Chalon - Sanfte Hügel, mittelalterliche Burgen und eine der teuersten Weinlagen der Welt: Im Burgund kommen Naturliebhaber, Flaneure und Genießer auf ihre Kosten. Tipps für einen 4-Tages-Trip abseits ausgetretener Pfade.
21.06.2025 05:00 Uhr

Tag 1: Dorfgeschichten, Schokolade und ein Hauch Luxus

Malerische Steinfassaden, schmale Gassen, eine Burg, die majestätisch über dem Tal thront - und wenige Autominuten entfernt: eine mexikanische Schokoladenmanufaktur. Strahlend begrüßen Maryline und Joshue unsere Gruppe in ihrem kunterbunten Laden mit angeschlossener Küche. Gelb, rot, grüne Kacheln, Bilder mexikanischer Totenköpfe, der „Calaveras“, an den Wänden, herb-schwerer Schokoladengeruch im Raum.

Vor acht Jahren eröffnete die bei Dijon geborene Maryline mit ihrem mexikanischen Mann die Schokoladenmanufaktur Purokao. Die beiden hatten sich in seiner Heimat kennengelernt, wo sie als Archäologin die antiken Stätten der Maya erforschen wollte. Aus Freundschaft wurde Liebe, aus Liebe entstand ihre Tochter - und als die zum Studium die Flügel Richtung Frankreich ausbreitete, folgten die Eltern.

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Das Dorf Châteauneuf-en-Auxois zählt 80 Einwohner. Die zugehörige Burg liegt auf dem Plateau eines 475 Meter hohen Felsens rund einen Kilometer östlich des Canal de Bourgogne und überragt die Landschaft des Auxois © Nicole Netter

Heute verbinden viele Touristen einen Besuch des Dörfchens Châteauneuf-en-Auxois und der von Philipp dem Guten von Burgund zu einer repräsentativen Adelsresidenz umgebauten Burg mit einem Abstecher in die Schokoladenfabrik. Bei Workshops lernt man, wie man aus Kakaobohnen Paste macht und wie man mit dem Holzstab die perfekte chocolat chaud, heiße Schokolade, mischt. Schön für Familien: Bei Purakao können Kinder auch ihre eigene verzierte Schokoladen herstellen.

Wer sich für die Nacht dann etwas gleichermaßen Besonderes wie Traditionelles gönnen will, kann sich im stilvollen Fünf-Sterne-Haus Château de Sainte-Sabine niederlassen. Das Renaissance-Schlösschen liegt in einem weitläufigem Park, das angeschlossene Restaurant Lassey versucht sich gerade einen Stern zu erkochen. Wer das rosa gebratene Täubchen zum Mercurey Premier Cru/Clos des Barraults versucht, weiß, warum.

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Eine Handvoll Nonnen kümmerten sich im Hôtel-Dieu um die Kranken auf der Station. Nicht die einzige Zeitreise, die Louhans zu bieten hat. © Nicole Netter

Tag 2: Louhans – Käse, Kräuter und Krankenhausgeschichte

Der nächste Tag beginnt mit einem besonderen Einblick in französische Landwirtschaft: dem Besuch einer traditionellen Bressehühnerfarm, konkret der des amtierenden Zucht-Champions Laurent Marquis in der Nähe von Louhans. Die weißen Tiere, die hier in losen Grüppchen über weite Wiesen staksen, gelten als der „Rolls Royce unter den Hühnern“.

Die Aufzucht dieses Geflügels mit der geschützten Ursprungsbezeichnung (AOP) ist streng reglementiert: Sie ernähren sich weitgehend von Schnecken, Insekten und was der Boden sonst so hergibt, zusätzlich gibt es regionales Getreide und Milchprodukte, die zur Verbesserung der Qualität des Fleisches beitragen sollen.

Nach Schlachtung der blaubeinigen Tiere - maximal schnell und angeblich schmerzlos aufgrund von Elektrobetäubung - werden sie in der Region sowie an nationale wie internationale Spitzengastronomie vertrieben. 1,2 Millionen der 650 Millionen in Frankreich produzierten Hühner sind Bresse-Hühner.

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Außerhalb des geöffneten Häuschens hätten diese jungen Bresse-Hühner fast unbegrenzt Platz auf grüner Wiese. Weil aber jüngst ein Habicht vom Himmel stach, bevorzugen diese scheuen Exemplare das schützende Obdach. © Nicole Netter

Nicht nur kulinarisch, auch kulturell hat Louhans einiges zu bieten. Am Nachmittag steht ein Abstecher ins barocke Hôtel-Dieu auf dem Programm: Es beherbergt zwei Krankenstationen, eine Kapelle und eine vollständig erhaltene Apotheke aus dem 18. Jahrhundert, in deren dunklen Regalen bis heute Tinkturen, Waagen und Pülverchen stehen.

