Wiederentdeckt - Bemerkenswerte Bildschätze aus dem Pressearchiv
Begeben Sie sich mit uns auf eine Zeitreise. Jede Woche zeigen wir Ihnen einen besonderen Bildschatz aus unserem reichhaltigen Archiv-Fundus.

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1/89 - Von einer Caféterrasse aus blickt ein Paar im Jahr 1965 auf ein Meer aus Fahrzeugen, das den Hauptmarkt flutet. Trotz der Wetterkapriolen nutzten viele Touristen die freien Ostertage, um Nürnbergs Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, auch Theateraufführungen oder die Auschwitz-Ausstellung im Rathaus standen bei vielen auf dem Programm. An Sonntagen durfte die „gute Stube“ Nürnbergs seinerzeit als Parkplatz genutzt werden. Noch bis in die 1980er Jahre gab es an der Südseite des Hauptmarkts 40 Stellplätze, ehe auch diese auf Beschluss des Stadtrats im Jahr 1982 Teil der Fußgängerzone wurden. © Gertrud Gerardi

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2/89 - Es war ein einsamer Vormittag für die zwei Reporter, die am 1. April 1964 am Dutzendteich auf U-Boot-Begeisterte warteten. Die NN hatten am Tag davor die Vorführung des elektronischen Einmann-U-Boots „Delphin E 24“ angekündigt – illustriert durch eine Fotomontage (unser Bild). Auch eine Probefahrt durch den Stadtrat sollte es geben. Doch der Aprilscherz war wohl zu offensichtlich. Statt einer Menschenmenge schaute nur Bürgermeister Franz Haas vorbei und lachte über den gefloppten Witz der Zeitung. Falls es doch ein paar Hereingefallene gab, blieben diese wohl lieber inkognito und spazierten wie zufällig am Ufer entlang. © Eva Slevogt

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3/89 - Am 17.11.1968 war in Nürnberg "der Löwe los". Das Löwenweibchen Sylvia, welches zu einem Wanderzirkus gehörte, der auf einem Grundstück in der Allersberger Straße sein Winterquartier bezogen hatte, war aus seinem Käfig entkommen. Während Passanten sich in Hauseingänge und Telefonzellen flüchteten, schritt das Tier gravitätisch und unbeeindruckt bis in die Fischbachstraße, wo es von Polizei, Feuerwehr und Zirkusmitarbeitern eingekesselt wurde. Nachdem man den Dompteur aus einer Imbißstube in der Innenstadt hinzugeholt hatte, gelang es diesem, die aufgeregte Löwin zu beruhigen und wieder zurück in ihre Behausung zu locken. © Friedl Ulrich

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4/89 - Nürnberger Friedensgespräch 1985: Zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs diskutierten in Nürnberg internationale Gäste und hochrangige Politiker über Versöhnung, Deutschlands Verantwortung und Perspektiven für den Frieden in Europa. Den Abschluss bildete der bunte SPD-Abend „Ein Programm für den Anfang“ vor rund 4000 Zuschauern in der Frankenhalle. Gegen Mitternacht traten der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt und Udo Lindenberg gemeinsam auf. Dabei mahnte Willy Brandt die nachfolgenden Generationen, ihre Verantwortung für eine humanere Zukunft wahrzunehmen. © Herbert Voll

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5/89 - An einem Abend des Jahres 1951 hallten Hilferufe durch einen Steinbruch am Schmausenbuck. Rettungswagen und Einsatzkräfte der Bergwacht eilten zu der Unglücksstelle. Die Bergretter ließen Seile in die Tiefe und stiegen mit Tragen zu acht Verunglückten hinab. Während einige mittels Spezialschlitten geborgen wurden, seilte man andere in einer sogenannten „Paketverschnürung“ nach oben (siehe Bild). Auch in Felswänden festsitzende Personen konnten erfolgreich gerettet werden. Glücklicherweise handelte es sich bei der Aktion nur um eine Rettungsübung, die nach sportlichen 45 Minuten erfolgreich beendet werden konnte. © Friedl Ulrich

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6/89 - Am 1. Dezember 1984 stand der Tiergärtnertorplatz ganz im Zeichen des Fußballs: Das ZDF-Sportstudio gastierte mit seiner Torwand in Nürnberg. Nachdem sich eine Stunde lang die Kinder an der Wand probieren durften (unser Foto), wurde es ernst: Unter über 100 Teilnehmern galt es, den besten für das Duell mit dem damaligen HSV-Spieler Felix Magath herauszufinden. Im Stechen qualifizierte sich schließlich der 16jährige Oliver Schwan vom VfL Nürnberg mit vier Treffern. Als er dann live gegen Magath antreten durfte, schoss er den Ball noch zweimal erfolgreich durch die Torwand, was ihm überraschenderweise den Sieg bescherte. © Hagen Gerullis

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7/89 - Putzaktion im Opernhaus Nürnberg im August 1959. Höhepunkt der alljährlichen Grundreinigung war das Herabsenken des riesigen Kronleuchters über dem Parkett. Per Hand musste der über 1.100 Kilogramm schwere und an starken Stahlseilen befestigte Lüster von mehreren Arbeitern ganz langsam bis hinunter zu den Parkettstühlen gesenkt werden. Tagelang wurden seine über 300 Kristallkugeln sowie rund 100 Glühlampen geputzt, poliert und von Elektrikern gewartet. Seit der von den Nationalsozialisten 1935 erfolgten Umgestaltung, der viele Jugendstil-Elemente zum Opfer fielen, erhellt der Lüster den Raum. Er hängt heute noch dort. © Eckhard Graf von Mandelsloh

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8/89 - Zum Abschluss der Faschingszeit 1964 pflegten die Frauen des Pfeifenklubs „Gemütlichkeit“ aus Mögeldorf den alten, bis heute vielerorts beliebten Brauch des Geldbeutelwaschens. Dabei werden die nach dem närrischen Treiben leeren Geldbörsen – in der Hoffnung auf Wohlstand und Glück – symbolisch mit Wasser gereinigt. Mit heiteren Mienen kehrten die Damen nach verrichteter Wäsche vom Pegnitzufer zu ihren Handtaschen zurück. „Der Fasching hat a Geld kost!“, stellten sie schmunzelnd fest, selbst der Glückspfennig war aus manchem Portemonnaie verschwunden. © VNP-Archiv

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9/89 - Eine humorvolle "Mahnung" an die Feiernden errichtete der Maler Konrad Seiler (hier in der modischen Knickerbocker-Hose links im Bild zu sehen) zum Fasching 1955 auf dem Bahnhofsplatz in Nürnberg. Seine eindrucksvolle Schneeskulptur zeigte einen Narren mit Teufelsmaske, welcher einen offenbar nach ausgiebigem Alkoholgenuss bewusstlosen Herren auf einer Schubkarre nachhause zu dessen wenig amüsierter Gattin brachte. Traditionell wurde in diesen Jahren regelmäßig zur fünften Jahreszeit ein entsprechend inspiriertes Kunstwerk dort erbaut, die damals noch schneereicheren Winter schufen die notwendige Voraussetzung dafür. © Friedl Ulrich

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10/89 - „Piste frei für die Masken“, hieß es 1963 am Burgberg Hohenstein bei Hersbruck. Über 1000 Zuschauer verfolgten beim Fränkischen Skifasching ein ausgelassenes Narrentreiben im Schnee. Drei Gruppen wetteiferten um den Faschingsorden, darunter die „Kinderwagentruppe“ des Hersbrucker Alpenvereins. In Kostümen wie zu Urgroßmutters Zeiten und als Clowns geschminkt sausten sie mit einem nostalgischen Kinderwagen den Hang hinunter. Ihr origineller Auftritt löste Staunen und Gelächter aus - und wurde mit einem Faschingsorden belohnt. © Gertrud Gerardi

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11/89 - Blick in eine Erlanger Handschuh-Manufaktur im Jahr 1969. Erlangen war, was Handschuhe betrifft, einmal fast der Nabel der Welt. Mit den Hugenotten kam die Zunft 1686 in die Stadt. Das Handwerk florierte und man exportierte in viele Länder. Um 1774 wurden über 120.000 Paare in acht Werkstätten hergestellt. Mancher Herr besaß damals, vom Handschuh für den Ausritt bis zum bestickten Exemplar für den Abend, viele Paare. Der Erlanger Handschuh aus weißem Glacé-Leder war Modebewussten ein Begriff. Durch billige Massenproduktion begann der Niedergang. 1950 gab es in Erlangen noch zehn Betriebe, 2019 schloss der letzte seine Tür. © Hilde Stümpel

