Fürth - Roland Kastner hat fast 500 Spiele fürs Kleeblatt gemacht und als Torwart sogar Tore geschossen. Nach seiner aktiven Zeit war er mit seinem Sportgeschäft noch lange in Fürth präsent. In dieser Woche ist er mit nur 68 Jahren verstorben. Ein Nachruf.
21.06.2025 12:54 Uhr

Der 1. März 1980 war ein besonderer Tag für Roland Kastner. Dabei begann dieses Heimspiel seines Kleeblatts gegen den SSV Ulm wie so viele in den Jahren zuvor. 1975 war der junge Torhüter vom TV Jahn 63 Nürnberg zur SpVgg Fürth gewechselt, bei der mit Peter Löwer allerdings ein sehr starker Torhüter zwischen den Pfosten stand. Der junge Kastner musste sich also in der 2. Bundesliga Süd zunächst hinten anstellen.

Am 26. Spieltag der Saison 1979/80 nahm Kastner zunächst auf der Bank Platz und sah von dort, wie Mahmut Bulut das ersatzgeschwächte Kleeblatt in Führung schoss. Dann geschah etwas sehr Seltenes. „Angesichts der großen Personalnot durfte in den zweiten 45 Minuten für den wegen Grippe erschöpften Heinlein Ersatz-Torhüter Roland Kastner sein Heil als Mittelstürmer versuchen“, ist in der „Kleeblatt-Chronik“ zu lesen. „Der Einstand des umfunktionierten Keepers hätte nicht besser sein können. In der 56. Minute erzielte er auf Flanke von Stempfle mit einem Kopfball das 2:0.“

Roland Kastner blieb der SpVgg Fürth auch in dunkelster Zeit treu

Ein Torhüter, der als Angreifer Tore schießt, dazu ein 3:1-Sieg ihrer Spielvereinigung - für alle 2200 Zuschauer, die damals in den Ronhof gekommen waren, hatte sich der Ausflug gelohnt. Die „Nürnberger Zeitung“ urteilte nach dem Spiel: „Da wurden Kräfte frei, die niemand für möglich gehalten hätte.“ Zwei Jahre später geschah erneut etwas, was kaum jemand für möglich gehalten hatte. Inzwischen hatte Löwer seine Karriere beendet, Kastner spielte viel mehr - und stieg mit seinem Verein in die Bayernliga ab.

Roland Kastner blieb dem Kleeblatt aber treu. Auch dann noch, als es 1987 nochmal eine Klasse nach unten in die Landesliga ging. Doch am vermeintlichen Tiefpunkt erlebte der Torhüter einen seiner Höhepunkte. Im August 1990 warf das Kleeblatt Borussia Dortmund im Ronhof aus dem DFB-Pokal - auch, weil Kastner seinen Kasten bis auf einen Gegentreffer von Flemming Povlsen sauber hielt.

Am Ende der Saison kehrte die SpVgg Fürth in die Bayernliga zurück, in der Kastner noch drei Jahre das Tor der Mittelfranken hütete, ehe er seine Karriere 1994 nach fast zwei Jahrzehnten mit dem Kleeblatt auf der Brust wegen Rückenproblemen beendete. Aus dem Fürther Stadtbild war er aber auch danach nicht wegzudenken. Bereits zehn Jahre vor seinem Karriereende hatte er „Kastners Sporttreff“ am Grünen Markt eröffnet, den er bis 2020 in der Friedrichstraße betrieb.

Seither war es ruhig geworden um Roland Kastner, der das Kleeblatt nur noch „aus der Ferne“ verfolgte, wie er mal im Interview erzählte. Am Montag, 16. Juni, ist der Mann, der mit 491 Pflichtspielen nach Vorgänger Löwer (504) die zweitmeisten der Vereinsgeschichte gemacht hat, nach schwerer Krankheit verstorben. „Mit Roland Kastner“, schreibt das Kleeblatt, „verliert die Spielvereinigung einen herausragenden Spieler ihrer Geschichte.“