Wer Orte liebt, an denen die Zeit stehen geblieben scheint, sollte im Anschluss das Druckereimuseum Musée de l‘Imprimerie besuchen. Hier stehen nicht nur wuchtige Maschinen, die das vor-digitale Handwerk der Branche zeigen. Das Papier hängt noch zwischen den Eisenbacken, die Teller stehen auf dem Tisch, die Papierbänder, in denen die dünnen Journale eingebunden werden, liegen noch obenauf - just, als wäre die Redaktion nur kurz in der Stadt mit den bekannten 157 Arkaden in die Mittagspause entschwunden.

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Als die Druckerei der Zeitung „L‘Indépendant du Louhannais“ im Jahr 1984 geschlossen wurde, beschloss das Ökomuseum von Bresse, daraus ein Druckereimuseum zu schaffen. © Nicole Netter

Am späten Nachmittag fahren wir weiter nach Mellecey in der Côte Chalonnaise. Dort liegt das ruhige Gästehaus Clos Saint Martin, unsere Unterkunft für die verbleibende Zeit. Gastgeberin Marie Debouisson hat einst ihr Leben als Dreifachmutter in Paris hinter sich gelassen und auf dem Land ein altes Winzerhaus in ein Gästehaus umgebaut. Ein Ort, an dem sich Individualisten und Familien gleichermaßen wohlfühlen können. Der Abend klingt bei Pastise und Aperol aus. Inmitten des Weinbaugebiets Côte Chalonnaise gelegen, bietet das Anwesen nicht nur Ruhe, sondern auch kurze Wege zu einigen der besten Weingüter der Region.

Tag 3: Kultur am Fluss und große Weine

An Tag drei erkunden wir Chalon-sur-Saône. Die größte Stadt der Saône-et-Loire wartet mit einer malerischen Altstadt rund um die Kathedrale Saint-Vincent auf, der Spaziergang geht vorbei an Schaufenstern voller üppig dekorierter Törtchen, kleinen Galerien, Markthalle und Caféterrassen.

Wind um die Nase blasen lassen wir uns danach bei einem Bootsausflug der Saône. Gemütliche 1,5 Stunden ziehen Hausboote, Fabrikhallen, Reiher, Schleusen und Weiden an uns vorbei - ein entspannter Perspektivwechsel.

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Alles in einem: David Lefort macht in seiner Domaine alles in Personalunion. © Nicole Netter

Zurück an Land und eine halbe Stunde mit dem Auto durch geschwungene Landschaften später erwartet uns Amaury Devillard. 1934 begann sein Großvater mit der Abfüllung von Wein, heute zählt Château de Chamirey in Mercurey zu den großen der Region. Das Gut bringt Premier-Cru-Weine hervor, die zur Spitze der Côte Chalonnaise zählen.

Der Tag endet mit einer weiteren Verkostung im Domaine Lefort in Rully. Klein, bio - aber ebenso qualitätsbewusst. Sein Studium an der Sorbonne in Philosophie und Naturwissenschaften hat Winzer David Lefort mit der Arbeit in Weinbergen finanziert - dabei verlor er sein Herz. Im Jahr 2010 erwarb er zwei Hektar Mercurey, heute bewirtschaftet er fünf Hektar. Leforts Weine sind mittlerweile in Prestige-Restaurants in Frankreich zu finden.

Tag 4: Marktleben in Chalon-sur-Saône

Bevor der Flug vom 1,5 Stunden entfernten Lyon über Frankfurt in die fränkische Heimat abhebt, besuchen wir den Wochenmarkt von Chalon. Zwischen Obstständen, Käseauslagen, Honig aus dem Morvan und Dijon-Senf schlendern Einheimische und Besucher, ringsum laden kleine Cafés zu einem Abschiedsespresso ein. Eine kurze Onlinerecherche zeigt: Gemüse im Handgepäck ist erlaubt. Und so sorgen vier prächtige Artischocken wenige Stunden später für ein wenig „la douceur de vivre“ auch Zuhause.

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© PunktX


Mit einem Zwischenstopp

Von Nürnberg nach Lyon lässt es sich zum Beispiel via Frankfurt recht komfortabel reisen. Die Flugzeit beträgt in Summe etwas über zwei Stunden, die Umstiegzeit hält sich in Grenzen. Informationen zum Burgund erhält man über www.burgund-tourismus.com.