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12/89 - Vor 74 Jahren berichteten wir vom Jahreswechsel 1951/1952. Ungeachtet des damaligen Dauerregens fielen sich viele Nürnberger auf den Straßen „recht kräftig“ in die Arme, denn „mit einem langen Kuss fängt sich eben alles besser an“, wie unser damaliger Reporter zutreffend feststellte. Auch die Paare auf unserem Foto folgten diesem Beispiel, im ganzen Stadtgebiet wurde ausgelassen gefeiert und das neue Jahr ebenso freudig empfangen, wie man das alte „hinunterspülte“. Größere Unfälle mit Feuerwerkskörpern blieben glücklicherweise aus, lediglich am Nordostbahnhof musste ein kleiner Brand gelöscht werden. © Friedl Ulrich

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13/89 - Zwischen Weihnachten und Neujahr war einst in Franken die Zeit der Pfefferlasnächte. Die Dorfjugend zog mit Wacholder- oder Mistelzweigen von Hof zu Hof und rief: „Schmeckt der Pfeffer gut? Gesalzen oder geschmalzen?“ Die Gepfefferten mussten Schnaps, Speck und Gebäck spendieren. Auf eigene Weise pflegten die Kinder der Familie Igel 1958 im Nürnberger Knoblauchsland den alten Brauch. Sie berührten ihren Großvater mit Fichtenzweigen und sagten dazu den Spruch „Pfeffern, pfeffern, des ist gout – z’mohl, wenn an wos wöih tout“, was Gesundheit und Glück für das neue Jahr bringen sollte – und als Belohnung einen Pfefferkuchen. © Gertrud Gerardi

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14/89 - Im Februar 1970 - wenige Wochen vor dem Start der Apollo 13 - tauchte ein Astronaut auf dem Hauptmarkt auf. Doch handelte es sich nicht um einen Raumfahrer, der die Konzentrat-Nahrung leid war, und nach etwas Bissfestem suchte, sondern um einen Werbegag für eine Spezialwärmedecke. Diese war gefertigt aus einer mit Aluminium bedampften Polyethylen-Säurefolie, mit der auch Astronautenanzüge und Satellitenbeschichtungen verarbeitet wurden. Vielleicht trug diese Dämmtechnik auch zum Überleben der Besatzung der Apollo 13 bei. Während des legendären Rettungsmanövers sank die Temperatur im Raumschiff bis auf den Gefrierpunkt. © Hans Kammler

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15/89 - Mit minus 25 Grad war es im Januar 1963 so kalt in Nürnberg, dass Oberbürgermeister Andreas Urschlechter sich mit der Bitte um zusätzliche Heizöltransporte durch Bundeswehr und Bahn an das Wirtschaftsministerium wandte, um Versorgungsengpässe hinsichtlich der dringend benötigten Brennstoffe zu vermeiden. Während nicht wenige Menschen in der fränkischen Metropole unter der eisigen Kälte ächzten, wussten andere das Temperaturtief sportlich zu nutzen: So wurde nicht nur im Volkspark Marienberg eifrig gerodelt, mitten in der Altstadt trafen sich auf der zugefrorenen Pegnitz Jugendliche, um gemeinsam Eishockey zu spielen. © Gertrud Gerardi

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16/89 - Großer Bahnhof für Michael Jackson in Pegnitz: 1992 empfingen rund 200 begeisterte Fans den Superstar, der für seinen Auftritt im Rahmen der „Dangerous World Tour“ in Bayreuth alle 25 Designer-Suiten des ehemaligen „Pflaums Posthotel“ in Pegnitz angemietet hatte. Mit dem legendären Orient-Express traf er ein, winkte kurz in die jubelnde Menge und verschwand anschließend in einem gepanzerten Bus. Während seine Anhänger im Regen vor dem Hotel ausharrten, stöberte Jackson mit seinem Neffen im örtlichen Spielwarenladen nach Ghostbusters-Figuren und besuchte später den Freizeitpark Fränkisches Wunderland. © Peter Ehler

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17/89 - Feuerstättenschau zu Beginn der Heizperiode im Jahr 1959. Skeptisch betrachtet der Beamte eine eigenwillige Konstruktion aus Ofenrohren. Hinter Nürnbergs Türen gab es damals eine Vielfalt verschiedener Heizungen. Die Heiztechnik befand sich im Wandel. Ein mit Kacheln verkleideter Dauerbrandofen war zunehmend in vielen Wohnungen zu finden. Die Zentralheizung verbreitete sich, blieb aber noch den Betuchteren vorbehalten. Koks- und Kohleöfen waren rückläufig, Öl- und Gasheizung auf dem Vormarsch. Heute wiederum kehrt man sich von fossil betriebenen Heizanlagen ab, um sie mit klimafreundlicherer Technik zu ersetzen. © Friedl Ulrich

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18/89 - "Erregende Minuten über St. Lorenz": diese Aufnahme der eingerüsteten Turmspitze gelang unserer Fotografin Gertrud Gerardi im Mai 1959 durch die geöffnete Tür eines Helikopters der US-Armee. Er war vom Hans-Sachs-Platz gestartet, um die goldene Turmzierde, einen Stern mit Engel, zur Spitze des 81 Meter hohen Südturms der Lorenzkirche zu befördern, wo sie sodann montiert wurde und sich heute noch dreht. Der Einsatz des damals noch ungewöhnlichen Fluggeräts zog zahlreiche Nürnberger auf die Straßen der Altstadt, von wo sie das zehnminütige, aufregende Ringen von Besatzung und Handwerkern gegen den starken Wind beobachteten. © Gertrud Gerardi

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19/89 - „Ein bisschen Klein-Paris, ein Stückchen Alltag und darüber jene melancholische Stimmung gebreitet, die dem Herbst so eigen ist. (…) - Ja, man braucht nur hineinzuschauen in sein Nürnberg – es ist schon schön.“, so lautete die überschwängliche Bildunterschrift in den NN zu dem 1957 entstandenen Motiv. In dieser Szenerie treffen sich Alltag und Poesie: ein Schutzmann und ein Liebespaar, ein Verkäufer, der seine Waren anbietet und ein Herr, der Schaukästen mit Hochzeitspaaren betrachtet, beleuchtet von der Herbstsonne, die durch das Tor am Weißen Turm fällt. 1978 wurde dort die U-Bahn-Station gleichen Namens eröffnet. © Gertrud Gerardi

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20/89 - „Georg Birklein in seinem Gehäuse: Er sitzt inmitten einer verwirrenden Fülle von Werkzeug und Gerät“, so wurde dieses Bild im Herbst 1966 in den NN umschrieben. In der Unteren Kreuzgasse 4 befand sich die Werkstatt des Silberschmieds, der bei einem Besteckmacher ausgebildet worden war. Vom Fernweh gepackt heuerte er als junger Mann auf Schiffen der Deutschen Lloyd an, kam so bis nach Südamerika und Australien. Nach vielen Jahren auf hoher See kehrte er zurück nach Nürnberg, und zu seinem Handwerk. Das Gold- und Silberschmiedehandwerk wurde übrigens 2025 ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. © Gertrud Gerardi

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21/89 - „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“ – könnte man beim Anblick der drei Junggesellen meinen, die 1959 in der Waschküche des damals neuen Hochhauses am Lutherplatz in Nürnberg ihre Wäsche in vollautomatischen Waschmaschinen wuschen und dabei sichtlich Spaß hatten. „Eine Waschmaschinenfüllung reicht bequem für zwei bis drei Flaschen Bier und fünf Zigaretten“, hieß es in den NN. Den Luxus einer eigenen Waschmaschine konnten sich 1959 nur rund 20 Prozent der westdeutschen Haushalte leisten, bittere Realität war seinerzeit das mühsame Waschen per Hand. © Gertrud Gerardi

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22/89 - Im Sommer 1963 trainierten die Turnierangler des Fischereivereins Nürnberg 1880 „Skish", eine Art Trockenfischen. Ziel dieser recht ausgefallenen Sportart ist es, durch einen Angelwurf mit dem Köder eine blecherne Zielscheibe zu treffen. Ursprünglich zur Optimierung von Wurftechniken für wirkliches Angeln gedacht, brachte dieser Sport schon damals auch Athleten hervor, deren Angelruten nur auf dem Platz zum Einsatz kamen. Was von außen leicht und seltsam anmutet, ist tatsächlich anspruchsvoll und erfordert lange Übung. Der Nürnberger Erich Krüger hielt damals mit einem 102,5-Meter-Wurf einen wenig bekannten Weltrekord. © Eva Slevogt

