
„Auf Florian Bremm müssen wir wieder achten“, sagte der Stadionsprecher, bevor die Teilnehmer des 5000-Meter-Finales zum letzten Mal in die Kurve einbogen. Er klang dabei wie der Kommentator einer Live-Übertragung: „Das kennen wir von den letzten Deutschen Meisterschaften, das kennen wir aus Kassel, das kennen wir aus Braunschweig.“ Bremm hatte sich da jedes Mal auf seine Spurtfähigkeiten verlassen können und jedes Mal gewonnen. In Dresden sah es wieder so aus, als Dritter ging er die letzten 200 Meter an, er wirkte leichtfüßig, siegessicher. Und beinahe hätte wieder alles geklappt.
Sam Parsons kontrollierte das Geschehen hinter ihm bereits über die Videowand, neben ihm sprintete Maximilian Thorwirth schon am Limit. Bremm schien sich noch zurückzuhalten, ebenso sein gefährlichster Gegner. Mohamed Abdilaahi gilt seit Jahren als Deutschlands potenziell bester 5000-Meter-Läufer - und als unberechenbar. Was der Mann aus Mönchengladbach zu leisten im Stande ist, hat er in dieser Saison aber eindrucksvoll gezeigt. Beim Meeting in Monaco hatte er die vierzehneinhalb Runden in 12:53,63 Minuten absolviert - 1,03 Sekunden schneller als Dieter Baumann 28 Jahre vor ihm. Auch Bremm hatte sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert, zuletzt im Juli auf 13:09,17 Minuten. Im Finale von Dresden aber war Abdilaahi der klare Favorit, selbst in einem langsamen Rennen.
Niklas Buchholz wollte das Hindernis-Finale schnell machen
Der Meister der Vorjahre und der Rekordläufer hatten sich ihre Gegner vor der Zielgeraden zurecht gelegt. Abdilaahi entschied sich für den langen Weg auf Bahn zwei, rechts an Thorwirth vorbei. Bremm spekulierte darauf, dass ihm Parsons auf der Innenbahn Platz machte. Als der Läufer aus Colmberg die Frequenz aber noch einmal erhöhte, schnitt ihm der Deutsch-Amerikaner den Weg ab. Bremm geriet ins Straucheln, orientierte sich neu, wechselte auf Bahn drei, in kurzen, kraftvollen Schritten flog er (13:50,42) an Thorwirth vorbei - Abdilaahi (13:50,28) konnte er diesmal nicht einholen.
Bremm war dabei nicht der einzige Athlet des LSC Höchstadt, der zum Nebendarsteller eines spektakulären Rennens wurde. Buchholz hatte bei diesen Meisterschaften vor, Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Über 3000 Meter Hindernis brauchte er eine schnelle Zeit, um sich noch für die WM in Tokio (13. bis 21. September) zu qualifizieren. Er war also interessiert daran, das Finale flottzumachen. Nach 1000 Metern musste er aber im Gegenwind einsehen, dass ihm das alleine nicht gelingen würde. Buchholz versuchte also, das Feld auszubremsen. Auch in diesem Endlauf gab es einen Teilnehmer, der in diesem Jahr einen alten deutschen Rekord gebrochen hatte, aber selbst Frederik Ruppert, der im Mai in Rabat in 8:01,49 Minuten die 26 Jahre alte Bestmarke von Damian Kallabis unterboten hatte, wollte die Einladung des Erlangers nicht annehmen.
Bronze für die Staffel des LAC Quelle Fürth
Erst in der Schlussphase zog sich das Feld auseinander. Vorne lief Karl Bebendorf dem Sieg entgegen, er konnte gar nicht anders. Bebendorf stammt aus Dresden, es wurde laut im Stadion. So laut, dass er das Wasser am letzten Wassergraben komplett übersprang und deshalb beinahe stürzte. Er lief an diesem Samstag aber nicht nur für sich selbst. „Meine Mutti verbringt gerade ihre letzten Tage und liegt im Sterben“, erzählte er danach. „Sie wäre gern noch mal mit hier gewesen, das war leider nicht möglich. Deswegen ist der Titel auch für sie.“ Ruppert hatte in der letzten Runde keine Chance - Buchholz blieb Bronze, zum dritten Mal in Folge nach 2023 und 2024.
Die (nicht ausgeschriebene) Teamwertung im Hindernisfinale hätte erneut der LSC Höchstadt gewonnen, Nick Jäger und Brian Weisheit sicherten sich die Plätze sechs und sieben. Die Hoffnungsträger des LAC Quelle Fürth waren für diese Meisterschaften noch zu jung. 100-Meter-Talent Jakob Kemminer konzentriert sich als amtierender U18-Europameister auf die U20-EM in Tampere. Seine Kollegen deuteten in Dresden an, was künftig möglich ist: Johannes Lorz, Mark Franz, Mika Gutsche und Dariyan Aydin holten im U20-Finale über 4-mal-400-Meter Bronze (3:19,47).

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