Erlangen - Die Unterstützungs-Aktionen für das E-Werk zeigen bereits Wirkung. Die erforderlichen Spaßmaßnahmen aufgrund des Erlanger Haushaltslochs bringen jedoch einschneidende Veränderungen mit sich und bergen hohe Risiken.
27.02.2025 17:10 Uhr

Vor zwei Monaten fiel eine Entscheidung im Erlanger Stadtrat, aufgrund derer sich ein Szenario abzeichnete, welches das E-Werk vor große Probleme stellt: Im Haushalt des Kulturzentrums klafft, zunächst für 2025, eine Lücke von bis zu 290000 Euro. Zudem wurde der Fördervertrag - so heißt es in einer Pressemitteilung - vorerst für nur ein Jahr geschlossen, anstelle wie bisher für drei Jahre mit entsprechender Planungssicherheit.

"Die Lösung ist nicht die, die ich mir ursprünglich erhofft hatte – die, die uns erlaubt hätte, unsere Arbeit so fortzusetzen wie bisher", hatte Jan-Peter Dinger, Geschäftsführer des E-Werks, damals bemerkt. Da aber bereits mit diesem Ausgang der Haushaltsverhandlungen gerechnet wurde, war das E-Werk vorbereitet. Jan-Peter Dinger dazu: "Nach dem ersten Bekanntgeben unserer misslichen Lage wurde oft gefragt, wie man uns konkret helfen kann. In kürzester Zeit haben wir dazu Möglichkeiten entwickelt: Man kann durch unterschiedliche finanzielle ‚Solidaritäts-Beiträge‘ unsere soziokulturelle Programmarbeit unterstützen." Direkt am Tag nach der Entscheidung im Stadtrat wurden diese Möglichkeiten zugänglich gemacht.

Die Band "The Notwist" im E-Werk in Erlangen am 29
Konzerte, wie hier das der Band The Notwist, können, im Gegensatz zu niederschwelligen Veranstaltungsformaten, positive Deckungsbeiträge vorweisen. © Rainer Windhorst

Das Team des E-Werks hatte sich dazu vom denkmalgeschützten Fliesenboden im E-Werk inspirieren lassen. Privatpersonen und Unternehmen, die helfen wollen, können "Fliesen-Patenschaften" übernehmen. Bereits am ersten Wochenende im Dezember wurde die Summe von 10000 Euro Soli-Beitrag geknackt.

Zusätzlich kann man mittlerweile beim Kauf von Veranstaltungskarten im Online-Shop des E-Werks einen Soli-Beitrag in beliebiger Höhe dazu buchen. Trinkt man ein Getränk vor Ort, kann man an der Theke ebenfalls einen Soli-Beitrag von einem Euro bezahlen. Alle Erlöse aus den Aktionen fließen zu 100 Prozent in die soziokulturellen Veranstaltungen, die aktuell auf der Streichliste stehen, teilt das E-Werk mit. Gerade niederschwellige Veranstaltungsformate seien besonders von den Sparmaßnahmen betroffen, da sie, im Gegensatz zu Konzerten und Partys, keine positiven Deckungsbeiträge vorweisen können, so das E-Werk. Um weiterhin wirtschaftlich zu bleiben, setzte das Kulturzentrum gezwungenermaßen bei diesen Formaten den Rotstift an.

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Patenschaften für die denkmalgeschützten Fliesen können weiterhin übernommen werden. © Stefan Mößler-Rademacher

Dank der Soli-Beiträge, die in den letzten Wochen eingingen und auch immer noch eingehen, zeigt sich die Leiterin des Projektbüros, Sabine Pfister, vorsichtig positiv: "Ich hatte viele Formate bereits komplett gestrichen. Das Programm, welches mein Team und ich ansonsten sehr breit aufstellen, um so gut wie allen Menschen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, war auf ein Minimum reduziert. Gerade Angebote für Kinder, Jugendliche und in der Nachwuchsförderung hätten stark unter dem Sparzwang gelitten. Jetzt muss ich bei einigen Veranstaltungen wie dem Umsonst und Drinnen Club oder dem Kinderkulturtag doch nicht so stark ausdünnen."

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Leiden besonders unter dem Sparzwang: Angebote für Kinder (hier "Der kleine Rabe Socke"). © Tim Sperlich

Nichtsdestotrotz, einfach ist die Lage nicht. Die Soli-Beiträge allein reichen nicht aus, um die Deckungslücke von bis zu 290000 Euro pro Jahr zu schließen. Deshalb wurde in den vergangenen Wochen ein Sparkonzept mit verschiedenen Einzelmaßnahmen erarbeitet: Freiwerdende Stellen werden derzeit nicht oder nur teilweise nachbesetzt, Programmangebote ausgedünnt, Investitionen und Reparaturen auf ein Minimum reduziert. Aufgrund der langen Programmvorlaufzeiten könne eine Reduzierung der Öffnungstage jedoch erst ab dem kommenden Jahr 2026 erfolgen. Eine Konzentration auf vier bis fünf statt bisher bis zu sechs Öffnungstage im Veranstaltungsbetrieb helfe der Programmplanung, mehr auf Qualität als auf Quantität zu achten. Zudem sei es unausweichlich, Preise, sei es für Eintritte, Gastronomie oder Raummieten, zumindest moderat zu erhöhen.

Dass in jeder Krise auch Chancen lägen, sei den Verantwortlichen im E-Werk durchaus bewusst, heißt es weiter. Sparmaßnahmen dieser Größenordnung seien für das E-Werk jedoch Neuland und würden durchaus hohe Risiken bergen. Die Besucherzahlen lägen noch immer unter dem Vor-Corona-Niveau, das Interesse an großen Party-Events, einer wichtigen Säule der Finanzierung des Hauses, sei bundesweit rückläufig. "Zudem bleibt zu hoffen, dass wir durch eine erzwungene Reduzierung der Öffnungstage die finanziell besonders lukrativen Konzertveranstaltungen großer Bands weiterhin im E-Werk platzieren können", so Jan Dinger. Wie gut Veranstaltungen laufen werden, lasse sich in der Konzipierung und Planung nicht immer zuverlässig vorhersehen. Fänden insgesamt nun weniger Veranstaltungen statt, könnten nicht optimal besuchte Veranstaltungen tiefere Löcher reißen als zuvor. Der Druck wachse damit für das gesamte Team.

Unter https://www.e-werk.de/helfen/ finden sich sämtliche Informationen zu den Unterstützungsmöglichkeiten.


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