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23/89 - „Es ist die Hochblüte der Reiselust – und die Anhänger einer großen internationalen Bewegung, die durch winkende Hände auffällt, wollen nicht zu Hause sitzen und rosten“, so stand es in einem Artikel 1957 in den NN über die Reiseform des Trampens zu lesen. An den Ausfallstraßen Nürnbergs fanden sich vor allem junge abenteuerlustige Weltenbummler ein, die kostengünstig kreuz und quer durch Europa fahren wollten. „Mädchen fliegen nur so durch Europa, junge Männer dagegen müssen viel mehr Geduld haben“, vermeldeten wir. Das ältere Ehepaar auf unserem Foto musste geschlagene drei Stunden warten, bis ein Auto anhielt. © Getrud Gerardi

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24/89 - An der Stadtgrenze zwischen Nürnberg und Fürth steht im Februar 1962 ein Mann im Flussbett und blickt auf die Bögen des Dooser Brückkanals. Eine malerische Umgebung. Doch aufgrund der Verkehrsplanung verschwand sie kurz nach der Entstehung dieser Aufnahme. Noch im Lauf der 60er Jahre wurden beide abgebildeten Brücken abgerissen und eine Schnellstraße in die Trasse des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals gebaut. Stünde man heute an dieser Stelle, so wäre man direkt unterhalb der Kurgartenbrücke mitten auf dem Frankenschnellweg. Bis heute ein umstrittenes Verkehrsprojekt, dessen weiterer Ausbau kontrovers diskutiert wird. © Gertrud Gerardi

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25/89 - Letzte Sommertage für einen Kurztrip zu nutzen, ist eine schöne Idee. Statt am ersehnten Ort verbringen Reiselustige jedoch oft einen großen Teil ihrer Freizeit inmitten einer Blechlawine. So auch unser Fotograf, der im September 1956 an der Großglockner Hochalpenstraße in einem Meer aus stehenden Fahrzeugen über drei Stunden lang Gelegenheit hatte, Aufnahmen wie diese zu machen. Bereits ab Mitte der 1950er Jahre wurden Staus an beliebten Reisetagen zunehmend alltäglich. Anders als heute wartete man damals jedoch ohne Klimaanlage und Unterhaltungselektronik, dafür - wie auf unserem Bild zu sehen - in stilvoller Garderobe. © Eckhard von Mandelsloh

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26/89 - Wir würden Sie den Satz „Mier ham meiner Mudder ihr schensde Wasn hiegmachd, aber ned mid Fleiß“ übersetzen? Anfang der 1980er Jahre wurde an Nürnberger Schulen neben dem Hochdeutschen auch der fränkische Dialekt behandelt und gelehrt. Zwar standen korrekte Rechtschreibung und Grammatik weiterhin im Vordergrund, jedoch sollte auch die Mundart gefördert werden. Der Gebrauch des "Nämbercherischen" hielt die Sprache nicht nur lebendig, sondern führte oft auch zu ausdrucksstärkeren, weniger gehemmten Unterrichtsgesprächen. Dialekt und Hochdeutsch seien "zwei verschiedene, aber gleich wichtige Sprachen", so ein Experte. © Wilhelm Bauer

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27/89 - Mit geschultem Blick und einer Sprühpistole in der Hand erweckte Nürnbergs einziger und letzter Filmplakatmaler im Jahr 1977 eine überlebensgroße Boxkampfszene aus dem Film „Rocky“ auf einer Hartfaserplatte zum Leben. Jedes Werbeplakat, das der gelernte Kirchenmaler Herbert Koch in satten Farben gestaltete, war ein Unikat. Auf dem Höhepunkt des Kinobooms in den 50er und 60er Jahren war er für sage und schreibe dreißig Kinobetreiber im Nürnberger Raum künstlerisch tätig, Ende der 70er Jahre nur noch für drei: die Filmplakatmalerei wurde zur aussterbenden Kunst. © Rudolf Contino

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28/89 - Im Juli 1987 fand in Nürnbergs Altstadt das „Spiel mit und ohne Kaiser Karl“ statt. Bei dem "hausgemachten" Stadtfest waren alle eingeladen, selbst aktiv mitzuwirken. Kulturreferent Dr. Hermann Glaser warb vorab engagiert für Bürgerbeteiligung und plädierte für eine „Kreativität der Heiterkeit“. Bei dem zweitägigen Kulturspektakel bewiesen sodann 120 Gruppen und 1300 Teilnehmende das enorme kreative Potential Nürnbergs. Theater- und Tanzgruppen, Musikzirkel, unzählige Künstler, Laien wie Profis zeigten quer durch die Stadt ihre Darbietungen. Schräge Vögel (unser Bild) waren ebenso willkommen wie Vertreter der Hochkultur. © Friedl Ulrich

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29/89 - Zu Beginn der 1950er Jahre hatte Billard noch einen höheren sportlichen Stellenwert als heute. So richtete der 1. Billard-Club Nürnberg damals im Hotel Kaiserhof alljährlich Veranstaltungen aus, bei denen lokale und auch internationale Meister vor gespanntem Publikum gegeneinander antraten und ihr Können zeigten. Die Sportmode folgte dabei ihren eigenen Regeln, die Athleten erschienen klassisch-elegant. Im Eifer des Gefechtes war es aber wohl legitim, sich auch einmal des Sakkos zu entledigen. So wie es dieser Teilnehmer tat, der im Wettkampf vollen Körpereinsatz zeigte, jedoch auch eine gute Zigarre zu schätzen wusste. © Gertrud Gerardi

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30/89 - Erfindergeist im Jahre 1965: Der futuristisch anmutende Massage-Helm, der auf der Internationalen Erfinder- und Neuheitenmesse IENA in Nürnberg als eine von 64.500 Patentanmeldungen präsentiert wurde, war über einen Schlauch mit einem kleinen Rotationskompressor verbunden und versprach eine angenehme Kopfmassage. Man möchte dem sympathischen Erfinder gerne glauben, dass zwischen Zeitungslektüre und dem Zischen des Kompressors wohlige Entspannung auf Knopfdruck möglich war. © VNP-Archiv

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31/89 - TÜV-Gutachter inspizierten im Juli 1990 den Außenaufzug für Fensterputzer des damals im Nürnberger Fernmeldeturm beheimateten Restaurants. Der Ausblick der Besucher des in 189 Meter Höhe gelegenen Lokals war schon zwei Jahre lang getrübt gewesen. Der TÜV hatte verboten, die Scheiben zu putzen, nachdem der Außenaufzug 1988 bei einem Sturm beschädigt worden war. Ursprünglich sollte der gesamte Pylon abgeseilt und am Boden geprüft werden. Dieses teure Manöver ersparte TÜV-Ingenieur Günther Bäuerlein (li.) der Stadt: Er vertraute auf seine Schwindelfreiheit und reparierte den Aufzug deutlich kostengünstiger in luftiger Höhe. © Rudolf Contino

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32/89 - Hoch hinaus wollte der Herr links in unserem Foto: Beim Bardentreffen 1979 sicherte er sich einen möglicherweise nicht ganz den Sicherheitsstandards entsprechenden Logenplatz, indem er ein Dach in der Altstadt bestieg. Von dort hatte er gute und unverstellbare Sicht auf die Bühne am Tiergärtnertorplatz, damals eine der Hauptspielstätten des Nürnberger Musikfestes. Knapp 70 Liedermacher hatte die Stadt damals zum vierten Bardentreffen eingeladen, weit mehr waren jedoch zusätzlich und auf eigene Rechnung angereist und musizierten auf den Straßen und auch in den Kneipen im Sebalder und im Lorenzer Viertel. © Reinhard Kemmether

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33/89 - „Mädchen sind nicht mehr toupiert“ meldete die NN im März 1972 zu diesem Bild. Die Friseurinnung hatte die neuen Modefrisuren vorgestellt. Mädchen bis 19 Jahre sollten nun einen Schnitt erhalten, bei dem lästiges Sitzen unter der Trockenhaube wegfiel. Die Frisur mit kurzem Oberkopfhaar und langer Nackenpartie brauchte nur geföhnt zu werden. Sie ging unter dem Namen „Vokuhila“ (vorne kurz, hinten lang) in die Geschichte ein. Frauen bis 30 wurden große, natürliche Wellen empfohlen, wobei das Haar im Nacken eine füllige Innenrolle bildete. Von all dem völlig ungerührt trug die Brezenfrau im Stadtpark weiterhin ihr Kopftuch. © Volker Ranke

