der Grund für die hohe Brauereidichte liegt übrigens am guten Wasser, das aus den Bergen der Blue Ridge Mountains kommt und sich bestens für das Bierbrauen eignet. „Ich mag die Stadt und den jungen Spirit hier“, erklärt Andries seine Liebe zu Asheville und warum es ihn nicht mehr nach New Orleans zieht. Nach seiner Schicht als Barkeeper plant er noch einen Absacker in West Asheville, dem Ausgehviertel der Stadt.
Wer nach dem Roadtrip noch einen letzten Blick auf die Berge erhaschen will, dem sei die Rooftop Bar des „Flat Iron Hotels“ in Asheville empfohlen. Auf einem der berühmtesten und ältesten Gebäude der Stadt lässt sich der Tag mit einem lokalen Craft Beer und Panoramablick auf die Blue Ridge Mountains entspannt ausklingen.
Mehr Informationen:
Visit North Carolina, https://www.visitnc.com/
Anreise ab Nürnberg: Mit dem Zug nach München, Lufthansa bietet Direktflüge von München nach Charlotte
Beste Reisezeit: September bis November, wenn es etwas kühler ist und die Blätter der Bäume in den Blue Ridge Mountains bunt gefärbt sind







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