So marode ist das unsanierte Opernhaus wirklich
Hinter schönen Türen bröckelt es: Beim Rundgang durch das Nürnberger Opernhaus wird klar, was alles zu tun ist – und dass hier viel verschlafen wurde. Eine echte Generalsanierung hat das 1905 eröffnete Stadttheater nie erfahren. Der Stadtrat möchte das städtische Gebäude nun endlich für die Zukunft rüsten.

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1/14 - Wer als Besucher ins Nürnberger Opernhaus kommt, kriegt einen anderen Eindruck: "Ist doch alles schick hier!" Das ist Teil der Show und auch gut so. Doch hinter manch schön gestrichener Brandschutztür offenbart sich die Kernsubstanz des Hauses. © Stefan Hippel, NNZ

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2/14 - Dachboden und Dachstuhl bereiten in dem historischen Theaterbau besonders große Sorgen. Das Stahlskelett erweist sich zwar prinzipiell als haltbare Konstruktion, aber durch Materialermüdung ist inzwischen die Statik nicht mehr intakt. Die Folgen: Verformungen, Brüche, Ziegel, die seit einigen Jahren mit Klammern vor dem Absturz bewahrt werden müssen. © Stefan Hippel, NNZ

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3/14 - Der Kabelsalat in den beengten Gängen hinter der Bühne zeugt davon, dass in den vergangenen 100 Jahren aber immer nur Flickwerk entstand und punktuell ausgebessert wurde. © Stefan Hippel, NNZ

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4/14 - Sieht man nicht, ist aber so: Die Hydraulik der Bühnen-Untermaschinerie steht im Wasser. Peter Gormanns, Technischer Direktor des Staatstheaters, kennt aber noch weitere Probleme im Keller: Die Kanalisation von 1905 ist leck und hüllt die hier Beschäftigten in Fäkalienduft. Räume sind durch die Feuchtigkeit schon verschimmelt. © Stefan Hippel, NNZ

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5/14 - Dieser Setzungsriss im Besucher-Treppenhaus zählt nicht zu den schlimmsten Alterungszeichen. Die Probleme sind mannigfaltig: Brandschutz, Arbeitssicherheit, fehlende Barrierefreiheit. © Stefan Hippel, NNZ

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6/14 - Auch nie reparierte Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wie dieser Schrapnelldurchschuss finden sich beim Rundgang. © Stefan Hippel, NNZ

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7/14 - Ein Blick vom Schnürboden auf die Opernbühne. Die Obermaschinerie wurde 2008 erneuert. Doch immer noch arbeiten die Mitarbeiter unter teils fahrlässigen Bedingungen. Der eiserne Vorhang zum Beispiel, der im Brandfall den Zuschauer- vom Bühnenbereich separiert, besteht nur aus Wellblech. © Stefan Hippel, NNZ

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8/14 - Unkaputtbar: Blick auf einen Arbeitstisch im ehemals 4. Rang des Opernhauses, von wo aus heute beleuchtet wird. Das in der Mitte ist in der Tat ein Wählscheibentelefon. Büros im Staatstheater sind ebenfalls zum Teil fensterlos und auf dem Stand der 1960er Jahre. © Stefan Hippel, NNZ

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9/14 - Eines der größten Probleme ist der generelle Platzmangel - und zwar allerorten und nicht nur im Kostümfundus. Zu den aktuell 32.000 Quadratmetern Arbeitsfläche wünscht sich das Opernhaus weitere 10.000 – was vor Ort durchaus machbar wäre. © Stefan Hippel, NNZ

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10/14 - Die Platznot plagt vor allem die Darsteller bei ihren Proben und die Bühnenarbeiter. Tag für Tag werden hinter den Kulissen 20 Tonnen Material bewegt, weil nichts mal eben kurz zur Seite geschoben und geparkt werden kann. Das Nürnberger Opernhaus dürfte weltweit eines der wenigen Häuser ohne Seitenbühne sein – weshalb in einem fort Produktionen auf- und wieder abgebaut werden müssen. Deshalb lahmt der Spielbetrieb. © Stefan Hippel, NNZ

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11/14 - 1935 wurde auf Anordnung Adolf Hitlers der Jugendstil aus dem Opernhaus gekratzt. Das hat unter anderem die Akustik nachhaltig beschädigt. Nur wenige Stücke abseits haben überlebt – wie dieses schicke Geländer. © Stefan Hippel, NNZ

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12/14 - Diese Durchsicht vom Dachboden auf die Bühne offenbart ihre Dramatik nicht von selbst. In der oberen Bildhälfte ist die Befestigung des Kronleuchters zu erkennen. Ein entscheidender Stahlträger wurde dafür bei den Umbauten in der NS-Zeit zerschnitten, später provisorisch wieder stabilisiert. Die damals abgehängte Saaldecke droht jetzt auf die heutige Decke zu stürzen. © Isabel Lauer

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13/14 - "Der Brandschutz duldet keinen Aufschub mehr", sagt Gormanns. Vor allem die zur Erbauungszeit hochmoderne Heizungsanlage ist hier mit ihren durchs ganze Bauwerk ziehenden Lüftungsrohren und -schächten zum Verhängnis geworden. Rauch könnte sich hier sofort verbreiten, die Quelle ist nicht auffindbar. Die Brandschutzgutachter gewähren einen - eingeschränkten - Betrieb nur noch bis zum Jahr 2025. © Stefan Hippel, NNZ

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14/14 - Ein alter Schriftzug in der Untermaschinerie erzählt vom stolzen Alter des Gebäudes, das im Jugendstil in neubarocker Architektur 1905 von Heinrich Seeling fertiggestellt wurde - als damals kurzzeitig modernstes Theater in Europa. © Stefan Hippel, NNZ