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34/89 - Freude und Zuversicht in schweren Zeiten zu schenken, war das Ziel der „Herzenswunsch-Aktion“ der Zeitschrift „Wochenend“. So wurde für den fast vollständig erblindeten 22-jährigen Peter Maul im Jahr 1954 ein lang gehegter Wunsch Wirklichkeit. Er gewann eine sechstägige Reise nach Nürnberg, inklusive betreuter Stadtführung und Besuch im Opern- und Schauspielhaus. Ein Highlight war für ihn sein allererster Ausflug in den Tiergarten, bei dem er einige Tiere aus nächster Nähe erleben durfte. Besonders angetan war er von einem Zebra, das sich ihm - wohl wegen des Zwiebacks in seiner Tasche - neugierig näherte. © Gertrud Gerardi

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35/89 - Vier „Papierjäger“ standen 1955 im Dienst des städtischen Reinigungsamtes. Diese waren mit lindgrün gestrichenen Mopeds und Anhängern mit Mülltonne, Besen und Schaufel als eine schnelle Eingreiftruppe unterwegs, um sogenannten „Windecken“ Herr zu werden - Arealen, in denen, den zahlreichen Nürnberger Straßenkehrern zum Trotz, immer wieder Papierfetzen aus Hinterhöfen und Ruinengrundstücken auf die Fahrbahn wehten. Von morgens um sieben bis nachmittags um vier waren sie im Dienst der Sauberkeit unterwegs und betreuten mehrere hundert Kilometer Straßen im Nürnberger Stadtgebiet, wobei jeder seinen eigenen Bezirk überwachte. © Eckhard v. Mandelsloh

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36/89 - Einen Geschicklichkeitslauf der ungewöhnlichen Art konnten die Nürnberger im Jahr 1963 zum Jubiläum des SC „Hota 23 Nürnberg“, des damaligen Sportclubs des Hotel- und Gaststättengewerbes hautnah miterleben: Meister Andreas Meisenbach balancierte ein gefülltes Weinglas auf dem Kopf, während er eiligen Schrittes durch die Pfannenschmiedsgasse zur Ziellinie unterwegs war. Damit er nach dem schweißtreibenden Wettkampf seinen Flüssigkeitsverlust ausgleichen konnte, folgte ihm Oberkellnerin Hermine Zeilmann mit mehreren Maß Bier, die natürlich auch anderen Wettkampfteilnehmern zugutekamen. © Eva Slevogt

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37/89 - „Hier sitzt Deutschlands schönster Mann!“ Mit frechen Sprüchen wie diesem animierte Bernhard Lück im Jahre 1990 Besucher der Fürther Kirchweih zur Teilnahme an seiner „Splash-Show“. Zunächst waren die Fürther nämlich noch etwas zögerlich, einen hilflos im beheizten Plexiglas-Kasten sitzenden Menschen einfach „abzuschießen“. Ein zielgenauer Treffer mit dem Ball auf eine rosa Scheibe ließ die Plattform, auf der der 32-jährige saß, nach unten klappen und beförderte ihn ins 36 Grad warme Wasser. Einen Preis gab es für erfolgreiche Werfer natürlich auch. © Knut Meyer

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38/89 - Ein Einweg-Kleid, das man nach dem Picknick, der Party oder dem Bummel einfach wegwerfen kann? Dieser Trend kam im April 1967 aus den USA nach Nürnberg geschwappt. Hauchdünne Minikleider aus Papier gab es nun für fünf Mark in den hiesigen Läden zu kaufen. Sie vertrugen einen Regenguss und konnten bis zu dreimal gewaschen werden. Änderungen konnte man selbst flink mit der Schere vornehmen. Nur beim Bücken oder Springen, sowie bei Umarmungen war Vorsicht geboten. Auch spitze Fingernägel oder Zigarettenglut konnten dazu führen, dass manches Kleid allzu schnell entsorgt werden musste. Man ahnt, warum die Mode sich nicht hielt. © Hans Kammler

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39/89 - „What is happening here?“, fragt Richard Wagner aus einer Kutsche, die über den von buntem Treiben belebten Tiergärtnertorplatz fährt. Der Kutscher: „Oh, today is Häns-Sächs-Day, the most important day of Nuremberg“. „Oh yes, the shoemaker and poet!“, ruft da Wagner, und wird sogleich zu den „Meistersingern von Nürnberg“ inspiriert. Wir befinden uns im Jahr 1954 bei den Dreharbeiten für den Hollywood-Film "Frauen um Richard Wagner". Hauptdarsteller Alan Badel blickt hier ernst aus der Kutsche, während ein Herr vom "Verein Nürnberger Büttnertanz" Regisseur William Dieterle (li.) die Kunst des Reifenschwingens erklärt. © Gertrud Gerardi

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40/89 - Eine unbekleidete Schaufensterpuppe sorgte 1970 in Nürnbergs Innenstadt für Aufsehen: Einige Passanten waren amüsiert und fragten „Wo ist das Fernsehen versteckt?“, andere warfen unverhohlene Blicke auf die Blondine aus Polyester, ein Herr gab ihr sogar einen Kuss auf die Lippen. Die Reaktionen reichten von Lachen bis hin zum Rufen der Polizei wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Zwei Redakteure der Nürnberger Nachrichten hatten die provokante Idee, die kühle Schönheit in der Fußgängerzone zu platzieren, um die Reaktionen auf die „nackten Tatsachen“ zu testen. Damals ließ der Anblick wohl kaum jemanden unberührt. © Volker Ranke

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41/89 - Auch das 140. Nürnberger Herbstvolksfest im Jahre 1966 lockte Tausende von Menschen aus weiten Teilen Frankens an, die sich amüsieren, Bratwürste essen und das eigens gebraute Festbier trinken wollten. Neben den üblichen Fahr- und Schaugeschäften waren auch Spielautomaten Teil des damaligen Angebots. Dauerhaft haben sie die noch heute anzutreffenden Losverkäufer nicht ersetzt, damals war der Knopfdruck am „Bon-omat“ jedoch eine beliebte und moderner anmutende Alternative für jene, die ihr Glück herausfordern wollten. Auch wenn nicht immer eine Gewinn-Nummer ausgegeben wurde, so war die Nachfrage offensichtlich groß. © Gertrud Gerardi

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42/89 - „Apollo 10 im Quelle-Markt gelandet“, hieß es im November 1970 in einer Anzeige in den NN. Die Kommandokapsel des Raumschiffes, das zur Generalprobe einer Mondlandung unterwegs gewesen war, wurde für ein paar Tage auf dem Quelle-Parkplatz in Nürnberg ausgestellt. Viele kamen, um das Gefährt zu sehen, mit dem drei Astronauten im Mai 1969 den Mond 31 mal umkreist und das Gebiet inspiziert hatten, in dem zwei Monate später Apollo 11 landen sollte. Auch Gustav Schickedanz (2. von li.) und Oberstaatsanwalt Hans Sachs (hinten re.) bestaunten die Kapsel, an der Beulen und verkohlte Stellen von der gefahrvollen Reise zeugten. © Rudolf Contino

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43/89 - „Nürnberger Lausbub Fernsehstar in Japan“ titelten die NN 1977 über den 12-jährigen Andreas Dirnberger. In der Serie „Kinder der Welt“, produziert für die japanische Fernsehgesellschaft TBS, sollte er Kindern in Japan zeigen, wie ein Junge seines Alters in Deutschland lebt. Um das Bild eines eisenbahnbegeisterten Nürnberger Buben zu vermitteln, ließ das Fernsehteam ihn im Verkehrsmuseum auf dem „Adler“, der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth, herumklettern und organisierte eine Modelleisenbahn-Anlage, mit der Andreas spielten sollte, da dieser keine hatte. So wurde er zum Eisenbahnfan – zumindest vor der Kamera. © Wilhelm Bauer

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44/89 - Anrührend retrofuturistisch mutet dieses Ensemble von Kugellautsprechern und Kopfhörern an, welches auf der von Grundig durchgeführten „Fachschau ‘74“ zu sehen war. Entsprechende Schauen fanden damals in 35 Städten statt, die HiFi-Branche erlebte in diesem Jahr, auch befördert durch den Weltmeisterschafts-Boom, einen spürbaren Aufschwung. Das Design der Elektronikprodukte folgte dabei konsequent dem Stil der damaligen Zeit. Die Dame mit dem Kassettenrekorder auf unserem Bild fügte sich mit ihrer modischen Frisur erstaunlich gut zwischen den durchaus eigenwillig gestalteten Kopfhörerständern ein. © Bernd-Jürgen Fischer

