Erlangen - Die Nationalsozialisten hatten klare Vorstellungen über Normalität und Leistungen, die ein Mensch erbringen muss, um ein würdevolles Leben führen zu dürfen. Menschen mit Behinderung oder Erkrankung passten nicht in dieses Weltbild. Sie wurden in „Heil- und Pflegeanstalten“ gebracht, viele wurden ermordet. So auch in Erlangen. „Erbeessen“ ist der Titel einer Mischung aus Theater, Begegnungsort und Installation, die einen öffentlichen Diskurs über dieses Thema entfachen will. Wir sprachen mit der Theatermacherin Valentina Eimer darüber, was Interessierte bis 21. November in Erlangen in der Hauptstraße 43 erleben können.
20.11.2021 10:30 Uhr

Frau Eimer, Sie haben gemeinsam mit ihrer Kollegin Viktoria Maier ein „performatives Denkmal für die Opfer der NS-Morde in der Erlanger HuPfla“ erarbeitet. Warum der Titel „Erbeessen“?

Für uns hat das mehrere Bedeutungen. Zum einen geht es um unser Erbe als Stadtgesellschaft - es ist ein schwer auszuhaltendes Erbe.

ERL-Theatermacherin
Die Theatermacherinnen Valentina Eimer (r.) und ihre Kollegin Viktoria Maier haben ein „performatives Denkmal für die Opfer der NS-Morde in der Erlanger HuPfla“ erarbeitet. © privat, NN

Zum anderen geht es ums Essen - darum, das Ganze zu verdauen. Das bezieht sich auch darauf, dass viele Menschen in der Heil- und Pflegeanstalt verhungert wurden. Sie wurden aktiv verhungert durch die Gabe von B-Kost.

Was wollen Sie dem Publikum bieten?

Uns geht es darum, mit künstlerischen Mitteln einen Austauschraum zu schaffen. Wir wollen eine Plattform bieten, wo man etwas über das Thema erfahren kann, ein Kulturerlebnis hat, aber auch mit anderen Leuten ins Gespräch kommen kann. Es ist eine bunte Mischung aus Theaterszenen und Mitmachangeboten.

Sie machen das drei Tage lang, jeweils von 10 bis 24 Uhr. Kann man jederzeit kommen?

Ja, so ist es. Die Abläufe, Chorographien und Monologe wiederholen sich. Man kann mit derselben Eintrittskarte auch mehrmals kommen. Wir achten darauf, dass nicht mehr als 30 Leute gleichzeitig da sind. Und wir werden 2G und Maskenpflicht haben.

Wie sah Ihre Vorarbeit aus?

Wir haben uns seit Januar mit der Thematik sehr intensiv auseinandergesetzt. Unsere Texte basieren auf Krankenakten, auf Gesprächen mit Angehörigen und Zeitzeugen, aber auch mit verschiedenen Leuten der Stadtgesellschaft.

Von 19. bis 21. November ist es zwischen 10 und 24 Uhr jederzeit möglich zu kommen. Karten können vor Ort in der Hauptstraße 43 gekauft werden. Die Preisempfehlung liegt bei 5 bis 12 Euro. Die Aufführung ist barrierefrei und für Seh-, sowie Hörgeschädigte und Gehörlose geeignet.