
Den feierlichen Rahmen im historischen Klosterchor nutzte Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel, um das bis heute andauernde Engagement von Anni Seiler hervorzugeben. "Arbeiten und Mitdenken für andere" habe das politische und gesellschaftliche Leben der Jubilarin bestimmt. Ihr Einsatz für die Schwächeren in unserer Gesellschaft und den im Leben nicht mit allen Segnungen bedachten Menschen sei von "Güte und Barmherzigkeit" geprägt gewesen, so der Bürgermeister.
Keine Selbstverständlichkeit
In seiner Laudatio erinnerte SPD-Bundestagsabgeordneter Carsten Träger daran, dass in Zeiten, als Anni Seiler in den Kreistag und Stadtrat gewählt wurde, dies keineswegs selbstverständlich für eine Frau war. Bei ihrem Einzug in den Stadtrat 1984 war Anni Seiler die erste sozialdemokratische Frau im Gremium und insgesamt erst die zweite Frau, die dem Stadtrat angehörte.
"Du bist eine Pionierin, die dazu beigetragen hat, gesellschaftliche Verkrustungen aufzubrechen", konstatierte Träger. Heute sei es kaum mehr vorstellbar, welche Widerstände Frauen überwinden mussten, um in der Politik (und nicht nur dort) ernst genommen zu werden. Bemerkenswert sei zudem ihr Talent gewesen, über Parteigrenzen hinweg zu wirken. Der beeindruckende Reigen von früheren Stadträten, Ortssprechern oder Kreisräten, der sich zu der Ehrung eingefunden hatte, sei ein beeindruckender Beleg dafür.
Im Dienste der Allgemeinheit
Carsten Träger machte aber auch deutlich, dass heute die Eigenschaften, die Anni Seiler auszeichnen, mehr denn je gefragt seien. "Zusammenhalt und die Bereitschaft, sich für die Allgemeinheit einzusetzen", sagte Träger, sind mehr wichtiger, als nur laut zu schreien, wie es derzeit aus der rechtsextremen und rechtpopulistischen Ecke schallt. "Diese Töne bekommen leider momentan mehr Aufmerksamkeit als jene Menschen, die nach Lösungen suchen und Mitmenschlichkeit vorleben", sagte Träger.
Landkreisweites Netzwerk
SPD-Ortsvereinsvorsitzender Matthias Oberth erinnerte im Schnelldurchlauf an eine Reihe von Meilensteinen, die dazu beitrugen, dass Anni Seiler in Bad Windsheim nach wir vor präsent ist. Dazu gehört eben auch, dass sie sich weiterhin gerne mal beim Bürgermeister oder ihrer SPD vehement zu Wort meldet, wenn ihr ein Thema auf dem Herzen brennt. Dazu kommt der Stammtisch der Alt-Stadträte, den sie organisiert und dort das "wahrscheinlich größte politische Netzwerk des gesamten Landkreises zusammenkommt", wie Oberth süffisant anmerkte.
Dekoriert mit der Willy-Brandt-Medaille, der höchsten Auszeichnung, die die SPD einem Mitglied verleihen kann, führte Anni Seiler anschließend noch viele Gespräche mit den Gratulanten, bei denen es – wie sollte es anders sein – um die Politik im Großen und im Kleinen ging.


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