Erlangen - Die Erlanger Bezirksrätin Gisela Niclas hat sich schriftlich an Oberbürgermeister Florian Janik gewandt und angeregt, zusammen mit der Friedrich-Alexander-Universität einen offiziellen Erlanger Gedenktag für die Opfer der NS-Krankenmorde festzulegen.
20.12.2022 11:00 Uhr

Angeregt zu diesem Vorschlag wurde die langjährige Erlanger Stadträtin und seit 2008 amtierende Bezirksrätin Gisela Niclas bei einer Veranstaltung im Kreuz+Quer in Erlangen. Hier hatte sie unlängst über das Zusammenwirken des Bezirks Mittelfranken und der Stadt Erlangen bei der Errichtung des Gedenk- und Zukunftsortes auf dem Gelände der ehemaligen Heil- und Pfleganstalt („Hupfla“) referiert.

An diesem Abend war aus dem sehr interessierten Kreis der Besucherinnen und Besucher bereits während der Veranstaltung, aber vor allem in zahlreichen Einzelgesprächen danach der Wunsch nach der Schaffung eines solchen regelmäßig stattfindenden Gedenktages geäußert worden.

Gedenkstein an der Neuen Straße

Als Ort wird der Gedenkstein an der Neuen Straße gewünscht, den bereits vor Jahrzehnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des später an den Europakanal umgezogenen psychiatrischen Bezirksklinikums gestiftet hatten. In den vergangenen Jahren seien dort, so Niclas, immer wieder von verschiedenen Seiten Gedenktreffen veranstaltet worden, aber ein regelmäßig wiederkehrender offizieller Gedenktag sei nach ihrer Wahrnehmung bislang nicht entstanden. Sie hofft auf die „offenen Ohren“ des Oberbürgermeisters, dass ein festes Datum für diesen Ort festgelegt und das Jahr über der Gedenkstein auch entsprechend gepflegt werden kann.

Während und nach der Veranstaltung sei großes Interesse für ein solches Gedenken und eventuell sogar für einen Gesprächskreis von Angehörigen und Nachfahren von Opferfamilien, aber auch Menschen zum Beispiel mit Psychiatrie-Erfahrung sowie von Menschen mit Behinderung geäußert worden. Es sei die Chance, sich im Hier und Jetzt bei solchen Veranstaltungen der Gemeinschaft einer solidarischen Stadtgesellschaft zu vergewissern.

Möglichkeit zur Teilhabe

Dies wäre, so die Bezirksrätin, eine konkrete Teilhabemöglichkeit am Projekt „Schaffung eines Gedenk- und Zukunftsortes“ neben dem laufenden Architektenwettbewerb, dessen Umsetzung noch ein langer Prozess sein wird. Niclas hebt hervor: „Schließlich geht es uns ja um Menschen, um das Erinnern an die Opfer der "Euthanasie"-Morde, aber auch um die Menschen in der Gegenwart, die der besonderen Hilfe der Gemeinschaft bedürfen und vor Ausgrenzung und Diskriminierung geschützt werden müssen“.