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45/89 - Am 18.9.1980 erreichte der „Anachronistische Zug“ das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Mit von der Partie war Hanne Hiob, die Tochter Bertolt Brechts, und sprach dessen antifaschistisches Gedicht „Der Anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy“ von der Tribüne. Es handelte sich um ein mobiles politisches Straßentheater, das als Protestaktion im Vorfeld der damaligen Bundestagswahl quer durch die BRD zog. "Freiheit statt Butter", so persiflierte man den Wahlslogan der Union "Freiheit statt Sozialismus". Konkret richtete sich der Protest u.a. gegen die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß. © Peter Vrbata

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46/89 - Prominenter Besuch auf der Spielwarenmesse 1980 in Nürnberg: Der beliebte Quizmaster Hans Rosenthal, der am 2. April 2025 100 Jahre alt geworden wäre, zog die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf sich, als er sein Quartettspiel „Dalli Klick“ vorstellte. Das Spiel lud zum Nachspielen seiner populären Fernsehshow „Dalli Dalli“ ein, in der bekannte Persönlichkeiten in unterhaltsamen Spielerunden gegeneinander antraten. Herausragende Leistungen honorierte er mit dem Ausruf „Das war spitze!“ und sprang dabei hoch in die Luft. Der Luftsprung wurde von der Regie eingefroren und entwickelte sich zu seinem Markenzeichen. © Reinhard Kemmether

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47/89 - Seniorensport im Jahre 1972: Im Julius-Bauer-Heim am Thoner Weg, welches später durch das Hephata Pflegezentrum in Schafhof ersetzt wurde, stand alles im Zeichen der Rehabilitation. Die Bewohner sollten wieder fit für einen selbstständigen Alltag gemacht werden. Hierfür verfügte das Haus über Bäder, Massagen und Bewegungstherapie-Angebote, auch die hier abgebildete Sprossenwand gehörte dazu. Zum Teil mit sichtlichem Spaß erklommen die betagten Sportler und Sportlerinnen das Holzgerüst. Auch ein Bierstüberl mit Kegelbahn sollte Aktivität und Wohlbefinden steigern, leider ist uns hierzu jedoch kein Bildmaterial überliefert. © Erich Guttenberger

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48/89 - „Moonlanding und Blaukraut“ war der Titel dieser pyrotechnischen Schau von Götz Schwörer. Am 23.6.1990 eröffnete er damit fulminant die Ausstellung „Zehnvorzweitausend“ der Künstlergruppe „Der Kreis“ auf dem Hauptmarkt in Nürnberg. Das Feuerspektakel untermalte ein Percussionist mit wildem Hämmern auf Alltagsmaterial wie Waschmaschinentrommeln und metallenen Kleiderständern. Als die Schwefelschwaden abgezogen waren, konnten die Zuschauer den Kunst-Parcours, der direkt zwischen den Marktständen aufgebaut war, erkunden. Zehn Tage lang sorgten die Skulpturen und Installationen zwischen Obst und Gemüse für Kontroversen. © Peter Vrbata

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49/89 - Ein besonderes Abenteuer erlebten große und kleine Eisenbahnfreunde in den 1980er Jahren im idyllischen Lehenhammer in Etzelwang nahe Hersbruck: die Lehentalbahn. Im Garten des früheren Wirtshauses Forellenhof tuckerte eine Mini-Dampflokomotive, die ihre Fahrgäste - rittlings auf Modellbahnen sitzend - durch eine 330 Meter lange Anlage auf einer 5-Zoll-Spur rund um den Forellenteich kutschierte. Umhüllt von Rauchschwaden drehten vor allem begeisterte Kinder nach Herzenslust eine oder mehrere Runden. Ein nostalgisches Vergnügen, das heute nur noch in der Erinnerung lebt, der Betrieb der Gartenbahn wurde 2001 eingestellt. © Thomas Geiger

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50/89 - Mit rot-weißen Fähnchen und greller Signalweste gingen Bahnübergangswärter Toni K. und sein Kollege als die letzten Vertreter ihres Berufsstandes in Nordbayern im Jahre 1989 noch ihrer Arbeit nach. An zwei Bahnübergängen in Zirndorf verrichteten die beiden ihren Dienst. Kam gerade kein Zug, so warteten sie in kleinen Containern neben den Gleisen auf ihren nächsten Einsatz. Beschaulich war dieser Beruf nicht, denn oft musste Toni sich vor unvermittelt um die schlecht einsehbare Kurve fahrenden Autos mit einem Sprung zur Seite retten. Im Jahr 1992 war mit dem Umbau der Bahnübergänge diese Tätigkeit in der Region Geschichte. © VNP/Archiv

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51/89 - Eine staunende Menge sammelte sich im Januar 1955 auf dem zugefrorenen Dutzendteich um einige Rhönrad-Turnerinnen. Diese trainierten für ein besonders ausgefeiltes Programm auf der rutschigen Eisfläche. Im selben Jahr berichtete unsere Zeitung, dass für den Erfinder des Rhönrades, Otto Feick, eine Spendenaktion gestartet sei. Die - nach seinem späteren Wohnsitz in der Rhön benannte - Erfindung hatte ihn nicht reich werden lassen. Vielmehr war Feick auf Fürsorgeunterstützung angewiesen. Sein unverdrossenes Lebensmotto lautete „Kämpfe, ringe – aber singe!“. Es steht zu befürchten, dass die erbarmenswert dünn gekleideten Turnerinnen zum Zeitpunkt der Aufnahme dagegen nur mit den Zähnen klappern konnten. © Leykauf

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52/89 - Kleine Helden im Einsatz: Im Jahr 1978 halfen die beiden 11-jährigen Freunde Michael Heller (links) und Stefan Schuster (Mitte) einen tödlichen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht aufzuklären. Die Polizei hatte die Bevölkerung über Bayern 3 um Hinweise nach dem flüchtigen Mercedes-Fahrer gebeten. Auf dem Weg zum Spielplatz entdeckten die beiden aufmerksamen Spürnasen einen beschädigten Mercedes. Sofort prägten sie sich das Kfz-Kennzeichen ein und benachrichtigten die Polizei, woraufhin der Unfallverursacher gefasst werden konnte. Als Dankeschön durften die beiden einen aufregenden Tag bei der Polizei verbringen. © Erich Guttenberger

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53/89 - Futuristisch mutete dieser Wartehäuschen-Prototyp bei der Bushaltestelle an der Nürnberger Ostendstraße an. Der optisch an ein Iglu erinnernde Unterstand nach einem Entwurf des Dänen Poul Cadovius entsprach der bisweilen eigenwilligen Formsprache der späten 1960er und 1970er Jahre. Auf einer im Inneren ringsum verlaufenden Bank sollten nach Erwartung der VAG acht bis zehn Personen Platz finden. Wegen seiner bis auf 1,9 Meter heruntergezogenen Dachkante war der Zugang für groß gewachsene Fahrgäste jedoch nur bedingt geeignet, wie unser Foto deutlich zeigt. © Wilhelm Bauer

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54/89 - Beim Eisfasching im Januar 1955 wird ein Mädchen mit einem Kostüm aus Zeitungspapier der Nürnberger Nachrichten von einer kleinen „Holländerin“ bestaunt. Wo heute das Einkaufszentrum Mercado in Nürnberg steht, war bis zum Jahr 2001 das Linde-Eisstadion. Jeden Mittwoch in der Faschingszeit durften Kinder dort kostümiert auf der Eisfläche herumsausen. Bei kleinen Wettbewerben, wie Eierlauf auf Schlittschuhen, konnten sie etwas Süßes gewinnen, und es gab natürlich auch eine Masken-Prämierung. Im Mittelpunkt des fröhlichen Treibens war stets ein Schlittschuhfahrer im Eisbärkostüm, gestellt vom Linde-Stadion selbst, der immer eine Schar Kinder an seinem zottigen Fell hinter sich herzog und sie geduldig auf seinem Rücken reiten ließ. © Mandelsloh

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55/89 - Welche Empfindungen der Anblick eines lebensgroßen menschlichen Skelettmodells auslösen kann, sieht man in den Gesichtern der Teilnehmer eines Lehrganges beim Bundesverband für Selbstschutz im Jahr 1975: Mit einer Mischung aus Unbehagen und Neugier betrachten und berühren Beamte der Deutschen Bundespost einzelne Knochen, um sich ein besseres Bild von der menschlichen Anatomie machen zu können. Die seinerzeit in der Allersberger Straße 99 ansässige Nürnberger Dienststelle hatte den gesetzlichen Auftrag, über Sanitätsdienst, Brand- und ABC-Schutz aufzuklären. In einem Faltblatt warb sie mit dem Slogan „Überleben können Sie erlernen“. © Erich Guttenberger

