
1,5 Grad. Dieses Ziel hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Erwärmt sich die Erde um mehr als eben diese 1,5 Grad Celsius, droht die Klimakatastrophe. Wenn die Weltklimakonferenz in Dubai zusammentritt, wissen eigentlich alle dort versammelten Experten, dass die angepeilte Wegmarke längst unerreichbar ist.
In Deutschland sind die Temperaturen im Durchschnitt bereits um 1,2 Grad gestiegen. Lediglich ein Stopp fast aller Emissionen könnte das Ziel noch erreichbar machen - damit ist aber definitiv nicht zu rechnen.
Ziele müssen erreichbar sein - die 1,5-Grad-Marke ist es nicht mehr
Ziele müssen erreichbar sein. Weshalb eine der Erwartungen an Dubai eine neue Wegmarke sein sollte. Wem bringt es etwas, ständig eine nicht realisierbare Zahl vor Augen zu haben? Klar, eine Neudefinition käme einer Niederlage gleich. Doch machen wir uns nichts vor: Den Kampf um einen Erhalt unserer Umwelt in der vertrauten Form haben die Menschen längst verloren. Wasserknappheit, Extremwetter - seit langem gleiten wir in eine neue Phase. Etliche Kipppunkte stehen unmittelbar bevor.
Ein Grund zum Verzweifeln? Nein, zumal all die berechtigte Empörung leider nichts an den Tatsachen ändert. Eher ein Grund, um endlich konsequent global umzudenken. Dubai kann dabei wichtige Impulse setzen. Wenn es zum Beispiel gelänge, die Milliardentransfers von reichen Ländern in den Süden an konkrete Auflagen zu binden, wie dies Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), fordert.
Muss Deutschland den Automausstieg rückgängig machen?
Die Klimafinanzierung umzudefinieren, dürfte der deutschen Delegation in Dubai leichtfallen. Anders sieht es da schon mit dem Vorschlag des Chefs der Weltwetterorganisation (WMO), Petteri Taalas, aus: Er empfiehlt Deutschland, den Atomausstieg zu überdenken. Warum? Weil diese Technologie - rein unter Klimaaspekten betrachtet - sinnvoll sein kann.
Es wird in Dubai also auch für Deutschland unbequeme Debatten geben. Am Ende wird der Erfolg dieser Veranstaltung sich daran messen lassen müssen, ob der kleinste gemeinsame Nenner aller beteiligten Staaten groß genug ist, um überhaupt eine positive Änderung herbeizuführen.
In der Vergangenheit war dies selten der Fall. Leider, auch das muss in aller Offenheit eingeräumt werden, haben sich die Vorzeichen für konsequenten Klimaschutz seit dem letzten Zusammentreffen im ägyptischen Scharm El-Scheich signifikant verschlechtert: Überall dort, wo Kriege geführt werden, bleibt Umweltschutz komplett auf der Strecke. Und die Zahl der Konfliktherde steigt unaufhörlich.
Schwierige Zeiten, um den nächsten Generationen das zu hinterlassen, was das Mindeste wäre: eine Lebensgrundlage mit Zukunftsperspektive. Trotz aller Widrigkeiten darf an dieser Zielsetzung - anders als an der 1,5-Grad-Marke - nichts verändert werden.



1 Kommentar
Phileas
Kein Grund zum Verzweifeln und zu Panikmache schon gleich gar nicht. Es gab auf unserer Erde niemals eine Zeit ohne Klimawandel. Ist also nichts Neues. Neu ist nur, dass man sich heute einbildet etwas dagegen tun zu können und das können wir eben nicht. Die momentane Erwärmung ist, im Vergleich zu vergangenen Erwärmungsphasen sogar sehr gering. Da wird meist so ab 1850 gerechnet und da habe ich schon von Temperaturanstiegen seitdem (in diesen gut 170 Jahren) von 0,8 bis 1,5 Grad alles gelesen. Neulich sogar eine Angabe von 1,09 Grad. Also auf ein hundertstel Grad genau, von einer Temperatur von 1850 aus, von der selbst Klimaexperten sagen, dass die niemand genau weiß.
Aber egal, ob 0,8 oder auch 1,5 Grad da hatten wir schon mal, im Präboreal, so 6 Grad in runden 30 Jahren. Dagegen ist der momentane Anstieg nun wirklich kaum erwähnenswert. Wie haben wir, die Menschheit, das damals nur überlebt?
Ganz einfach sich etwas mit Klimageschichte befassen und man kann sich ruhig zurücklehnen.
28.11.2023 08:29 Uhr