Köln - Zehn Jahre nach „Wir schaffen das“ zeigt eine neue Studie, dass ausländische Beschäftigte die deutsche Wirtschaft enorm stärken: Im Jahr 2024 trugen sie gut 700 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei - Bayern profitierte besonders stark.
22.08.2025 14:43 Uhr

Am 31. August 2015 trat die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel vor die Presse und sagte einen Satz, der heute als historisch bezeichnet wird: „Wir schaffen das.“ Die Frage, ob wir es geschafft haben, bewegt seitdem die Öffentlichkeit. Zwar lässt sich diese nicht eindeutig beantworten - dafür fehlen klare Erfolgskriterien, aber eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt jetzt: Ausländische Beschäftigte trugen 2024 über 700 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei, wenn die gesamtwirtschaftlichen Effekte berücksichtigt werden. Das schreibt das IW in einer Mitteilung. Demnach haben in den vergangenen zehn Jahren Millionen Beschäftigte aus dem Ausland den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt gefunden.

Laut dem IW haben im vergangenen Jahr rund sieben Millionen Ausländer in Deutschland gearbeitet, fast jeder sechste Beschäftigte besaß keine deutsche Staatsbürgerschaft. Damals, als Merkel ihren wohl bekanntesten Satz sagte, hatte nur jeder zehnte keinen deutschen Pass.

Zehn Jahre nach „Wir schaffen das“: Ausländische Beschäftigte tragen über 700 Milliarden Euro zum BIP bei

Das wirkt sich auch positiv auf die Wirtschaft aus: Im Jahr 2024 hätten ausländische Beschäftigte 536 Milliarden Euro zur Wertschöpfung beigetragen, teilt das IW mit. Alleine die seit 2015 hinzugekommen Beschäftigten erwirtschafteten 240 Milliarden Euro, heißt es. Und das ist nicht alles: Bezieht man die vorgelagerten Wertschöpfungseffekte und die Konsumausgaben mit ein, hängen laut IW sogar 706 Milliarden Euro Wertschöpfung in Deutschland von ausländischen Beschäftigten ab.

Wie viel diese zur Wertschöpfung beitragen, unterscheidet sich regional stark: Baden-Württemberg führt die Liste an. Dem IW zufolge trugen ausländische Beschäftigte dort im vergangenen Jahr 17,3 Prozent dazu bei. Und auch in Bayern war der direkte Beitrag ausländischer Beschäftigter an der Bruttowertschöpfung im Vergleich hoch, wie eine Karte auf der Website des Instituts zeigt: 2024 lag dieser bei 16,2. Prozent. Anders ist es beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern: Das Bundesland bildet mit 5,4 Prozent im bundesweiten Vergleich das Schlusslicht und liegt damit deutlich unter dem deutschlandweiten Durchschnitt von 13,7 Prozent.

Bayern profitiert von ausländischen Beschäftigten

Die veröffentlichten Zahlen des IW decken sich mit der generellen Arbeitsmarktlage, die in Bundesländern wie Baden-Württemberg, aber auch in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hamburg deutlich günstiger ist als in anderen Regionen - so ist die Beschäftigungsquote von Geflüchteten hier ebenfalls vergleichsweise hoch. Umkehrt fallen in Bundesländern mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit, dazu gehören die meisten ostdeutschen Länder, die Beschäftigungsquoten von Ausländern geringer aus. Dort liege der direkte Beitrag ausländischer Beschäftigter an der Wertschöpfung unter dem Bundesschnitt, so das IW.

„Wenn die Bundesländer es schaffen, ausländische Beschäftigte für ihren Arbeitsmarkt zu gewinnen, trägt das unmittelbar zum wirtschaftlichen Erfolg bei“, wird die IW-Expertin Benita Zink in der Mitteilung zitiert. „Andersherum profitieren ausländische Beschäftigte von der Arbeit, denn erfolgreiche Integration geschieht maßgeblich über den Arbeitsmarkt.“ Um die Potenziale auszuschöpfen, muss die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse laut Zink vereinfacht werden.


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