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56/89 - Wind und Wetter können bisweilen einer zuverlässigen Zeitungslieferung im Weg stehen. Dieses leidige Problem ist nicht neu, schon in den 1950er Jahren konnte es bei übermäßig harscher Witterung zu Schwierigkeiten bei der Zustellung kommen. Zum Glück hatte unser im Schnee steckengebliebener Zeitungsfahrer engagierte Helfer. Ob es seinerzeit gelang, ihn schnell aus seiner misslichen Lage zu befreien, entzieht sich unserer Kenntnis. Sein gleichmütig-resignierter Blick lässt jedoch erahnen, dass dies nicht sein erstes winterliches Erlebnis dieser Art war. © VNP

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57/89 - Dass Club-Spieler Slobodan Petrovic als „Slalomläufer“ geglänzt hatte und der 1. FCN ohne „Langläufer“ Dieter Nüssing unvorstellbar wäre, konnte man in den NN vom 29.1.1973 lesen. Es handelte sich nicht um den Bericht über einen Ski-Ausflug der damaligen Clubspieler, sondern über das Regionalliga-Spiel des 1. FCN gegen den VfR Heilbronn auf dem eingeschneiten Platz im Stadion Nürnberg. Bevor es los gehen konnte, mussten die schneebedeckten Begrenzungslinien des Spielfelds erst wieder zum Vorschein gebracht werden. Die Spieler warteten dies in ihren kurzen Hosen geduldig am Spielfeldrand ab. Auf mit Pappschnee bedecktem, vereistem Untergrund wurde schließlich das Spiel ausgetragen. Mit einem 3:0-Sieg erwärmte es die Herzen der Clubfans. © Hans Kammler

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58/89 - „Frau Lilo geht in die Luft“, titelten die Nürnberger Nachrichten im Februar 1957. Gemeint war die damals 34-jährige Lilo Köllisch, die als erste Frau in Nordbayern nach dem Krieg ihren Flugschein beim Aero-Club Nürnberg machte. In einer Piper mit 65-PS-Motor absolvierte sie nach nur 10 Flugstunden ihren ersten Alleinflug und startete damit in einer Männerdomäne durch. Entsprechend nervös zeigte sich ihr Fluglehrer, der offen zugab: „Einen Mann mit dem gleichen Leistungsstand hätte ich schon früher fliegen lassen.“ © Eckhard von Mandelsloh

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59/89 - Dass Museumsdirektoren als surreale Kunstwerke fungieren können, bewies im September 1981 im Rahmen der 29. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Nürnberg humorvoll der damalige Direktor der Kunsthalle, Curt Heigl. Während er sich mit dem zur Eröffnung angereisten damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens (links) unterhielt, stand er hinter einem spezialgeschliffenen gläsernen Ausstellungsobjekt des Künstlers Victor Bonato. Schon 1968 hatte der Deutsche Künstlerbund zuvor mit seiner Jahresausstellung einmal Nürnberg beehrt. Damals hatte Joseph Beuys für Irritation gesorgt, als er im Künstlerhaus die Installationen „Fettecke“ und „Luftpumpen mit Fett“ zeigte. Bei der Ausstellung im Jahr 1981 ging es deutlich fettärmer zu. © Rudolf Contino

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60/89 - In Zeiten digitaler Musikplattformen mag es anachronistisch erscheinen, in den wenigen verbliebenen Plattenläden ist es jedoch auch heute oft noch möglich, vor dem Kauf in das Objekt der Begierde hineinzuhören. Genau so war es auch schon im Jahre 1966, mit dem Unterschied allerdings, dass sich dieses Angebot damals noch an die breite Bevölkerung und nicht nur an die selten gewordenen Liebhaber analoger Tonträger richtete. Statt eines Stereokopfhörers stand für die Hörprobe damals eine Art Telefonhörer ohne Sprechmuschel zur Verfügung, die Dame auf unserem Foto scheint gegenüber dem gebotenen Klangerlebnis allerdings etwas skeptisch gewesen zu sein. © Friedl Ulrich

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61/89 - In banger Erwartung einer kalten Dusche saß Helmut Schmidt im Februar 1966 inmitten des närrischen Treibens auf dem Hauptmarkt. Der bekannte Humorist Herbert Hisel ließ als Faschingsprinz Herbertla I. mit einer Gießkanne „Weisheit“ in den roten Trichter fließen. Zum ersten Mal wurde die höchste Nürnberger Faschingsauszeichnung verliehen: der Goldene Nürnberger Trichter. In Vertretung für seinen erkrankten Parteigenossen Fritz Erler nahm der damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Helmut Schmidt die Eintrichterung entgegen. Als späterer Bundeskanzler wurde er selbst sehr einflussreich. © Horst Eißner

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62/89 - Die Darbietung dieses verspielten Mini-Crash-Tests sollte im Oktober 1974 die Gurtmuffel Nürnbergs eines Besseren belehren. Seit dem 1. Januar jenes Jahres mussten alle in der BRD neu zugelassenen Pkws mit Dreipunktegurten für die Vordersitze ausgestattet sein. Das Verkehrsministerium startete eine Kampagne, um vom Sinn des Gurts zu überzeugen. Ihr sperriger Slogan "Erst gurten - dann starten" wurde nach kurzer Zeit mit "Erst gurten - dann spurten" in geschmeidige Reimform gebracht. Trotz aller Bemühungen blieb der Spurt ohne Gurt aber weit verbreitet. 1976 wurde das Anschnallen auf den Vordersitzen Pflicht, auf den Rücksitzen erst 1984. Ebenfalls 1984 erfolgte ein Bußgelderlass, der für deutlich mehr Klicks vor der Abfahrt sorgte. © Rudolf Contino

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63/89 - Starke Nerven und eine gehörige Portion Mut bewiesen im September 1974 zwanzig Zuschauer aus dem Publikum, die sich freiwillig zur Verfügung stellten, um Teil der spektakulären Autorodeo-Show der Maatz Brothers zu werden. In einer Reihe auf dem Boden des Zeppelinfeldes liegend, erlebten sie hautnah, wie ein Artist der Maatz Brothers auf einem Motorrad zu einem gekonnten Sprung ansetzte und über ihre Köpfe hinwegflog. Um die Spannung und den Nervenkitzel noch weiter zu erhöhen, sprang der Stuntman in einem zweiten Durchgang sogar über 40 Personen. © Peter Vrbata

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64/89 - „Füttern verboten“ – Was für die Bewohner des Nürnberger Tiergartens gilt, traf so im April des Jahres 1970 auch für den damaligen 2. Bürgermeister Franz Haas (rechts) zu, der - zusammen mit Tiergarten-Assistent Dr. Manfred Kraus - seine kurzzeitige Rolle als Attraktion im neu eingerichteten Freigehege der Gibbons unerwartet ausdrucksstark verkörperte. Die zum Ende des Vorjahres in schlechtem Zustand aus Ostasien eingetroffenen Affen wurden noch in einer eigenen Quarantänestation des Tiergartens liebevoll aufgepäppelt. Bevor sie in ihr neues Domizil übersiedelten, ließ es sich Franz Haas nicht nehmen, sie zu besuchen und einige Bananen zu verteilen. © Graser

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65/89 - Unter der Überschrift „Ein kleiner Himmel aus Beton“ berichteten die Nürnberger Nachrichten im Juli 1960 vom Bau des Planetariums am Nürnberger Plärrer. 64 hohe Betonrippen wurden zu einer Halbkugel von 20 Meter Durchmesser zusammengefügt. Der hier bäuchlings auf dem höchsten Punkt der Kuppel liegende Arbeiter sah wohl ebenso ehrfürchtig in die Tiefe, wie später die wissbegierigen Sternengucker nach oben in Richtung des künstlichen Firmaments. Am 11. Dezember 1961 war Eröffnung. Doch erst im Jahr 1973, anlässlich des 500. Geburtstages des berühmten Astronomen, wurde das Planetarium nach Nikolaus Kopernikus benannt. © Gertrud Gerardi

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66/89 - „Liebe Leute, Euch zur Freude, wollen wir den Zunfttanz Euch bescheren“, so leitete ein junger Bäcker im Jahr 1950 anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt Nürnberg den Tanz der Bäckerzunft ein. Vor der Kulisse der Nürnberger Kongresshalle präsentierten sich vierzehn Bäckerpaare einem zahlreich erschienenen Publikum. Die Bäckerjungen in weißen Jacken und Bäckerkappen, mit Brotschiebern in der Hand, und die Mädchen in bunter Tracht zeigten einstudierte Tänze. 26 Jahre vorher im Jahr 1924 wurden diese das erste und einzige Mal bei einer Fachausstellung der Bäcker in Nürnberg aufgeführt und nun eigens für das Stadtjubiläum wiederbelebt © Gertrud Gerardi

