
Auf den ersten Blick sieht man es dem Fahrgeschäft nicht an. Doch das Baujahr des Kinderkarussells der Familie Ulrich ist 1948. Das 75-jährige Jubiläum der Anlage bezieht sich allerdings auf den ersten Zulassungsstempel im Betriebsbuch: 30. August 1950. Seit dem steht das nostalgische Großgerät auf fränkischen Volksfesten und Kirchweihen, etwa in Nürnberg, Fürth, Schwabach, Forchheim und vielen Städte und Gemeinden mehr.
Ersatzteile gibt es nur über einen Speziallieferanten aus den USA
Zuletzt hatte es auf dem Herbstvolksfest in Nürnberg seinen Platz. Joachim Ulrich, der Eigentümer, und seine Familie hegen und pflegen das Schmuckstück. Es ist in den zurückliegenden Jahren immer wieder mal komplett restauriert worden, dennoch ist und bleibt es ein Oldtimer - im wahrsten Sinne des Wortes.
Der 63-jährige Ulrich macht auf den besonderen Motor aufmerksam. Das Karussell hat sein Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg selbst gebaut, erzählt er. Das Getriebe stammt von einem liegengebliebenen Lastwagen der US-Army, der 1948 im Graben lag. Als Joachim Ulrich es einmal überholen musste, konnte er die Teile nur in den USA bei einem Speziallieferanten auftreiben.
„Andere Schausteller haben auch alte Fahrgeschäfte, aber alles Technische wurde komplett ausgetauscht, ein neuer Motor, neue Antriebe“, erklärt Ulrich. Er aber sei ein Traditionalist, er habe es absichtlich so gelassen. „Es ist ein durch und durch analoges, handgesteuertes Karussell geblieben.“
Der Aufbau und Abbau dauert jeweils zwei Tage, ein Lastwagen und zwei Hänger sind nötig. „Auf kleinen Plätzen lohnt sich der Aufwand nicht mehr. Man braucht immer zwei Mitarbeiter, während des Betriebs“, erläutert Ulrich, Schausteller in vierter Generation. „Die beste Zeit waren die Boomer-Jahre“, also etwa ab 1960. Damals gab es viel mehr Kinder als gegenwärtig. Heute steht das Karussell nur auf den größeren Plätzen, nach dem Nürnberger Herbstvolksfest in Schwabach, dann auf der Michaelis-Kirchweih in Fürth, neben der alten Feuerwache.
Eine ungewöhnliche Geschichte in der Postkutsche
Es ist durchaus auch Nostalgie, die Ulrich umtreibt. Viele Besucher waren als Kinder bei ihm, jetzt bringen sie die eigenen Enkel oder Kinder mit, erzählt er. Die alten Fahrzeuge locken die Kleinen wie eh und je. Diese Geschichte ist aber ungewöhnlich: Kürzlich besuchten zwei 75-Jahre alte Senioren den Schausteller Ulrich. Sie erzählten: „Wir haben uns als Schulkinder in Schwabach in diesem Karussell in der Postkutsche kennengelernt. Wir haben uns nie aus den Augen verloren, wurden ein Paar, haben geheiratet und sind immer noch zusammen.“
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