
In der Serie „Lieblingsstücke aus unserem Museum“ berichtet der Förderverein des Schwabacher Stadtmuseums aus der Urzelle der Einrichtung.
Denn wenn man durchs Haus wandert, gelangt man im ersten Stock in den grünen Trakt, die vogelkundliche Eiersammlung. Hinten rechts empfängt einen dann das Gezwitscher von Vögeln. Hier steht man im „Museum im Museum“, der Urzelle quasi.
Nadelfabrikant und Naturschützer
Diese ersten Sammlungen entstammen der Naturliebe Carl Wengleins, eines Nadelfabrikanten in den 1920er Jahre. Sein großes Hobby war der Natur- und Vogelschutz. Wenglein sammelte Vogeleier aus aller Welt (aber vor allem der Heimat) sowie Vogelnester, Gewölle, Hexeneier und manches mehr aus der Natur. 1928 ließ er einen Vogelschutzpfad errichten, aus dem die heutige Vogelschutzanlage in der Walpersdorfer Straße hervorging. 1932 kaufte er am Rande der Hersbrucker Schweiz ein Gelände, das heute noch ein gern besuchter Park ist, der Wengleinpark bei Eschenbach.
„Weltbund“ initiiert
Äußerst weitsichtig initiierte Wenglein die erste weltumspannende Naturschutzorganisation, den „Weltbund für Natur- und Vogelfreunde“. Er erkannte schon vor 100 Jahren, dass Naturschutz nicht an Ländergrenzen aufhören darf. Seine Ziele waren die Schaffung einheitlicher Natur- und Vogelschutzgesetze, das Verbot von Tierquälerei und die Errichtung eines flächendeckenden Netzes von Refugien zum Schutz und Erhalt der Flora wie Fauna.
Zivilisationsmüll inklusive
Doch zurück zum „Museum im Museum“: In den betagten Original-Vitrinen finden sich viele verschiedene Vogelnester und -eier. Die Nester sind alt, das wird deutlich, wenn man ein aktuelles Exemplar anschaut, in das nicht nur Zweige und andere Naturmaterialien verwoben sind, sondern sich auch zivilisatorischer Müll wie Bindfäden oder Plastikfolien wiederfindet.
Dieser Museumsteil und ein kleines Nest liegen Antje Boas besonders am Herzen: Im Unterricht fotografierten vor ein paar Jahren zwei Schülerinnen eines der Nester zum Thema „Heimat“. Die Mädchen montierten mit Hilfe der Bildbearbeitung sich selbst, verkleinert, in anschmiegsamer Pose in dieses Nest hinein. Das Nest sollte ihnen - zumindst symbolisch - Schutz und Geborgenheit bieten, so wie es auch der Vogelfamilie beim fürsorglichen Aufziehen der kleinen Vogelküken Heimat geboten hatte.
Wer ebenfalls ein besonderes Ausstellungsstück für sich im Museum entdeckt hat, kann dies gerne mit Bild und ein paar Zeilen dem Förderverein Stadtmuseum unter info@museumsverein-schwabach.de mitteilen.
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