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67/89 - Wer bereits Mitte der 1960er Jahre glücklicher Besitzer eines Telefons war, und eine Telefonnummer benötigte, landete unter Umständen bei dieser hilfsbereiten Telefonistin an ihrem Arbeitsplatz im Fernmeldeamt 1 in der Karolinenstraße in Nürnberg. 8000 Anfragen gingen seinerzeit werktäglich bei der Telefonauskunft ein. In kürzester Zeit galt es – quasi im Handumdrehen – die gesuchte Telefonnummer in der sogenannten Drehauskunft zu finden, die die einzelnen Seiten des damaligen Amtlichen Fernsprechbuches enthielt. Um unvermeidliche Wartezeiten zu verkürzen, wurde deshalb 1967 auf Mikrofilmtechnik umgestellt. © Friedl Ulrich

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68/89 - Ein hoher Besuch aus der zeitgenössischen Kunstwelt beehrte Nürnberg im Oktober 1985. Die Kaiser-Galerie, damals gelegen in der Kaiserstraße 8, zeigte ältere druckgraphische Blätter und 21 neue Gemälde und Handzeichnungen von Ernst Fuchs, seines Zeichens bekanntester Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Für unseren Fotografen posierte der exzentrische Künstler selbstironisch vor seinem eigenen Konterfei. Die Kappen, welche der sich barock gebende Malerfürst stets trug, gestaltete er selbst. © Rainer Fechter

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69/89 - Wie ein Geschenk des Himmels betrachtete der Verkehrspolizist am Plärrer den Polizei-Wasserwerfer, der im Juli 1957 bei Temperaturen bis zu 38 Grad im Schatten eine erfrischende Dusche in seine Richtung schickte. Um den glühend heißen Asphalt etwas abzukühlen, drehte der Wasserwerfer der Polizei im Abstand von einer halben Stunde Runden um die Verkehrskanzel des schwitzenden Kollegen, bespritzte die dampfende Straße - und nebenbei auch ihn selbst ein wenig - mit wohltuend kühlem Nass. © Friedl Ulrich

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70/89 - Nicht das Lager eines Trödlers sehen wir hier, sondern einen Raum in der Desinfektionsanstalt von Nürnberg, in dem Kunst und Krempel in den 70er Jahren vom Holzwurm befreit wurden. Die Zeiten als hier gefährliche Krankheitserreger bekämpft werden mussten, als Krankheiten wie Tuberkulose und Cholera in der Stadt wüteten, waren zum Glück längst vorbei. Da Desinfektion als Mittel gegen die Übertragung erkannt worden war, eröffnete 1884 die Anstalt, in der Gegenstände Infizierter keimfrei gemacht wurden. Dank allgemein zunehmender Hygiene wurde sie im Lauf der Jahre überflüssig und stellte 1976 den Betrieb ein. Das Stadtteilzentrum Desi zog bald darauf in das Gebäude in der Brückenstraße und bereichert dort seither Nürnbergs Kulturlandschaft. © Wilhelm Bauer

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71/89 - Einer ungewöhnlichen Tätigkeit ging Lina Walz im Jahre 1961 nach. Mit viel Elan, Wasser und Schaum sorgte sie dafür, dass die damals 400 Postkästen der Stadt funkelten und blitzten. Als Briefkastenputzerin legte die 52-jährige Solnhoferin dabei jeden Tag nach einem vorgegebenen Fahrplan rund 20 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Im Verlauf von jeweils zwei Monaten befreite sie so alle 400 Briefkästen in der Stadt von Taubendreck, Fingerabdrücken, Kritzeleien und ähnlichem, dann begann ihre Tour wieder von vorne. Dies alles von Hand und mit Muskelkraft zu meistern, mutet heute etwas kurios an, für „die Walzi“, wie man sie liebevoll nannte, war es der normale Alltag. © Gertrud Gerardi

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72/89 - Wer schön sein will, muss leiden, umso mehr, wenn ein Friseurbesuch in der Hitze des Sommers ansteht. Ein erfindungsreicher Figaro aus Fürth verlegte deshalb kurzerhand im Jahre 1963 seinen Salon ins Freie und verschönerte mit Schere, Kamm und Lockenwicklern seine Kundinnen „open-air“. Abgeschirmt von neugierigen Blicken freuten sich die Damen mit frisch eingedrehten Haaren bei Radiomusik und entspannender Lektüre, wenn sie neben der heißen Fön-Luft auch eine kühle Brise unter die Trockenhaube bekamen. © Knut Meyer

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73/89 - Wie eine fliegende Untertasse aus einem Retro-Science-Fiction-Film mutet aus heutiger Sicht diese Straßenlaterne an. Sie wurde im August 1966 in Nürnberg auf einen 14 Meter hohen Mast gesetzt. Unser damaliger Reporter zeigte sich vom Mut der Arbeiter beeindruckt. Hier ein Auszug aus seinem Artikel: „Die Handwerker zwischen Himmel und Erde werden nicht gefeiert wie Artisten auf dem Drahtseil. Es wird diesen Männern kaum bewusst, dass ihr Leben oft nur an einem dünnen Seil hängt. Nur beim Anblick ihres Lohnstreifens erinnern sie sich an das Vabanquespiel, wenn sie die Rubrik „Gefahrenzulage“ überfliegen.“ © Horst Eißner

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74/89 - Wir schreiben das Jahr 1954 und befinden uns bei der vierten „Photo- und Kino-Ausstellung“, der „photokina“ in Köln. 176.000 Besucher wurden registriert, über 400 Firmen zeigten ihre neuen Entwicklungen. Interessenten, Aussteller und Importeure aus vielen Ländern fanden sich ein. Doch auch einige Nürnberger Firmen waren dabei. Auf unserem Bild bewundern einige Jungen verzückt die Photina Reflex-Kamera und die Photavit Kleinbildkamera aus den Bolta-Werken in Nürnberg. In ihre Gesichter, von denen es damals noch keine Selfies gab, steht die pure Begeisterung geschrieben. © Friedl Ulrich

75 / 89
75/89 - Zu Tisch bitte, hieß es für 56 Austauschschülerinnen und -schüler aus Glasgow und Nizza, die im August 1965 zu Gast in Nürnberg waren. Auf ovalen Platten wurden Schinken und Ananas, mit Käse überbacken, auf Toast serviert, den die „Jung-Europäer mehr begehrten, als Eisbein, Kraut und Kniedla“, wie es seinerzeit in unserer Berichterstattung hieß. Für die hier abgebildeten jungen Menschen schien der Anblick von Toast Hawaii jedoch eher ein kulinarischer Schreckmoment gewesen zu sein. © Gertrud Gerardi

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76/89 - „Ich bin so fertig, ich kann's gar nicht sagen.“, so eine Passantin im August 1972 zu einem Vertreter unserer Zeitung. Sie hatte in Nürnberg vor einem Cabrio die Straße überquert, dessen Fahrer sein Gesicht komplett hinter einer schwarzen Maske verbarg. Es war der Magier Roland Besendorfer aus Fürth, der mit seinen Geschwistern Elke und Elmar eine „Blindfahrt unter Hypnose“ darbot. Peter Frankenfeld, Moderator der Sendung „Und Ihr Steckenpferd?“, hatte ein Drehteam geschickt, um das Trio dabei auf Film zu bannen. Vor vielen Zuschauern hypnotisierte Elmar am Hauptmarkt den Bruder und verband ihm die Augen. Elke gab danach via Gedankenübertragung Befehle an den blind Fahrenden, der so eine große Runde durch die Nürnberger Innenstadt drehte. © Erich Guttenberger

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77/89 - In Kunstbetrachtung versunken: Einen Moment der Muße gönnen sich zwei Raumpflegerinnen auf unserem Motiv aus dem Jahre 1975, welches seinerzeit unter dem Titel "Kunstpflege" erschienen ist. Ihre geblümten Arbeitskittel bilden einen reizvollen Kontrast zu den ausgestellten abstrakten Kunstwerken. Um welche Ausstellung es sich handelt, ist leider nicht bekannt. © Rainer Fechter

