Valsugana Italien - Vom Weißwein Solaris nippen, köstliche Spätzle alla Tirolese genießen oder mit einem E-Bike bergab sausen - das Valsugana Tal in Italien bietet eine idyllische Flucht aus dem Alltag, umgeben von Bergen und charmanten Orten wie Borgo Valsugana.
30.08.2025 05:00 Uhr

Wir leben in wilden und unberechenbaren Zeiten. Da steigt die Sehnsucht nach einem Ort, an dem die Welt in Ordnung scheint. Das Valsugana Tal ist so ein Ort, umgeben von Bergen, die sich schützend vor einem aufbauen und mit einem wohlig-seeligem Gefühlt zurücklassen - behütet und abgeschottet von der restlichen Welt da draußen. In den Sommermonaten schlendert man am besten mit einem großen Gelato in der Hand durch die Gassen von Borgo Valsugana. Das ist ein kleines italienisches Dorf in der Provinz Trient. Von den Brücken aus kann man dort einen verschlafenen Blick auf die Wasserstraßen der Brenta werfen, über die das Kunstwerk Flying Man hinwegfliegt.

Gemütlich und gemächlich geht es hier zu, niemand drängelt - bis auf ein paar wenige Autos, die sich durch die engen Gassen zwängen. Zwischendurch hört man das Knattern eines Paggio Ape, dem niedlichen Kleintransporter mit Vespa-Motor. Ab und an saust auch ein Kind auf einem Rennrad vorbei, das hier in Borgo ausgebildet wird.

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Borgo Valsugana eignet sich ideal zum Schlendern und Pistazien-Eis genießen. Die Glaspyramide erinnert ein wenig an den Innenhof des Louvre in Paris. © Ibañez

Das kleine Dorf Borgo und seine Liebe zum Fahrradfahren

Borgo ist bekannt für seine Liebe zum Fahrradfahren. Auch in diesem Jahr findet an den ersten beiden Septemberwochenenden der Coppa D‘Oro in Valsugana statt. Wer lieber selbst aufs Fahrrad steigen möchte: Von Borgo aus wartet ein 15 Kilometer langer Radweg entlang der Brenta. Bei dem geht es kaum bergauf, man segelt mit ununterbrochenem Blick aufs Bergpanorama nur so dahin. Belohnen kann man sich mit einem Abendessen im La Taverna am Levico See. Abends spiegelt sich dort das Mondlicht in der Wasseroberfläche des Sees, kleine tanzende Reflexionen, die mit den Lichtern des Restaurants konkurrieren. Hier gibt es etwa Risotto mit roten Rüben und Mandelsplittern an einem Fondue aus dem typischen Vezzena-Käse oder Kalbscarpaccio mit Kapern und Tunfischschaum.

Wem das zu wenig Herausforderung ist, der kann die Berge mit einem E-Mountainbike hochjagen. Auf der Berghütte Refugio Stella d‘Italia wartet eine eiskalte Holunderblütenschorle, frisch aufgebackenes Brot mit Kümmel und der schneeweiße Hund Oliver, der auch auf der Speisekarte zu entdecken ist. Ähnlich weiß sind die Bergspitzen der Dolomiten, die von hier aus zu sehen sind. Nach einem Teller Spätzle alla Tirolese mit Sahne und Speck oder Canederli, den südtirolerischen Semmelknödeln in Brühe, darf man sich zwischen gelben Blümchen ins Gras legen und Löcher in die Wolken gucken.

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Ob feines Rote-Beete-Risotto mit Mandelsplittern oder klassische Spätzle alla Tirolese - kulinarisch hat das Trentino eine große Bandbreite an Besonderheiten. © Ibañez

Sommelier über den Wein aus Lagorai: „Wir ernten per Hand“

Bei all den Leckereien darf natürlich der richtige Wein nicht fehlen. Wer möchte, stattet dem Castel Ivano einen Besuch ab. Hier hoch oben in den Bergen, beim mittelalterlichen Herrensitz oberhalb von Ivano-Fracena, baut ein Weinexperte auf knapp zehn Hektar Fläche Trauben für Pinot Noir und Chardonnay an. Besonders gut schmeckt der Weißwein mit dem Namen Victor oder der Solaris – leicht, fruchtig und weich. Auf jedem schwarzen Etikett sind gemalte Köpfe zu sehen, sie alle tragen Männernamen wie Franz, Karl oder eben Victor. „Wir ernten per Hand“, sagt Stefano Dalledonne, der Winzer von Cantina Terre del Lagorai. Die Weine hier haben eine salzige Note, erklärt er. Das liege hier in der Luft bei Lagorai, einer Bergkette aus ehemaligen Vulkanen, die seit 290 Millionen Jahren ruhen.

