
Manchmal schreiben Journalisten nicht alles, was ihnen im Gespräch gesagt wird. Entweder, weil sie Vertraulichkeit zugesichert haben. Oder weil sie aus Erfahrung wissen, dass Worte oft aus dem Zusammenhang gerissen werden – und manch einer nur darauf wartet, sie bewusst misszuverstehen und dann loszupoltern.
So blieb das Wort „Drecksarbeit“ über zehn Jahre unveröffentlicht im Notizblock. Gesagt hat es der im Jahr 2017 verstorbene Thomas Diehl in einem Gespräch über das Festhalten am damals noch imageschädigenden, unsteten und mitunter defizitären Rüstungsgeschäft des Nürnberger Familienunternehmens. „Machen wir uns nichts vor“, sagte Diehl damals am Rande einer Bilanzpressekonferenz, während er genüsslich eine Marlboro rauchte. „Irgendwann werden wir froh sein, dass wir in diesem Land noch Unternehmen wie unseres haben, die bereit sind, auch mal die Drecksarbeit zu machen.“
Das Schmuddel-Image der Rüstungsbranche ist weg
Irgendwann ist heute. Russland bombardiert die Ukraine. Israel feuert auf Gaza und den Iran. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert für Deutschland einen Schutzschirm mit Tausenden Patriot-Raketen und 100.000 Drohnen. Und der deutsche Kanzler Friedrich Merz sagt öffentlich jenes Wort, das sich die Journalistin nach dem Gespräch mit Thomas Diehl damals verkniff: Drecksarbeit.
Der Kontext ist in beiden Fällen zweifellos ein anderer. Wofür Merz Israel vor zwei Wochen lobte, ist völkerrechtlich hochproblematisch. Doch das klare Wort des Kanzlers hat eine ebenso kontroverse wie notwendige Debatte angestoßen – etwas, das seinem Vorgänger, der im Nahostkonflikt nie anecken wollte, kaum gelang.
Auch Thomas Diehl hat das deutliche Wort nie gescheut. Schon in Zeiten, in denen die heute alltäglichen Fototermine von Politikern in Rüstungsschmieden undenkbar waren und der Branche pauschal ein Schmuddel-Image anhaftete, stand er offen zu diesem Teilbereich des Unternehmens.
Man kann über den Begriff streiten. Aber schöne Worte machen die Sache nicht besser. Krieg ist blutig. Ungerecht. Und ja, auch schmutzig. Man möchte aufschreien, weil territoriales und religiöses Anspruchsdenken nicht längst in den Hintergrund getreten ist – angesichts jener menschengemachten Krisen, die unsere Existenzgrundlage auf der Erde bedrohen. Die Sommer werden glühender, die Gletscher kleiner, die Stürme heftiger.
Und trotzdem: Der Mensch ist dem Menschen noch immer ein Wolf. Der 1982 formulierte Berliner Appell „Frieden schaffen ohne Waffen“ ist fern unserer derzeitigen Realität und bleibt ein hehrer Wunsch.
Also ja: Angesichts einer Weltlage, in der es kaum noch Gewissheiten gibt, ist es gut, dass es Firmen wie Diehl, Rheinmetall, Thyssenkrupp, Renk oder Hensoldt in Deutschland gibt. Zu wünschen ist, dass wir eines Tages all das, was sie produzieren, nicht mehr brauchen. Noch aber ist Verteidigung nötig. Und wir sollten ehrlich genug sein, das auch klar auszusprechen.


3 Kommentare
5ras
Ich oute mich hier als Mitarbeiter in der Rüstung, und daher kann ich die klaren Worte in dem Artikel nur bekräftigen. Wir arbeiten nicht dafür, andere Länder anzugreifen, unser Job ist es, unser Land verteidigungsfähig zu machen und zu halten.
02.07.2025 15:37 Uhr