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78/89 - Als man in der Pegnitz noch schwimmen durfte: Bei frühsommerlichen 23 Grad läuteten diese beiden Nixen in ihren modischen Badekappen in der Pegnitz nahe der Wöhrder Wiese die Badesaison ein und genehmigten sich ein Ballspiel in den kühlen Fluten. Auch die städtischen Schwimmbäder waren zu diesem Zeitpunkt im Jahre 1954 bereits gut gefüllt und sind es im Sommer bis heute, das Flussbaden ist in Nürnberg legal leider nicht mehr möglich. © Gertrud Gerardi

79 / 89
79/89 - Heimliche Wünsche einiger Nürnberger Stadträte erfüllten sich 1965 in der Halle des SC 04 Maxvorstadt. An diesem Ort konnten sich die Parteien wöchentlich wie im Flug übereinander hinwegsetzen, wenn auch nur beim Bocksprung. Auf unserem Bild hüpft gerade CSU-Stadtrat Georg Holzbauer über SPD-Stadtrat Rolph Mader. Über alle feindlichen Lager hinweg hatte sich ein kleiner Frühsport-Club gebildet, der jeden Dienstag um 7:30 Uhr auf das Kommando eines Turnlehrers in Schwung gebracht wurde. Vier Wochen trainierten die Stadtväter heimlich, ehe sie sich zum ersten Mal bei ihrer Frühgymnastik von Vertretern der Presse zuschauen und fotografieren ließen. © Friedl Ulrich

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80/89 - Wer hoch hinaus will, braucht gelegentlich eine Leiter. Aus einem reichhaltigen Fundus an gut sortierten Holzleitern könnte sich dieser ordnungsliebende Lagerist, wie unser Foto aus dem Jahr 1982 zeigt, durchaus bedienen, um einen Nagel in die Wand zu schlagen. Allerdings schien ihm die Benutzung einer Leiter wohl nicht das geeignete Mittel der Wahl gewesen zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass sein waghalsiger Balance-Akt auf dem Stuhl keinen Fehltritt zur Folge hatte. © Rainer Fechter

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81/89 - Trockenen Fußes über den Dutzendteich: Im Rahmen der IENA 1981 führte der Nürnberger Ernst Zeitler sein Wasserfahrrad vor. Mittels Pedalbetrieb wurde die Antriebsschraube in Schwung gehalten, das Vorderrad war mit einem Ruder verbunden. Leider schaffte es diese sympathische Erfindung nicht in die Serienfertigung, ein Hingucker war dieses außergewöhnliche Fortbewegungsmittel aber allemal. © Reinhard Kemmether

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82/89 - Für Aufsehen und Gesprächsstoff sorgte im Dezember 1979 die 2,44 m große Bronzeplastik „Großer Totemkopf“ des berühmten Bildhauers Henry Moore nach ihrer Enthüllung in der Karolinenstraße unweit der Lorenzkirche. Die Karstadt AG hatte die abstrakte Skulptur für 400 000 DM gekauft und der Stadt Nürnberg geschenkt. Die Meinungen waren geteilt. „Ohr zur Welt“, „Kaffeebohne“ oder „Knoblauchzehe“, so lauteten einige der Assoziationen der Betrachtenden auf Nachfrage unseres Redakteurs. Unser Foto zeigt die Rückseite der Plastik, die auch heute noch an dieser Stelle zu finden ist. © Hagen Gerullis

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83/89 - „I'm swimming in the rain!“ konnten Badegäste im Hallenbad in Stadeln aus gegebenem Anlass eine Weile lang singen, denn es regnete durch das Dach hinein. An dem erst im Jahr 1973 eröffneten Bad mussten bereits 1977 Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Auf unserem Archivbild sieht man nicht etwa die Schirmherren des Schwimmbades, sondern einige Badegäste, die bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung trockenen Humor bewiesen. © Knut Meyer

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84/89 - Von Dampf umhüllt, so lichtete unsere Fotografin im Februar 1963 diese archaisch anmutende alte Lokomotive ab, die in dieser dramatischen Einstellung an „The General“ aus dem gleichnamigen Buster Keaton – Film erinnert. In Ermangelung eines vorne an der Lok angebrachten Kuhfängers hat der Herr im Vordergrund seinerzeit jedoch glücklicherweise darauf verzichtet, die Stunts des Stummfilmstars nachzuahmen. © Gertrud Gerardi

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85/89 - Man konnte ihn um seinen Job beneiden: Im Rahmen einer öffentlichkeitswirksamen Werbeaktion verbrachte der Student Jörg Tropp im März des Jahres 1988 fünf Tage und Nächte in einem ergonomisch geformten „Naturbett“ im Schaufenster eines Möbelgeschäftes in der Peter-Vischer-Straße 21. Täglich um 10 Uhr stand er jedoch zur Morgengymnastik auf, zu welcher auch die Schaulustigen vor dem Fenster eingeladen waren. Das Bett im Wert von 1890 DM wurde nach diesem Dauerbelastungstest zugunsten des Bundes Naturschutz versteigert. In den wachen Stunden neben der Morgengymnastik bereitete sich der Marathon-Schläfer auf seine Semesterprüfungen vor. Wie viele Betten während seiner 120stündigen Ruhephase verkauft wurden, ist uns leider nicht überliefert. © Rudolf Contino

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86/89 - Eine äußerst ungewöhnliche Konzertbühne hatte sich am 23.02.1966 die Beat-Band „Jonah and the Whales“ (aus der später die Band „Ihre Kinder“ hervorgehen sollte) in der Nürnberger Altsstadt gesucht. Die Band kletterte durch die Fenster auf das ungesicherte Vordach des Geschäftes Photo Porst in der Karolinenstrasse 3 und legte los, sehr zur Begeisterung des, bedingt durch die Karnevalszeit, reichlich auf der Straße vorhandenen Publikums. Auch ein Fotograf traute sich damals mit auf das Dach, neben ihm sieht man von links Sonny Hennig, Wuffel Stumm, Roland Multhaupt am Schlagzeug im Fenster, Günter Gast und Ernst Schultz. Der damalige Band-Manager Jonas Porst hat es leider nicht auf unser Bild geschafft. © Gertrud Gerardi

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87/89 - „Und du?“ Diese Frage bekam gestellt, wer sich zahllose Portraits unbekannter europäischer Frauen und Männer in einem der Waggons des „Europa-Zuges“ ansah, der im Mai 1951 Halt am fahnengeschmückten Nürnberger Hauptbahnhof machte. In weiteren sechs – von MAN in Nürnberg gebauten - Waggons warb der Europa-Zug für den Marshall-Plan, die „Zusammenarbeit der Völker für wirtschaftlichen Wiederaufbau, für Frieden und Freiheit“ und nicht zuletzt dafür, ein Gefühl der Gemeinschaft in Europa zu entwickeln. General Bixby (links) und District Officer Harald T. Lund (Mitte) betrachten die rundum angebrachten Exponate mit interessierter Miene. © Gertrud Gerardi

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88/89 - Darf ich in der Öffentlichkeit rauchen, und wenn ja, wo? Fragen dieser Art beschäftigen uns auch heute wieder. Nein, es geht an dieser Stelle nicht um das Thema Cannabis-Legalisierung, sondern um die Frage, ob Rauchen in der Straßenbahn erlaubt bleiben oder verboten werden sollte. Darüber wurde in Nürnberg im April 1961 hitzig diskutiert und mit großer Wahlbeteiligung abgestimmt. Die kleinen gelben Stimmzettel konnten von den Fahrgästen direkt in den Straßenbahnen ergattert, und in Sammelkästen an den Haltestellen eingeworfen werden. Am Ende der Abstimmfrist zählten zehn Schaffner und zwei Schaffnerinnen ein deutliches Ergebnis aus, das für dunkle Wolken am Raucherhimmel sorgte: 71.000 befürworteten ein Rauchverbot, 15.000 waren dagegen. © Gertrud Gerardi

89 / 89
89/89 - Stellen Sie sich vor, Sie wollen Kaffee kochen, aber es fehlen Ihnen die dazu nötigen Utensilien. In den sechziger Jahren war das mancherorts kein Problem, denn man konnte sich für fünf DM rund um die Uhr einen Kaffeefilter-to-go aus Porzellan aus einem Automaten mit Haushaltswaren holen. Im Fach darunter gab es auch einen Topf zu kaufen, falls man vergessen hatte, sich rechtzeitig bei Ladenöffnungszeiten einen zuzulegen. Automatenläden sind auch heute wieder in Mode, doch dort sind nicht Dinge wie Braukessel, sondern Getränke, die man sofort genießen kann, die Verkaufsschlager. © Hilde Stümpel