Nürnberg - Sollten historische Gemälde, die nackte Frauen zeigen, aus den Ausstellungsräumen verbannt werden? Diese Debatte sorgte im Zuge von MeToo um 2018 für Aufregung in der Museumswelt. Doch die ist daran gewachsen. Ein Kommentar.
02.11.2023 18:59 Uhr

Von Hysterie und einem Angriff auf die Kunstfreiheit war zu lesen, als die Woge der MeToo-Debatte auf die Kunstwelt traf. Die Frage, ob man Werke abhängen dürfe, weil sie als sexistisch empfunden werden, sorgte für wutschäumende Feuilletonisten und Direktoren. Schon richtig: Wer Kunst ihrem historischen Kontext entzieht, begibt sich aufs Glatteis. Und dennoch ist ein solcher Diskurs gut und wichtig: Viele Museen haben sich inzwischen der Thematik konstruktiv angenommen.

"Susanna. Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo", hieß eine Schau, die in Köln zu sehen war. In der Hamburger Kunsthalle wurde fast gleichzeitig das Bild der "Femme fatale" als männliches Konstrukt aufgearbeitet. Besucherinnen und Besucher fanden dort nicht nur historischen Kontext, sondern auch feministische Positionen zu den Werken vor. Damit bewies die Kunsthalle Mut zum Loslassen ihrer Deutungshoheit.

Solche kreativen Konzepte beweisen, dass hitzige Debatten konstruktiv angegangen werden können. Das Bild der Frau als sexualisiertes Objekt ist schließlich genau da, wo es hingehört: Im Museum.