
Ein Schnauben, ein Rascheln – und dann stehen sie da. Wild, mit zerzausten Mähnen, beinahe wie aus einer anderen Zeit. Eine Herde Konik-Pferde hebt langsam die Köpfe, während sie auf einer Hochfläche im Nationalpark Schwarzwald grast. Die Tiere - Leihgaben aus dem Karlsruher Zoo - leben hier rund um den Schliffkopf fast wie in freier Wildbahn. Ohne Stall, ohne menschliche Regie. Und doch spielen sie eine zentrale Rolle im Ökosystem des Schwarzwalds.
Die Koniks sind Landschaftspfleger und Artenschützer auf vier Beinen, erklärt Thomas Gamio, Ranger im Nationalpark Schwarzwald. Seit fünf Jahren grasen sie in einem rund 38 Hektar großen Areal – eine stille Erfolgsgeschichte. Sie fressen Gräser und knabbern an jungen Bäumen, sie gestalten so ganz natürlich eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft. „Ohne die Beweidung würden diese sogenannten Grinden – also traditionelle Bergweiden – mit der Zeit zuwachsen“, erklärt Gamio.“
Tatsächlich ist diese Art der Pflege essenziell für den Artenschutz. Viele bedrohte Arten - von Insekten über Reptilien bis zu Vögeln profitieren von den freien Flächen und den Hinterlassenschaften der Tiere - etwa Dungkäfer.
Dass die Tiere so friedlich und vertraut wirken, täuscht nicht darüber hinweg, dass sie weitgehend wild leben. Nur zur jährlichen Hufpflege oder bei medizinischen Notfällen kommen Menschen nahe an die Herde heran. „Wir bitten Besucher ausdrücklich, die Tiere nicht zu füttern oder zu streicheln“, betont Gamio. „Sie kommen gut alleine zurecht.“
Auf alten Pfaden: Der Westweg – 125 Jahre Wandererlebnis
Die Konik-Herde, die sich vom Wanderweg aus beobachten lässt, ist nur einer der Höhepunkte auf dem berühmten „Westweg“. Schon 1900 legte ihn der Schwarzwaldverein als einen der ersten Fernwanderwege Deutschlands an. Heute, 125 Jahre später, zählt er zu den beliebtesten und spektakulärsten seiner Art. Fast 300 Kilometer zieht sich die Route von Pforzheim im Norden bis nach Basel an der Schweizer Grenze – ein Höhenweg, der sich wie ein roter Faden über den Hauptkamm des Schwarzwalds zieht. Und ja, rot ist hier buchstäblich Programm: Die Wegweiser tragen das Symbol einer roten Raute.
Wer den gesamten Westweg gehen möchte, braucht rund zwei Wochen und eine gute Kondition: Rund 8.000 Höhenmeter sind zu überwinden. Im Gegenzug erwarten einen atemberaubende Fernblicke über die Rheinebene bis zu den Alpen, stille Seen, tiefe Wälder und spektakuläre Panoramapunkte wie die Hornisgrinde oder der Feldberg – mit 1.493 Metern der höchste Gipfel des Schwarzwalds.
Die Route ist in mehrere Etappen aufgeteilt, die auch einzeln machbar sind – ideal für verlängerte Wochenenden. Dank der guten Anbindung an Busse und Bahnen lassen sich Start- und Zielpunkte flexibel gestalten. Ob Naturfreundehäuser, bewirtschaftete Hütten, Gasthöfe oder Wellnesshotels – der Westweg bietet entlang der Strecke für jeden Geschmack und Geldbeutel passende Unterkünfte.
Und damit das Wandererlebnis auch in Zukunft so bleibt, kümmern sich viele Ehrenamtliche des Schwarzwaldvereins um die Pflege und Markierung der Wege – verlaufen kann man sich eigentlich nicht.
Waldzeit am Rohrhardsberg: Wo der Auerhahn balzt
Selbst im tiefsten Tann sind die Wege perfekt: Am Rohrhardsberg bei Furtwangen schlängelt sich ein Pfad durch dichte Nadelwälder und lichte Lichtungen. Hier, wo Rhein und Donau sich scheiden, liegt eine der ursprünglichsten Ecken des Schwarzwalds.
Förster Johannes von Stemm vom Forst Baden-Württemberg bleibt stehen, als ein Vogel rufend durch die Baumkronen flattert. „Etwa zehn Prozent des Waldes hier ist komplett aus der Nutzung genommen“, erklärt er. „Totholz bleibt stehen – ein wichtiger Lebensraum für Pilze, Käfer, Spechte.“
Das Gebiet ist nicht Teil des Nationalparks, aber vielfach unter Naturschutz. Und doch bleibt auch hier der Mensch nicht untätig. Nachhaltige Forstwirtschaft ersetzt kranke Fichten durch klimaresiliente Mischwälder. Vor allem aber: Es wird Platz geschaffen für Auerwild – eine stark gefährdete Vogelart, die in lichten Wäldern mit Blaubeersträuchern und alten Baumriesen überlebt. „Für den Auerhahn braucht es strukturierte Bereiche – offene Flächen, dichter Jungwald, aber auch alte Bäume. Das schaffen wir durch gezielte Maßnahmen“, erläutert der Förster.
Wichtig ist auch die Besucherlenkung. Früher funktionierte das mit Karten und Schildern. „Heute nutzen viele Apps. Also müssen wir auch digital lenken“, sagt von Stemm. Zu dieser Strategie gehören auch legale Trekkingplätze - denn wildes Campen ist im Schwarzwald verboten. Über die Online-Plattform www.trekking-schwarzwald.de können naturbegeisterte Wanderer einfache Zeltplätze mitten im Wald buchen – mit Feuerstelle, Kompost-Toilette und viel Ruhe. Kein Strom, kein Komfort, aber: ein echtes Abenteuer.
Weitere Informationen
Anreise am besten mit der Bahn und Bussen über Pforzheim, Baden-Baden oder Freiburg in zirka vier Stunden. Mit dem Auto etwa 280 Kilometer und dreieinhalb Stunden.
Unterkünfte im Bereich des Nationalparks Schwarzwald: Berghotel Mummelsee und Nationalparkhotel Schliffkopf.




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