
Es schien alles geregelt: 2035, so hatte es die EU-Kommission beschlossen, sollte das letzte Stündchen für den Verbrennermotor schlagen. Für eine Technik, die im 19. Jahrhundert erfunden worden war und im 20. Jahrhundert durchgängig Erfolge gefeiert hatte, sollte das Totenglöcklein läuten - zumal die Nachfolgelösung (E-Autos) parat steht. Eigentlich nichts Ungewöhnliches.
Doch nun wendet sich das Blatt, Totgesagte leben offenbar auch in der Autobranche länger: Wenn beinahe zeitgleich der Chef der mächtigen Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, und der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine Abkehr vom für 2035 beschlossenen Ende für neue Verbrennerfahrzeuge fordern, dürfte die Umsetzung bald folgen.
Auch der Zeitpunkt ist kein Zufall: In München gab sich eine Woche lang die Fahrzeugindustrie während der IAA ein Stelldichein, ein guter Termin für ein Entgegenkommen seitens der Politik. Was sich nun abzeichnet, ist die gelebte Inkonsequenz der europäischen und deutschen Politik.
Denn klimapolitisch bedeutet es einen Rückschritt, wenn aus Auspuffen weiterhin schädliche Emissionen in die Umwelt gelangen - auch wenn die neuen Motoren immer sauberer werden, ein im doppelten Sinne fahler Beigeschmack bleibt. Selbst der ADAC, unverdächtig, als autofahrerfeindlich zu gelten, meldet Zweifel an der rückwärtsgewandten Politik an.
Denn eines ist klar: Dieser Rückschritt verunsichert die Verbraucher, vor allem diejenigen, die sich nach längerem Abwägen für den Einstieg in die E-Mobilität entschieden haben. Was sich anbahnt, lässt sich nur mit einem Einknicken vor der deutschen Automobilindustrie erklären. Diese hat, das ist durchaus legitim, so vernehmbar und erfolgreich gejammert, dass insbesondere die Union sich davon tief beeindrucken hat lassen. Seit langem fordern Spitzenpolitiker wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) deshalb von Brüssel ein Umdenken.
Das Argument, durch eine längere Verbrennerfrist Arbeitsplätze zu retten, ist nicht von Hand zu weisen. Falsch ist es dennoch - jedenfalls auf lange Sicht. Denn die chinesischen Anbieter wird dieser Schritt eher ermuntern, ihren Vorsprung in der E-Mobilität auszubauen, sie fokussieren sich längst auf die zukunftsgewandte Technik. Es ist zum Haareraufen. Da versuchen die deutschen Marktführer BMW, Mercedes, VW und Audi, endlich ihren Rückstand aufzuholen, und bieten bei der IAA konkurrenzfähige E-Autos an. Just zu diesem Zeitpunkt spannt die Politik den Branchenführern die Hängematte auf: Lasst es ruhig angehen, wir verlangsamen die Transformation - so kann diese Botschaft verstanden werden.
Klug ist eine solche Politik nicht. Denn darunter leidet das Klima - und am Ende des Tages auch die Automobilindustrie. Es gab in der Wirtschaftsgeschichte noch kein Beispiel einer Branche, die durch Festklammern an alter Technik konkurrenzfähig geblieben wäre.
3 Kommentare
Thaumati
Wenn die deutschen Autobauer so weitermachen und sich auf Verbrenner fokussieren, wird es ihnen wie den damaligen Pferdekutschenherstellern ergehen, sie werden vom Markt verschwinden.
17.09.2025 15:02 Uhr