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Der Weißwein hat eine feine salzige Note - typisch für die Vulkanregion bei Lagorai. © Ibañez

Sehenswert ist auch das spätgotische Castel Pergine. In der Burg finden Kulturveranstaltungen statt, es gibt ein Hotel, ein Café und das Ristorante al Castello, das jeden Abend außer mittwochs geöffnet hat. Die Rapunzel Tower Suite im Turm mit Blick auf die Dolomiten kostet ab 85 pro Person und pro Nacht. Das Schöne ist: „Die Burg gehört jetzt allen“, erklärt die Tour Guide. 2018 konnte eine Stiftung mithilfe von Spenden die Burg kaufen. Vier Millionen Euro kostete das Gemeinschaftsprojekt damals. Heute kümmern sich 845 Teilhaber um Erhaltung und Instandsetzung des Bauwerks.

Einzigartiges Freilichtmuseum und verführerisch guter Vezzena-Käse

Wer Natur mal anders erleben möchte, kann sich das Freilichtmuseum Arte Sella in den Bergen über Roncegno ansehen. Unter freiem Himmel sind hier 60 Kunstwerke ausgestellt, die aus Naturmaterialien geschaffen wurden. Darunter eine mithilfe von KI geschaffene Skulptur aus Marmor, eine Brücke aus Zeitungspapier oder ein riesiger Knoten aus zwei ineinander verschlungenen Baumstämmen.

Besonders schön ist das Werk eines italienischen Künstlers mit dem Namen „Saber“: eine bunte Kuppel, die an eine Kirche erinnert oder an ein riesiges Osterei mitten im Wald. Saber ist eine Sprache, die damals Piraten im 16 Jahrhundert in mediterranen Gewässern gesprochen haben, um sich verständigen zu können. Das hat eine verbale Brücke geschaffen zwischen Europa und Afrika. Auch heute soll das Kunstwerk an die Harmonie verschiedener Religionen und Kulturen erinnern - im Einklang mit der Natur. Auch die Farben, mit der die Holzkacheln angemalt wurden, sind aus Naturmaterialien. Ein Tipp: Wer in die Kuppel hineingeht, kann mittig einmal auf den Boden stampfen, um die einmalige Akustik zu erleben.

Am Ende der Freilichtausstellung wartet das Ristorante All‘Ersilia, bei dem Besucher draußen unter einem Bogen aus Grün sitzen können. Dort gibt es etwa Lasagna Bianca und Rinder-Carpaccio mit Äpfeln und Rucola. Oder aber Vorspeisenplatten mit einer Auswahl an Schinken, Salami und Käse - darunter auch der berühmte Vezzena-Hartkäse.

Wer von dem nicht genug bekommt, kann dem Caseificio di Lavarone einen Besuch abstatten. Hier darf man den typischen zehn Monate gereiften Vezzena Mezzano probieren. Für Kinder und alle, die es nicht so würzig mögen, eignet sich der helle Lavarone Dolce. Der Stravechio di malga hingegen hat einen intensiven Geschmack. Er reift bis zu acht Jahre lang. „Beliebt ist auch der Chapollini Käse“, erklärt die Chefin des Caseificio, die eine grüne Kappe und eine karierte Schürze trägt, auf der ein Milchmädchen mit Kuh aufgenäht ist. „Der eignet sich auch für Schwangere und Kinder“, sagt sie und reicht eine Kostprobe.

Nach all den Eindrücken eine Abkühlung gefällig? Am Lago di Lavarone warten gelbe Sonnenschirme, türkisgrünes Wasser und viel Platz zum Füße und Seele baumeln lassen.


Mehr Informationen

Kontakt:

Tourismus-Agentur Valsugana, visitvalsugana.it/de

patrizio.andreatta@visitvalsugana.it

Tourismus-Agentur Alpe Cimbra, alpecimbra.it/de direttore@alpecimbra.it

Anreise: Von Nürnberg aus müssen Reisende mit dem Auto mit mindestens sechs Stunden Fahrtzeit rechnen. Mit dem Zug fährt man erst nach München und von da aus direkt nach Trento.

Die beste Reisezeit ist in den Sommermonaten: Von Mai bis September kann man im Lago die Levico und Lago die Caldonazzo baden gehen.